Bernhard Vetter zum Verbot des Kükentötens

Raubtiere fressen nun mal keinen Salat

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Die am intensivsten verbreiteten Narrative entsprechen oft nicht unbedingt auch am meisten der Wahrheit.

Denken wir nur an die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak, die als Kriegsgrund herhalten mussten, ohne jemals zu existieren. Oder an das im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen TTIP durchs Dorf getriebene „Chlorhühnchen“, das kein einziges Chlor-Atom am nackten Leib hatte. Oder an die bösen Windräder, die sich angeblich Vögeln in den Weg stellen.

Bei den Küken, die seit Jahresbeginn nicht mehr getötet werden dürfen, ist es nun so ähnlich. Nur die allerwenigsten von ihnen wurden tatsächlich geschreddert. Denn, zwar tot, aber ansonsten körperlich unversehrt, galten sie als wertvolles und oft alternativloses Futter für zahlreiche fleisch- oder allesfressende Tiere, zum Beispiel in Zoos.

Die Zoologischen Gärten versuchten, das Tötungsverbot zu verhindern, konnten sich damit aber bekanntlich nicht durchsetzen. Nicht durchsetzen konnte sich auch das Nachdenken darüber, was bestimmte Zootiere oder auch Greifvögel, die in Auffangstationen für die Freilassung aufgepäppelt werden, denn nun zu fressen bekommen.

Flauschige Küken sollten es anscheinend nicht sein – oder wenn doch, dann nur solche aus dem Ausland, worauf es nun hinausläuft. Einen Ersatz stellen allenfalls noch Mäuse dar, die aber extra gezüchtet werden müssen, während die Futterküken sowieso da sind.

Nun kann man nicht wissen, ob die Zoos es mit Emotionalisierungen oder gar klaren Fakten geschafft hätten, gegen die öffentliche Empörung über das Kükentöten anzukommen. Versucht haben sie es anscheinend nicht. Der Beweis: Auf den Webseiten und in den Social-Media-Kanälen herrscht Niedlichkeit wie eh und je. Allenfalls sterben Zootiere demnach mal an Altersschwäche. Dass Fleischfresser mangels eigener Jagdmöglichkeiten noch lange nicht zu Vegetariern werden können, wird kaum thematisiert. Das hat sich nun gerächt.

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