Dagmar Behme zur Aufwertung von Haferbrei

Mehr als ein Katerfrühstück


Dagmar Behme
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Dagmar Behme

Eine der letzten Bastionen für ungesundes Essen fällt. An Hauptbahnhöfen können sich Reisende mit Haferbrei stärken. Bricht für den Haferanbau ein goldenes Zeitalter an?

Ob Berlin, Frankfurt am Main, Köln, Dresden, Bonn, Hannover oder München-Pasing: Wen beim Warten auf den Zug der kleine Hunger überfällt, ist nicht länger auf die immer gleichen Backshops mit ihrem fettig-süßen Angebot angewiesen.

Stattdessen können Reisende in einer der Haferkater-Filialen traditionellen Haferbrei essen, der nach schottischem Rezept zubereitet und deswegen als Porridge angepriesen wird. Das erste Haferkater-Café haben drei junge Berliner 2014 im Szenestadtteil Friedrichshain eröffnet. Aus dieser Keimzelle hat sich ein Franchise-Unternehmen mit heute neun Standorten entwickelt, das beständig expandiert. Überzeugt hat das Konzept von Anfang an auch Fachleute. Zuerst hat es bei der Berlin Food Night einen der sechs Gastro-Gründerpreise 2015 abgeräumt. Die Deutsche Bahn, die regelmäßig in Wettbewerben nach innovativen Gastrokonzepten für ihre Bahnhofshallen sucht, unterstützt das Start-up seit 2016.


Der Anbieter ist mittlerweile an mehreren Hauptbahnhöfen, im Bild Frankfurt am Main, vertreten.
Foto: Haferkater
Der Anbieter ist mittlerweile an mehreren Hauptbahnhöfen, im Bild Frankfurt am Main, vertreten.
Die Idee, so erzählen es die Berliner Gründer gerne, basiert sowohl auf Kindheitserinnerungen an wohlschmeckenden Haferbrei als auch auf Reiseerfahrungen in Großbritannien, wo ein Frühstück ohne Porridge fast undenkbar ist. In den schottischen Highlands wird seit 1994 sogar jährlich im Herbst die „World Porridge Making Championship” ausgetragen. Der Name Haferkater geht übrigens auf eine weitere Eigenschaft des Getreidekorns zurück, die nicht in den klassischen Ernährungsratgebern auftaucht. Nach zu viel Alkoholgenuss soll der Haferbrei helfen, den Kater zu vertreiben.

Viel stärker beachtet wird bei der jetzigen gesundheits- und umweltbewussten Kundschaft jedoch, dass die Haferkater-Produkte in jedem Fall in Bioqualität und auf Wunsch auch in einer veganen Variante angeboten werden. Auf zertifizierte Ökoqualität werden die Haferkater-Macher auch in Zukunft bauen, wenn sie ihr Sortiment Richtung Handel ausbauen. Für ein solches Convenience-Angebot auf Haferbasis laufen die Vorbereitungen, weiß die Lebensmittel-Zeitung.

Damit ist für die deutsche Landwirtschaft der potenzielle Absatzmarkt abgesteckt. Er ist nicht nur klein, sondern darüber hinaus für Ökobauern reserviert. Auf Anfrage von agrarzeitung.de beziffert Anna Schubert von der Haferkater-Geschäftsführung den Haferbedarf 2020 auf voraussichtlich 30 bis 35 Tonnen. Das ist ein Klacks – selbst für den ohnehin kleinen deutschen Hafermarkt.

Dennoch begeistert das Konzept Haferzüchter wie Pflanzenbauer. Dass eine solch traditionelle Getreideart und ein noch altmodischeres Ernährungsprodukt eine derartige Aufwertung erlebt, lässt hoffen. Vielleicht befördert ein verändertes Essverhalten sogar früher oder später auch vielfältigere Fruchtfolgen? Die Antwort lautet ja, aber eher später als früher. Nennenswerter Absatz entsteht erst im Vertrieb über den Lebensmittelhandel. Haferkater kann allerdings in seiner sichtbaren Nische an den Bahnhöfen durchaus etwas für das Image des heimischen Getreides bewirken. Und das ist auch schon viel wert.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Michael
    Erstellt 6. Februar 2020 15:24 | Permanent-Link

    Solange der Lebensmittelhandel nicht mit Luftnummern daherkommt und die gleichen Haferflocken mal als Haferflocken und mal als Porridge verkauft (letzteres mit einem irrwitzigen Preisaufschlag) wird der Absatz hoffentlich bald steigen.

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