Axel Mönch zu den Umweltauflagen

Maßnahmen werden immer kläglicher

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Im Zweifrontenkrieg verkümmert der Blick der Europäischen Kommission für das Wesentliche.

Die Frage der sicheren Versorgung mit Lebensmitteln steht seit Monaten im Raum und verliert kaum an Aktualität. Aber in dieser Woche prägt weniger der Ausfall der Getreidelieferungen aus der Schwarzmeerregion die Debatte. Die Verhandlungen über die Verschiffung von Weizen und Mais lassen schließlich vage Hoffnungen aufkommen. Erstmals schiebt sich die extreme Hitze in West- und Mitteleuropa in den Vordergrund der Diskussion. Der Klimawandel drängt sich mit Winden aus der Sahara ins Zentrum des versorgungspolitischen Zweifrontenkriegs der EU.
 
Die Maßnahmen der EU zur Abwehr von Versorgungsengpässen in Afrika wirken in Anbetracht der gewaltigen Kräfte immer kläglicher. Die EU-Kommission steht kurz davor, zwei kleine Umweltauflagen (GLÖZ 7 und GLÖZ 8) für das kommende Jahr zu lockern. Der Mengeneffekt der Maßnahme ist begrenzt und wird die Hungernden am Horn von Afrika kaum erreichen. Dafür lässt die brütende Hitze vor der Haustür daran zweifeln, ob die Agrarpolitik in Anbetracht ihres Zweifrontenkriegs noch den Überblick hat. Schließlich werden die Mindererträge durch die Trockenheit in diesem Sommer die Mehrerträge durch den Verzicht auf die ökologischen Vorrangflächen bei Weitem überschreiten.
 
Sollte es sich nicht um einmalige Wetterkapriolen handeln, sondern um eine ausgemachte Klimakrise, sind auch 2023 trotz des Verzichts auf GLÖZ 7 und 8 trockenheitsbedingte Einbußen in der EU zu erwarten. Damit wird es Zeit, dass sich auch die traditionellen „Produktivisten“ in der GAP-Debatte um langfristig ertragserhaltende Maßnahmen kümmern. Das ist zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen. Der Streit um GLÖZ 7 und 8 hat dabei allenfalls Symbolwert. Extensive Fruchtfolgen und Flächenstilllegungen retten das Klima nicht. Aber Weizen-Weizen-Fruchtfolgen mit ihrem hohen Bedarf an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sind sicherlich kein guter Anfang, um auf die wirklichen Herausforderungen bei der Ernährungssicherheit zu reagieren.
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Umweltauflage
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