Axel Mönch zu den Brexit-Verhandlungen

Furioses Finale


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Die EU und das Vereinigte Königreich proben ein aufführungsreifes Drama, um die inhaltliche Leere in den Handelsgesprächen zu überspielen.

Ursula von der Leyen würde gerne die Regie übernehmen. Doch die Dramaturgie der EU-Kommissionspräsidentin beschränkt sich darauf, den Schlussakt zu verlängern. An Weihnachten oder Silvester soll es zu einem furiosen Finale kommen. Dann dürfen sich die Unterhändler trotz ihres Scheiterns wenigstens als abgekämpfte Helden präsentieren.
Um wirtschaftliche Erwägungen geht es in den Brexitverhandlungen schon lange nicht mehr.



Die EU verteidigt die Standards ihres Binnenmarktes, ohne zu wissen, ob diese von den Briten überhaupt infrage gestellt werden. Der britische Premierminister Boris Johnson schwört sein Volk auf die vermeintlichen Segnungen der Unabhängigkeit ein. Der Patriotismus wird nicht allen Insulanern schmecken. Schließlich werden viele Briten zu Jahresbeginn auf Salat und Tomaten verzichten müssen. Das Frischgemüse wird zumindest einige Wochen lang in Transportern an der Grenze feststecken. Die Briten können stattdessen im Winter verstärkt auf heimatliche Möhren und Kohl zurückgreifen. Der Hering aus den eigenen Gewässern wird hingegen den britischen Speiseplan kaum bereichern. Zwar wollen die Briten künftig ihre Fischbestände mit Kriegsschiffen bewachen. Für den Fang fehlt ihnen aber bisher eine ausreichende Flotte.

„Egal, was passiert, dem Vereinigten Königreich wird es sehr sehr gut ergehen“, beteuert Johnson zwischen zwei Akten des Dramas. Um dem Politclown dieses Versprechen abzunehmen, muss man schon Brite sein.

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