Dagmar Behme zur Sparsamkeit der Verbraucher

Geiz lässt sich überwinden

Die Deutschen geben fürs Essen immer weniger aus. Geizig sind sie aber nur im Supermarkt. Wenn der „kleine Hunger“ kommt, greifen Verbraucher tief in die Tasche. Und da ist noch viel mehr drin.

Rush Hour in einer x-beliebigen deutschen Großstadt: Am frühen Morgen entweicht der gewöhnliche Städter erleichtert der Enge in überfüllten Bussen und Bahnen. Doch gleich darauf sucht er wieder die Nähe zum Mitmenschen und stellt sich auf dem Weg zum Büro noch schnell in die lange Schlange. Wenigstens ein belegtes Brötchen oder ein Coffee to go müssen drin sein, bevor der anstrengende Arbeitsalltag beginnt. Kostenpunkt: mehrere Euro, und das an unzähligen Werktagen.

Allein für ein belegtes Käsebrötchen sind üblicherweise zwischen 1,30 und 2,50 Euro fällig. Das Rezept ist denkbar einfach. Das Brötchen kommt meist mit Margarine, einer Scheibe einfachen Käses und eventuell garniert mit einem Salatblatt daher. Selbstgeschmiert würde es mit etwa 40 Cent zu Buche schlagen. Das zeigt, dass deutsche Verbraucher gar nicht so sparsam sind, wenn es ums Essen geht.

Veggie-Ecke, Originalteil und Landfrauenküche

Auch die Kantinenbetreiber versuchen, den Geiz ihrer Kundschaft zu überwinden. Sie locken mit immer neuen Kreationen, um bei den Mitarbeitern in den Pausen den einen oder anderen Euro zusätzlich locker zu machen. Wie einfallsreich es in der Gemeinschaftsgastronomie mittlerweile zugeht, zeigen drei Beispiele des Marketing-Awards 2018, den die Fachzeitschrift GV-Praxis und die Fachmesse Internorga jetzt erstmals verliehen hat.

  • Als Goldstandard beurteilte die Fachjury das Angebot des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg. Dort lockt die Mensa mit einer eigenen Veggie-Zone. Sie bietet auf 110 Sitzplätzen vegetarische und vegane Hauptgerichte und Zwischenmahlzeiten. Das Konzept überzeugt in jeder Hinsicht: Fleischlos ist der Trend der Jugend, an Unis tummelt sich künftige Kaufkraft und wer früh von Kantinenkost überzeugt werden kann, bleibt ihr in der Regel auch später treu.
  • So avantgardistisch muss es in der Gemeinschaftsgastronomie aber keineswegs zugehen, um glückliche Mienen zu erzeugen. Tradition hat gleichermaßen Zukunft. Das beweist der 45. Geburtstag einer Spezialität, dessen Rezeptur bis heute ein streng gehütetes Geheimnis bleibt. Einen Spezialpreis war der Jury diese Currywurst in der Volkswagen-Kantine wert, die dort seit mehr als vier Jahrzehnten als „Originalteil“ das Tagesmenü ziert.
  • Schließlich kommt der Regio-Trend gut an. Die Cateringgruppe SV Deutschland hat im Oktober 2017 nach Rezepten der rührigen Landfrauen aus Lette im Münsterland gekocht. Die Aktionswoche „Landfrauenküche“ mit regionalen Zutaten hat den Marketing-Award 2018 in Bronze gewonnen.

Der Agrarbranche sollten solche Trends die Augen öffnen. Es bringt nichts, regelmäßig darüber zu lamentieren, wie wenig den Deutschen ihre Nahrung noch wert erscheint. Das, was beim Discounter eingespart wird, wird eben an der Bäckertheke oder in der Kantine ausgegeben. Es lohnt sich über Wege nachzudenken, sich in diese Wertschöpfungskette einzuklinken.

2 Kommentare

  1. Ina
    Erstellt 5. Juli 2018 18:23 | Permanent-Link

    Vollkommen richtig. Von dieser Art der Wertschöpfung hat der Landwirt aber nüscht. Und mit Wertschätzung hat der Trend zum Außerhausverzehr auch nichts zu tun. Ist lediglich ein Spiegelbild der zunehmenden (Küchen-)Faulheit

  2. Jochen Böhrer
    Erstellt 5. Juli 2018 20:52 | Permanent-Link

    Genau. SO vermarkten die Bauern der Uckermark oder des Allgäus dann ihre Produkte und ernähren Berlin, München und den Ruhrpott. DIE Lösung für die Landwirtschaft. Für TRÄUMER!

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