Dagmar Behme zum Hochsommer im Mai

Frust statt Lust

Wie auf einem anderen Stern fühlen sich Landwirte, wenn sie den Wetterbericht hören. Wochenlang ist im Wonnemonat Mai von schönem Wetter die Rede. Schön für die Natur wäre aber schlechtes Wetter.

 

Die meisten Landwirte sehnen einen tagelangen Landregen herbei, um die vielerorts ausgedörrten Böden wieder aufzufüllen. In Hochstimmung versetzt der morgendliche Wetterbericht im Radio dagegen große Teile der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung. Der Mai erlaubt ausgedehnte Freibadbesuche und lange Grillabende. Um sich Sorgen wegen des Klimawandels zu machen, ist noch ausreichend Zeit, wenn der kalendarische Hochsommer ins Wasser fällt oder der trübe November ansteht. Tiefer ins Grübeln kommen außer den Bauern lediglich diejenigen, denen die Unwetter der vergangenen Wochen die Keller mit Schlamm gefüllt oder das Auto weggerissen haben.

Klimaexperten rechnen damit, dass solche Wetterextreme noch zunehmen werden. Die Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Mai 2018 sprechen eine deutliche Sprache. Ende Mai wurde in Lingen im Emsland eine Höchsttemperatur von 34,2 °C gemessen, die Ostseeküste verzeichnete mehr als 370 Stunden Sonnenschein und im sachsen-anhaltinischen Wittenberg hat es im Mai nur an einem einzigen Tag messbaren Niederschlag gegeben – und das waren minimale 1,2 l/m². „Deutschland befindet sich mitten im Klimawandel“, heißt es deswegen in dieser Woche auch beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Den Landwirten tut der Klimawandel schon seit Jahren weh, gerade im trockenen Nordosten. Dort bereitet das Sommerwetter Frust statt Lust. In Brandenburg bringt Heiko Terno, Vizepräsident des Brandenburger Landesbauernverbandes, in einem Rundfunkinterview seine Enttäuschung zum Ausdruck: „Vor hundert Jahren hätten jetzt alle Angst, den nächsten Winter nicht zu überstehen. Heute interessiert das keinen mehr. Da sind wir mit unseren Sorgen alleine.“ Landwirt Klaus Münchhoff aus Sachsen-Anhalt beobachtet Ähnliches: „Die vorhergesagten Niederschläge sind im Mai weitgehend an uns vorüber gegangen. Und dann hören wir im Wetterbericht, dass wieder ‚schönes‘ Wetter sein wird. Das ist eine Aussage, die alle, die wie wir von der Landwirtschaft leben, schwer trifft.“

Nächste Woche wird der scheinbare „Endlos-Sommer“ doch noch vor dem Herbst eine Pause eingelegen. Fußballfans werden jammern, dass WM-Spiele nicht durchweg im Freien genossen werden können. Gelassen bereiten sich die Aussteller und Besucher auf die DLG-Feldtage in der kommenden Woche in Bernburg vor. Sie sind mit allen Wetterlagen vertraut.

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