Daphne Huber-Wagner zur Agrarministerkonferenz

Frauenpower

Seit sechs Wochen ist Bundesagrarministerin Julia Klöckner im Amt. Und es vergeht keine Woche, in der sie nicht medienwirksam agrarpolitische Themen den Bürgern im Land nahe bringt.

Mal geht es um das Tierwohl-Label oder um die schmerzlose Ferkelkastration. Oder Klöckner stellt ihr Verbot von drei Neonicotinoiden im Freiland vor, für das sie sich in Brüssel eingesetzt hat.

Die Ministerin ist ein Politiktalent, wie es nur wenige in dieser Perfektion gibt. Sie lächelt charmant in die TV-Kameras, kann aber aus dem Stehgreif genau erklären, warum sie sich doch Zeit lässt, alle Kriterien für ein verbindliches staatliches Tierwohllabel zuerst wissenschaftlich prüfen zu lassen, um nicht vom Rechtsweg links überholt zu werden. Klöckners Arbeitspensum ist unglaublich, ihr Ehrgeiz treibt sie voran, so schnell wie möglich die Vorgaben des Koalitionsvertrages abzuarbeiten. Agrarpolitik ist mit Klöckner lebendig und aktiv geworden. Niemand kann mehr von Politikverdrossenheit sprechen. Die Zeit von unverständlichen Bandwurmsätzen ist vorbei. 

Das Verbot der Neonics dürfte nur der Anfang sein

Doch Vorsicht ist bei soviel Tatendrang angesagt. Landwirte müssen sich bei dem Tempo, das die Bundesagrarmininisterin vorlegt, warm anziehen. Das Verbot der Neonics im Freiland dürfte nur der Anfang sein. Nicht alle sind mit der Entscheidung einverstanden. Zuckerrübenanbauer müssen nun schauen, wie sie zum Beispiel die Moosknopfkäfer bekämpfen. Nebenbei bemerkt: Das Interessante daran ist, dass vor allem Rübenbauern im Süden auf die Wirkstoffe angewiesen sind. Im Norden ist das schwarze Tier seltener anzutreffen. Da kommt schon mal bei dem ein oder anderen Nordlicht Freude auf, dass er im Ertrag vor den Süddeutschen liegen könnte.

Klöckner ist klug genug, auch die Länderagrarminister mit in ihre Überlegungen zur Zukunft der GAP oder in die Ackerbaustrategie miteinzubeziehen. Sie freut es, dass der gesellschaftliche Druck auf Pflanzen- und Tierschutz es geschafft hat, dass Politiker jetzt parteiübergreifend zusammenarbeiten müssen. Über die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Strukturen in den einzelnen Bundesländern konnte sich die Agrarministerin beim Frühjahrstreffen mit ihren Kollegen in Münster schlau machen. Die Ackerbaustrategie soll so ein Gemeinschaftswerk zu Düngung, Wirtschaftlichkeit des Betriebes, ländliche Strukturen und Pflanzenschutz werden. Doch bei aller Korrektheit, es knirscht noch in der Agrarministerkonferenz. So schnell lassen sich die Grünen nicht als Hinterbänkler abtun. Stellten sie vor einem Jahr noch sechs Länderminister, sind sie auf drei geschrumpft. Jetzt haben mit Klöckner sieben Frauen in der AMK das Sagen. Klöckner weiß den Rückenwind von der AMK sehr zu schätzen. Sie war laut Protokoll als Gast in Münster. Und da darf sie der jungen Gastgeberin Christina Schulze Föcking auch das Rückgrat stärken, wenn diese unangenehme Fragen zu den Vorwürfen, gegen den Tierschutz im eigenen Schweinemastbetrieb in Steinfurt zu verstoßen, auf der Pressekonferenz gestellt bekommt.

Schulze Föcking bedankt sich artig für die Nachfrage des Journalisten, sagt, dass daran nichts sei und will es dabei auch belassen. Geschwind eilt Klöckner der neuen Duzfreundin zu Hilfe. Sie berichtet von der großen Solidaritätsbekundung der Agrarminister für die engagierte faktenbasierte Politikerin aus NRW. „Das wollte ich noch sagen, weil es sonst keiner sagt“, endet Klöckners herzliches Plädoyer.  

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Helms
    Erstellt 4. Mai 2018 23:12 | Permanent-Link

    Die gesamte Koalition muss rückhaltlos hinter der Ministerin stehen; ebenso die Landwirte in NRW! Ein guter Kommentar von Schulze Steinemann im Wochenblatt 18/2018 beschreibt die Hintergründe sehr gut!

stats