Dagmar Behme zur Geflügelrepublik

Statt Bundesadler ein Huhn

Wer im Goldenen Oktober bei Tageslicht auf dem Hannoveraner Flughafen landet, traut seinen Augen kaum: Begrüßt wird er nicht etwa in der Landeshauptstadt von Niedersachsen, sondern in der Geflügelrepublik Deutschland.

Seit September prangt auf einer rund 5.000 Quadratmeter großen Ackerfläche direkt in der Einflugschneise des Flughafens Hannover-Langenhagen in Weiß auf Grün der Schriftzug „Willkommen in der Geflügelrepublik Deutschland“. Im Zentrum befindet sich als neues Nationalwappen statt des Bundesadlers ein Huhn. Das weithin sichtbare Motiv wurde mit Vlies ins Feld gezeichnet und soll noch bis Ende November zu sehen sein, kündigt der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) an.

Wer in Hannover am Flughafen landet, wird jetzt mit einem besonderen Willkommensgruß empfangen.
Foto: ZDG
Wer in Hannover am Flughafen landet, wird jetzt mit einem besonderen Willkommensgruß empfangen.

Wen der Anblick aus dem Flieger völlig ratlos macht, wird auf der Internetseite Die deutsche Geflügelwirtschaft kaum schlauer. Empfangen werden die Nutzer hier von drei Botschaftern: „Der stolze Hahn, die neugierige Pute und die elegante Ente“ sollen – so begründet es der ZDG – eine „humorvolle Einladung zum Dialog“ darstellen, denen dann „harte Fakten“ folgen.

Die drei Botschafter der Geflügelrepublik: „Neugierige Pute, elegante Ente und stolzer Hahn“.
Foto: ZDG
Die drei Botschafter der Geflügelrepublik: „Neugierige Pute, elegante Ente und stolzer Hahn“.

Doch eigentlich will der Verband ernsthaft über die Arbeit der Geflügelmäster aufklären, von der die Verbraucher zu wenig wissen. Information steht aber nicht im Mittelpunkt. Stattdessen übertreffen sich Internet- und Facebook-Auftritt mit Klamauk. In einem kurzen Video darf das Geflügel sogar fliegen, aber nicht etwa mit dem naturgegebenen Eigenantrieb, sondern mit einem Flugzeug. Beim Check-In werden Ente, Pute und Huhn dann bevorzugt aufgerufen. „Bei uns kommt das Tier zuerst“, lautet die Botschaft des ZDG.

Solche humoristischen Einlagen kommen allerdings gar nicht sonderlich gut an. „Meinen Sie diese Werbevideos zur Geflügelrepublik ernst?“, fragt etwa ein Nutzer in der Rubrik Frage und Antwort. Ein anderer will wissen: „Und wie erklären Sie die ständigen Skandale über Tierquälerei in Geflügelbetrieben? Alles Märchen oder was?“ Ob die Antwort: „Halter, die gegen Gesetze verstoßen, stehen nicht für die Gesamtheit der deutschen Geflügelwirtschaft“ den Nutzer beruhigt? Wohl kaum. Noch ermüdender sind die Posts auf Facebook, in denen sich vor allem Tierhaltungsgegner austoben und mit Geschmacklosigkeiten überbieten.

Die „Geflügelrepublik Deutschland“ ausgerufen hatte der ZDG bereits im Sommer. Zum Start beurteilte die Redaktion des Hamburger Internet-Portals Mediaa die Marketing-Aktion als „missratene Kampagne, mit der die Geflügel-Lobby den Vogel abschießt“. Aufmerksamkeit erzeuge der Internet- und Facebook-Auftritt durchaus. Aber für die Media-Fachleute passt der Spaßfaktor partout nicht zusammen mit den regelmäßigen Nachrichten, dass der Tierschutz auf Bauernhöfen noch längst nicht überall gewährleistet wird. Auch die jetzige Flughafen-Aktion ist alles andere als eine sanfte Landung. Geflügelhalter müssen sich schon mehr anstrengen, wenn sie Verbraucher aufklären wollen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats