Daphne Huber-Wagner zur Agrarministerkonferenz

Druck im Kessel

Endlich gab es mal wieder richtige Bauerndemonstrationen und Kundgebungen vor einer Agrarministerkonferenz (AMK).

 
Zuletzt ähnelten die Veranstaltungen eher einem freundlichen Klassentreffen der Minister von Bund und Länder. Doch das bevorstehende Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, hat mehr als 2500 Landwirte in großen  Demonstrationszüge zur AMK durch die Straßen des beschaulichen Kurorts Bad Sassendorf ziehen lassen und mit diesem Auftakt die AMK tüchtig aufgerüttelt. Die Schweinehalter haben allen Grund sauer zu sein. Die Agrarpolitik hat  komplett versagt. Mehr als 6 Jahre gab es Diskussionen darüber, wie es nach dem Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration 2019 weitergehen soll. Und jetzt drei Monate vor Fristablauf, weiß kein Schweinehalter, wie er ab dem 1. Januar 2019 seine Ferkel kastrieren soll. Die Agrarpolitiker sind völlig überfordert, eine gesetzliche Regelung auf den Weg zu bringen. Soweit hätte es nicht kommen müssen. Schade darum, vor allem weil im westfälischen Bad Sassendorf viele junge Schweinehalter dabei waren. Ihr Elan und Tatendrang, in eine moderne, tierschutzgerechte Schweinehaltung zu investieren, wird durch politische Unfähigkeit ausgebremst.  

Sicher, einige von ihnen, die ihren Protest zum Ausdruck brachten, werden auch 2019 Ferkel mästen. Aber viele begeben sich in eine illegale Grauzone, wenn sie ihre Ferkel kastrieren. Landwirte in diese Lage zu bringen, ist unverantwortlich. Doch statt sich ihrer Verantwortung für einen Betriebszweig bewusst zu sein, streiten sich die Agrarminister von SPD, CDU und Grüne offen vor Journalisten über das Versagen des jeweils anderen in Sachsen Ferkelkastration. So geschehen bei der Abschlusskonferenz der AMK in Bad Sassendorf. Sicher die Nerven liegen blank, doch sich vor der Öffentlichkeiteinen solchen Offenbarungseid zu leisten, ist schon ein starkes Stück. Manche Minister geben hinter vorgehaltener Hand zu, dass sie erst vor ein paar Tagen einen Schnellkurs in Immunokastration, Ebermast, Impfung oder Lokalanästhesie durchlaufen haben, um überhaupt zu wissen, um welche Alternativen es bei der Ferkelkastration geht.

Eine einzige Enttäuschung war auf der Abschlusspressekonferenz Bundesagrarministerin Julia Klöckner. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den Ministern Till Backhaus, (SPD), der sein letztes Hemd für die Landwirte im Norden gibt, Ursula Heinen-Esser (CDU), die in jetzt einen Plan B zusammen mit Fleischverarbeitern, Tierärzten, Landwirten und LEH an einem runden Tisch für NRW aushandelt und dem grünen Neuling Jan-Philipp Albrecht aus Kiel, der sich vom Verbot der betäubungslosen Kastration eine Chance für einen ökologischen Strukturwandel erhofft, erklärt Klöckner, dass sie für eine Lösung gar nicht zuständig sei. Man traute seinen Ohren nicht. Jetzt wo alle hoffen, dass die Bundestagsfraktionen in Berlin, wie jetzt die FDP-Fraktion mit ihrem Antrag auf Fristverlängerung, noch einen Dreh finden, um eine Richtlinie für eine Kastrationsmethode auf den Weg zu bringen, schiebt die Bundesministerin den Schwarzen Peter den Abgeordneten im Parlament zu. Die Koalitionäre seien im Gespräch, versucht eine verärgerte Klöckner von sich abzulenken. Auch Verbände hätten die Aufgabe, wissenschaftliche Forschungen in Auftrag zu geben, um die Ferkelkastration unter Ausschaltung von Schmerzen durchzuführen. Klöckner hat mit ihrer Kritik recht, doch als zuständige Landwirtschaftsministerin, ist von ihr mehr Tatendrang zu erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich in Berlin mit den Koalitionären zusammentut im Sinne der Schweinehalter in Deutschland.

Nach den mühsamen Diskussionen in Bad Sassendorf, hat es Klöckner eilig, wegzukommen. „Keine Fragen“, wimmelt sie ab. Spät in der Nacht zum Samstag auf dem Heimweg verkündet der Radiosprecher den Namen der frisch gewählten Deutschen Weinkönigin in Neustadt: Carolin Klöckner. Die gleichnamige Bundesministerin hat persönlich ihre Stimme zur Wahl abgegeben und gratuliert der jungen Hoheit, die die Balance zwischen Heimat und Weitläufigkeit, zwischen Bodenhaftung und Offenheit, zwischen Tradition und Moderne sympathisch verkörpert und dabei mit Fachwissen überzeugt.

 

So würden sich junge Schweinehalter auch gerne mal von ihrer Ministerin beglückwünschen lassen. „Die neue Weinkönigin Carolin Klöckner aus Württemberg ist weder verwandt noch verschwägert mit der Bundesministerin Julia Klöckner“, teilt das BMEL in der Nacht in einer Pressemitteilung mit. Zur Ferkelkastration gibt die ehemalige Weinköniging Julia Klöckner kein Statement ab.

 

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. Höper Ahrend
    Erstellt 29. September 2018 18:40 | Permanent-Link

    ZITAT:"...die die Balance zwischen Heimat und Weitläufigkeit, zwischen Bodenhaftung und Offenheit, zwischen Tradition und Moderne sympathisch verkörpert und dabei mit Fachwissen überzeugt."
    Das hat die "neue" Landwirtschaftsministerin nett formuliert. Schön wäre gewesen, wenn sich Frau Ministerin selbst nur mit einigen dieser Attribute schmücken könnte, vergebens, leider nein.

Ihre E-Mail wird weder veröffentlicht noch weitergegeben. Notwendige Felder haben einen *

Spielregeln

stats