Peter Seeger über Stallvorschriften

Rosige Zeiten oder eher Dornenwald?


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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hält Asien in Atem. Bestandsreduzierungen um 20% bis 30% in China werden berichtet. Wenn man bedenkt, dass dort ungefähr die Hälfte der weltweit gehaltenen Schweine stehen, kann man sich ausmalen, was dies für die weltweiten Schweinepreise bedeutet.

Nach einem Jahr auf niedrigem Niveau haben sich die Schweinepreise leicht über 1,80€ stabilisiert. So manch einer phantaisert schon von Preisen von mehr als 2 €, da kaum einer glaubt, dass Asien die ASP bald unter Kontrolle kommt.

Jeder Händler weiß, dass das beste Mittel gegen hohe Preise die hohen Preise selber sind. Teure Schweinefleisch-Produkte werden nicht mehr so oft gekauft oder durch andere Fleischarten ersetzt. Die Geflügelbranche wird sicherlich kurzfristig einen gewissen Teil der fehlenden Mengen ersetzen. Zudem gibt es weltweit viele Regionen, in denen sehr kurzfristig neue Stallanlagen für zum Export bestimmtes Schweinefleisch errichtet werden können.  Der Schweinezyklus hat es schon immer gezeigt, dass besonders nach Schweinepest-Ereignissen mit hohen Schweinepreisen eine ausgiebige Tiefpreisphase kommt. Neu für uns ist diesmal, dass es sich explizit um ein weltweites Geschehen handelt.

Gibt es jetzt auch einen Schweinesta-Bauboom in Deutschland? Eher unwahrscheinlich. Schon das Preishoch 2016/2017 hat nicht bedeutend zu neuen Schweineställen geführt. Hierfür gibt es momentan zu viele ungelöste Probleme im politischen Umfeld der Schweinehaltung.

Zumindest in der Frage der Kastenstandhaltung hat sich in den vergangenen Wochen etwas bewegt. Zur Änderung der Schweinehaltungsverordnung ist ein Referentenentwurf in die Abstimmung mit den Verbänden gegangen. Nun ist sicher, dass nicht nur die Haltung der Sauen im Besamungsstall, sondern auch der Freilauf im Abferkelstall umgesetzt werden wird. Dies macht den Umbau im Stall viel aufwändiger, jedoch hat der Betrieb dahurch hoffentlich mehr Planungssicherheit für die nächsten Jahre.

Es besteht auch noch erheblicher Beratungsbedarf, was die genaue Auslegung der einzelnen Punkte betrifft. Zwei Punkte bedeuten möglicherweise erhebliche Mehrkosten und sind nicht unbedingt für das Tier sinnvoll:

  1. Die Breite der Kastenstände wird in drei Stufen nach der Größe der Sauen eingeteilt, was in der Praxis sinnvoll und umsetzbar ist. Jedoch soll die Länge des Kastenstandes von momentan 200cm auf 220cm angehoben werden. Wird in den Beratungen noch die Möglichkeit der Anrechenbarkeit des hochgelegten Troges entfallen, würde der Kastenstand 40 bis 50 cm länger zu Lasten des Ganges. Hierzu fehlt oftmals die Breite des Gebäudes, sodass ganze Reihen an Sauenplätzen entfernt werden müssen.
  2. Die Abferkelbuchten werden mit einer uneingeschränkt nutzbaren Fläche von 5m² für die Sau beschrieben. Daraus ergibt sich eine Gesamtfläche von ca. 7,5m² mit Ferkelnest und Trogflächen der Abferkelbucht. Das bedeutet oftmals, dass aus zwei Abferkelbuchten eine wird. Hierzu haben Studien in Deutschland und Österreich gezeigt, dass sich die Saugferkel in einer zu großen Abferkelbucht „verlaufen“, das Ferkelnest nicht finden und höhere Ferkelverluste zu verzeichnen sind.

Ein wirklicher Paukenschlag ist in der Vorlage jedoch die Anmerkung zum „Erfüllungsaufwand der Wirtschaft“, die nach Berechnungen des KTBL auf 713 Millionen Euro geschätzt wird. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) geht hierzu im Gegensatz von 3.500 Millionen Euro Umstellungskosten aus. Anscheinend denkt das Ministerium hier schon weiter: in 15 Jahren gibt es sowieso nur noch die Hälfte der Sauen. Erweiterungsbauten, um Raum zu schaffen für die größeren Abferkelbuchten, werden sowieso nicht mehr genehmigt, was nochmal eine Abstockung der Sauenherden bedeutet. Ein Entwurf für Sauenhaltung als zukunftsfähigen Wirtschaftszweig sieht anders aus.

 

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  1. Eberhard Hepp
    Erstellt 2. Juli 2019 12:28 | Permanent-Link

    Das ist die beste Möglichkeit, die Sauenhaltung nach Polen, Ukraine und Russland auszulagern. Von dort wird dann importiert, und alles ist auch noch Bio!!

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