Axel Mönch zu Carbon Farming

Karbonsenken fehlt die Verlässlichkeit

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„Carbon Farming“ hat es ganz nach oben auf die agrarpolitische Agenda geschafft. Endlich steht die Landwirtschaft nicht nur am Pranger, sondern bietet sich mal als Lösung des Klimaproblems an. Überhaupt klingt es doch nach einer cleveren Idee, aus der notwendigen Klimawende neue Einkommensmöglichkeiten für Landwirte zu eröffnen.

Doch bei näherem Hinsehen ist es nicht ganz so einfach. Das hochgepushte Thema „Carbon Farming“, sprich: die Kohlenstoffanreicherung in landwirtschaftlich genutzten Böden, weckt bisher mehr Illusionen, als dass es neue, solide Geschäftsfelder schafft. In der Debatte werden bislang kurzfristige und langfristige Karbonzyklen in einen Topf geworfen, obwohl sie ganz unterschiedliche Wirkungen für das Klima und damit auch für die neuen Einkommensquellen für Landwirte haben.


Die Humusanreicherung über extensive Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und die pfluglose Bodenbearbeitung ist beispielsweise keine dauerhafte Karbonsenke. Flächendeckend angewendet, kann das „Humus Farming“ zwar einiges an Kohlendioxid im Boden versenken. Doch der Verbleib des Treibhausgases im Boden stößt schnell an natürliche Grenzen und Schwankungen. Die Humusanreicherung ist an bestimmte Bewirtschaftungsmethoden gebunden und damit an einen Bewirtschafter, der sich Jahr für Jahr an diese Methoden hält. Allein ein Besitzwechsel des Landes kann also aus einer Karbonsenke das Gegenteil machen und Treibhausgase emittieren. Mit der fehlenden Dauerhaftigkeit und Verlässlichkeit fehlen der Humusanreicherung aber entscheidende Voraussetzungen, um sie sich über den Verkauf von Klimazertifikaten für den Landwirt in harte Münzen umwandeln zu lassen. Besser sieht es mit Karbonzertifikaten aus der Wiederbewässerung von Moorböden und im Agroforst aus. Hier lassen sich zumindest für Jahrzehnte Karbonsenken garantieren.

Der erhebliche Verdienstausfall der Landwirte auf wiederbewässerten Moorflächen und der Verlust von Ackerland durch Agroforst könnte also wirklich durch den Verkauf von Klimazertifikaten ausgeglichen werden. In dieser Nische, die selbst in Deutschland und Polen nur wenige Prozentpunkte der Agrarfläche ausmacht, die aber entscheidend zum Klimaschutz beitragen kann, sind die Voraussetzungen für handelbare Zertifikate gegeben und damit neue Einkommensquellen möglich.

Für das Gros der Landwirte schmilzt damit das so hoffnungsvoll angepriesene „Carbon Farming“ auf einen kleinen verwertbaren Rest zusammen. Ihre Bemühungen um das Klima werden lediglich wie bisher durch staatliche Subventionen aus dem EU-Agrarhaushalt unterstützt. Zudem machten einige Großunternehmen in dieser Woche auf der Konferenz der EU-Kommission zu nachhaltigen Karbonzyklen deutlich, dass sie einiges Geld für das Carbon Farming bereithalten, auch wenn es sich nicht gleich um dauerhafte Karbonsenken dreht. Mit nüchternem Blick betrachtet, könnten also auch Ackerbauern ohne Moorböden ein wenig von dem neuen Geschäftsfeld abbekommen, wenn sie sich an einem Klimaprogramm ihrer Abnehmer beteiligen.

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Karbonsenke
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