Daphne Huber-Wagner zur Stimmung auf den DLG-Feldtagen

Wandertag

Trocken und mit einem kühlen Wind aus Nordost an allen drei Tagen sind die DLG-Feldtage in Bernburg am Donnerstagabend zu Ende gegangen. Aufatmen bei der Ausstellungsleitung, den 400 Ausstellern und etwa 20.000 Besuchern.

 

Denn irgendwie scheint der Erfolg der größten Freiluftschau des Pflanzenbaus immer eng mit dem Wetter zusammenzuhängen. Hauptsache, es regnet nicht, heißt es schon lange vor Beginn. Die Schlammschlachten vor zwei Jahren in Bayern und vor sechs Jahren in der Saalestadt haben sich tief eingebrannt. Ein bisschen paradox, den Regen zu verbannen. Denn derzeit brauchen die Landwirte im Osten und Norden nichts dringender als Wasser von oben. Aber am Freitag, wenn alle Zelte und Bungalows abgebaut sind, soll endlich das ersehnte Nass kommen. Eine beruhigende Aussicht für alle.

Welcher Eindruck bleibt von den DLG-Feldtagen? Zuerst ein großes Lob an die Veranstalter. Die Wegführung und die Anordnung der Stände waren dieses Jahr sehr übersichtlich gestaltet und die Orientierung sichergestellt. Vielleicht war das Gelände etwas zu groß angelegt. Denn manches Mal hatte der Besucher den Eindruck, sich auf den langen Wegen etwas zu verlieren und immer gerade da nicht zu sein, wo etwas Spektakuläres an den Ständen oder bei den Maschinenvorführungen abgeht. Die Suche nach Highlights war mühsam. Eine Kollegin nennt es 'reizarme Kost'. Selbst die Fußball-Weltmeisterschaft hat die Aussteller nicht sonderlich bei der Standgestaltung inspiriert. Die Maschinenvorführungen, eigentlich Publikumsmagnet, waren gut besucht, aber die Massenströme aufs Feld blieben aus. Einen hohen Unterhaltungswert hatten die launischen Kommentierungen von Prof. Karlheinz Köller zu den verschiedenen Gerätekombinationen der mechanischen Unkrautbekämpfung. Gefehlt haben die Vorführungen zur Gülleausbringung. Diese Hersteller haben komplett wegen Kommunikationsschwierigkeiten der Verbände VDMA und DLG gefehlt.

Auffallend war die hohe 'Man und Woman Power' an den Ständen. Zum Glück für die Landwirte. Denn wie im leeren Kaufhaus stürzten sich manches Mal die Mitarbeiter auf den Gast und beantworteten ihm ausführlich alle seine Fragen rund um den Pflanzenbau. Und davon gibt es angesichts der vielen gesetzlichen Einschränkungen zuhauf. Züchter, Betriebsmittelanbieter und Kammern waren auf die Umstellung der Düngung und das Fehlen von Wirkstoffen vorbereitet. Sie finden in Bernburg optimale Verhältnisse, ihre Versuche ein Jahr zuvor, zum Stichtag im kommenden Juni, perfekt vorzubereiten. Vielleicht liegt es aber gerade daran, dass sich Landwirte immer weniger von den handgestriegelten, ständig bewässerten Versuchsfeldern faszinieren lassen. Denn zu Hause bietet sich auf dem eigenen Acker doch meist ein anderes Bild. Diesen Frust und die lange Anfahrt ersparen sich immer mehr Pflanzenbauer. Und nicht zu vergessen: Es gibt mittlerweile in allen Regionen Deutschlands Feldtage vor der Ernte, veranstaltet von den Kammern, Agrarhändlern oder Landesanstalten, wo für jeden etwas dabei ist, um sich vor Ort mit den Beratern und Kollegen über die eigenen pflanzenbaulichen Probleme zu unterhalten.

Die DLG hat erstmals mit einem Gelände für den Öko-Landbau einen Coup gelandet, das Gegeneinander zwischen 'öko und konventionell' aufzuheben, um daraus ein Miteinander und Voneinander-lernen gemacht. Nun fühlen sich auch die Ökolandwirte auf den DLG-Feldtagen willkommen und kommen mit ihren Kollegen in einen fruchtbaren Austausch.

Und auch auf politischer Ebene hatten die Feldtage den schönen Nebeneffekt, dass sich die zerstrittenen Vertreter des Bauernverbandes und des grün regierten Agrarministeriums in Magdeburg auf den DLG-Feldtagen über den Weg liefen und ein Hauch von Annäherung zu spüren war. Die Zeiten sind für alle schwierig. Die Suche nach Innovationen und Alternativen im Pflanzenbau geht alle an. In zwei Jahren wandert die Show nach Lippstadt in Westfalen. Dort wird es auf dem Hof der Schwester von Johannes Rau wieder etwas kuscheliger. Bis dahin werden alle ein wenig mehr zusammenrücken müssen. Mehr Raum sollten allerdings die vielen Start-up-Unternehmen bekommen, die neue digitale Wege aufzeigen und das junge Publikum anlocken, die die Landwirtschaft so dringend braucht. 

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