Axel Mönch zum Mercosur-Abkommen

Die EU sollte auf den Mercosur zugehen

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Die Ablehnung des Handelsabkommens mit den Südamerikanern hatte schon immer etwas Selbstgefälliges. Für den Schutz des Regenwaldes gibt es bessere Lösungen.

 „Wir schotten unsere Agrarmärkte ab und schützen damit auch noch den Regenwald“, lautete das bequeme Kalkül der Opposition in der EU gegen das Abkommen. In Anbetracht der neuen geostrategischen Lage und der Notwendigkeit neuer Bündnisse bekommt die Hinhaltung der Mercosur-Länder etwas Fahrlässiges. Europa ist durch den Krieg in der Ukraine geschwächt. Die neue Rolle als Bittsteller wurde beim Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz in Kanada offensichtlich. Schließlich musste Deutschland die Kanadier davon überzeugen, LNG-Terminals an der Ostküste ihres Landes zu bauen und sich dabei auch noch über einige Umweltbedenken hinwegzusetzen. Intensivere Beziehungen der EU zu Südamerika drängen sich nach der Distanzierung von Russland und China ebenfalls auf. Die tiefhängenden Früchte des bereits 2019 ausgehandelten Mercosur-Vertrags müssen dafür nur noch geerntet werden. Allerdings muss die EU darauf verzichten, zu sehr in die Umweltpolitik der Südamerikaner hineinreden zu wollen.

Die Akzente im Handel über den Südatlantik werden sich ohnehin verschieben, wenn die EU zukünftig grünen Wasserstoff und mineralische Rohstoffe von dort beziehen will. Unter den neuen Rahmenbedingungen sollte der Mercosur-Vertrag nicht mehr durch das Regenwaldproblem blockiert werden. Schließlich gibt es für den Schutz des Waldes bessere Möglichkeiten – etwa über die zurzeit in der EU abgestimmten Verordnung über abholzungsfreie Agrarimporte. Auch der von den Gegnern des Mercosur-Abkommens geforderte Schutz der europäischen Rindfleisch- und Zuckermärkte vor Importen gerät nach der kriegsbedingten Verteuerung von Lebensmitteln in der Welt in eine Schieflage. Die EU will ihre eigene Agrarproduktion maximieren und riskiert deshalb eine verzögerte Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie. Aber Protektionismus und die Mission zur Bekämpfung des Hungers in Afrika passen nicht zusammen. Ist dem EU-Agrarsektor wirklich an einem rasch steigenden Angebot auf dem Weltmarkt gelegen, müsste er auch Brasilien und anderen Agrarriesen alle Möglichkeiten zur Entfaltung einräumen.

 

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