Dagmar Behme zur Lage auf den Agrarmärkten

Wenig Euphorie

Dagmar Behme
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Dagmar Behme

Der Preisauftrieb an den globalen Agrarmärkten hilft nur wenigen. In Deutschland wirkt der starke Euro als Bremse.

Wer Getreide oder Ölsaaten im Silo hat, kann sich glücklich schätzen. Der Preistrend nach oben ist ungebrochen. Gekniffen sind jedoch alle, die auf Zukäufe angewiesen sind. Am schlimmsten trifft es deutsche Schweinemäster, die – ohnehin gebeutelt von fehlendem Absatz und Niedrigstpreisen – jetzt auch noch ihre Tiere teuer füttern müssen.

Analysten prognostizieren weit in das Jahr 2021 hinein hohe Preise. Nach Jahren mit üppig versorgten Agrarmärkten fehlen in dieser Saison am Weltmarkt Soja und Mais. Allen voran kauft China die Vorräte leer. Dort scheint endlich die Afrikanische Schweinepest (ASP) bewältigt, und sukzessive füllen sich wieder die chinesischen Schweineställe. Dafür werden riesige Futtermengen benötigt. Mit diesem Anstieg der Nachfrage hält aber die aktuelle Mais- und Sojaproduktion nicht Schritt. Die Sojabestände könnten in der laufenden Saison auf ein 24-Jahres-Tief fallen, sagen Agrarexperten der Rabobank voraus. Mais wird ebenfalls knapp. Selbst wenn die US-Farmer im Frühjahr sämtliche Flächen für den Anbau mobilisieren, sind auch 2021 Überschüsse eher unwahrscheinlich.


Weizen gehört zwar noch nicht in die Riege der raren Agrarrohstoffe, doch das kann sich schnell ändern. Auch hier gibt China das Tempo vor, und rund um den Globus füllen die Importländer ihre Bestände, damit sie nicht im Frühjahr auf fast ausverkauften Weltmärkten zu Mondpreisen zukaufen müssen. Neben der regen globalen Nachfrage heizt La Niña die Preise an. Das Klimaphänomen gilt als Ursache für die aktuelle Trockenheit in Brasilien und Teilen Argentiniens. Auf der Nordhalbkugel könnte La Niña die Winterniederschläge mindern. Dann würde in den USA und Russland die schützende Schneedecke fehlen, die bei Frosteinbrüchen die Wintersaaten schützt.

In Deutschland kommen diese preistreibenden Einflüsse allerdings nur abgeschwächt an. Als Bremse wirkt der starke Euro – der im Vergleich zu den Währungen wichtiger Agrarexportländer kräftig aufgewertet hat. Das gilt für die Leitwährung US-Dollar, aber ebenfalls für den russischen Rubel und den brasilianischen Real. Während in den Schwachwährungsländern die Landwirte unmittelbar von den in Dollar steigenden Weltmarktpreisen profitieren, kommt der harte Euro die hiesigen Erzeuger teuer zu stehen.

Am meisten leiden die deutschen Agrarmärkte jedoch unter Virusfolgen. Die ASP drückt die Schweinepreise auf historische Tiefstände, die Lockdowns der Covid-19-Krise verhindern die vorweihnachtlichen Außer-Haus-Festessen. Zu spüren bekommen das unter anderem die Kartoffelanbieter oder Rindermäster. Und dennoch tun die bullischen Signale an den Weltmärkten auch der deutschen Landwirtschaft gut. Sie machen Hoffnung, sobald die Corona-Pandemie ihren alltäglichen Schrecken verliert.

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