China übernimmt die Führung in der FAO

Mit Vitamin „M“ gegen den Hunger


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Bislang wirkt die Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen im Hintergrund, für Außenstehende blieb sie auch eher blass. Doch es lässt sich erwarten, dass sie sich ab 1. August 2019 zu einem interessanten Schachbrett im globalisierten Wettkampf der Regionen der Welt wandeln wird.

 

Neben Marktanalysen, Ernteprognosen, Hilfsprogrammen und anerkannt fundierten Studien spielte die FAO im politischen Sinne eher eine untergeordnete Rolle. Sie steht für Engagement und Verantwortung der industriell geprägten Staaten und war seit ihrer Gründung 1945 vorwiegend westlich geprägt. In gewisser Weise wirkt die Organisation auch unterstützend für ein gutes Gewissen der Industrieländer.

Chinesischer Genetiker macht das Rennen

Am vergangenen Wochenende nun wurde der neue Generalsekretär der FAO gewählt. Von 191 abgegebenen Stimmen der 193 Nationen in der UN entfielen 108 und damit 56 Prozent auf den Kandidaten der Volkrepublik China. Es handelt sich um den bisherigen stellvertretenden Landwirtschaftsminister des Reichs der Mitte, den 56-jährigen im niederländischen Wageningen promovierten Genetiker Qu Dongyou. Mit Beginn der vierjährigen Amtsperiode im August  wird also erstmals ein Chinese die Geschicke der traditionsreichen Organisation lenken.

Es hätte alles so vertraut bleiben können, wenn die von den Ländern der EU favorisierte Kandidatin Catherine Geslain-Lanélle aus Frankreich die Mehrheit erhalten hätte. Doch der größte Vertreter des „alten Westens“ und Hauptbeitragszahler der FAO, die USA, hatten für einen Vertreter Georgiens gestimmt und damit sowohl gegen China als auch die EU.

„Die Wahl geht weit über die Besetzung der FAO hinaus“, sollen Konferenzteilnehmer geäußert haben. Tatsächlich gehe es um eine Richtungsentscheidung und den Einfluss der großen Staaten in der Welt, so die Einschätzung. Tatsächlich lässt sich erwarten, dass unter dem Vorsitz Chinas in der FAO eine neue Dynamik erkennbar werden wird. Denn für China ist die Ernährungssicherung von herausragender strategischer Bedeutung. Einerseits für die eigene Bevölkerung, zugleich aber auch als Instrument zur Erweiterung der eigenen Einflusszone in anderen Teilen der Welt. Und die FAO kann für die Umsetzung der eigenen nationalen Ziele eine prominente Rolle übernehmen.

Money makes the world go around

Die Finanzausstattung der FAO möchte der neue Generaldirektor verbessern. Er sprach von „Vitamin M“ – M steht dabei für Money. Mehr „M“ aus China, mehr „M“ für die Empfängerländer. Die Richtung wird erkennbar. Darüber, ob Vitamin M auch bei der Entscheidungsfindung der an der Wahl beteiligten Länder eine Rolle spielte, kann nur spekuliert werden.

Das Gesamtbudget der Organisation für den Zeitraum 2018/19 umfasst nach eigenen Angaben 2,6 Mrd. US-Dollar. Knapp 40 Prozent davon entfallen auf reguläre Beitragszahlungen, gut 60 Prozent auf freiwillige Zahlungen von Mitgliedsstaaten oder anderen Partnern. Deutschland ist mit einem Anteil von 6,4 Prozent der viertgrößte Zahler, nach den USA, Japan und China.

Interessante Entwicklungen über die künftige Ausrichtung der FAO lassen sich in jedem Fall erwarten. Denn ob alle Geberländer mehr „Vitamin M“ bereitstellen darf bezweifelt werden. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass angesichts der Rivalitäten der großen Regionen, insbesondere China und den USA, ein heftiges Gezerre in der bisher so harmonisch erscheinenden Welternährungsorganisation entstehen wird. Wie auch immer, China wird seinen Einfluss erweitern.

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