Daphne Huber zu Pandemie-Bekämpfung

Die Branche schützt ihr Personal

Verantwortungsbewusste Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft testen seit Monaten regelmäßig ihre Mitarbeiter:innen oder stellen ihnen Schnelltests zur Verfügung.

Gerade mittelständische Unternehmen brauchen keine staatlich verordnete Testpflicht, um Schutzmaßnahmen umzusetzen. Im Lager, Fuhrpark sowie in Molkereien, Bäckereien und Schlachtereien betreiben die Chefs einen hohen Aufwand, damit der Arbeitsplatz nicht zum Coronabeschleuniger wird. Doch was die Agrarbranche umtreibt, sind die hohen Kosten für die von medizinischem Personal durchgeführten Schnelltests, Masken und Arbeitsausfall, wo schnell bis zu 18 Euro pro Person zusammenkommen.

Vertreter der Wirtschaft haben am Donnerstag Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wissen lassen, dass eine bundesweite Testpflicht nur mit einer Kostenerstattung funktioniert. 85 Prozent der Mittelständler sind für regelmäßige Tests, allerdings fehlen bis dato die dafür nötigen 60 Mio. Test-Kits in der Woche. Helfen würde eine Ausweitung des mobilen Arbeitens: Im März saßen nur 32 Prozent der Beschäftigten in Deutschland am heimischen Schreibtisch. Doch lässt sich mobiles Arbeiten in der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln kaum umsetzen.
„Bundesweite Impfangebote haben Vorrang vor der K-Frage.“
Daphne Huber, 

Damit rückt das Impfen als Schlüssel der Pandemiebekämpfung in den Fokus. Im März hatte ein bayerischer Agrarkonzern mit seiner Initiative für Aufsehen gesorgt, Millionen Impfdosen, die auf Halde lagen, aufzukaufen, ehe sie ungenutzt verfallen. Damit wollte er die Impfkampagne über eigene Betriebsarzt-Strukturen unterstützen. Doch damit Unternehmen überhaupt Vakzine kaufen und verimpfen können, musste es erst zu einer Anpassung der Impfverordnung, wie sie seit 1. April erfolgt ist, kommen. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hat sich durch das Dickicht von Gesetzen und Verordnungen gearbeitet. Sein Fazit: Unternehmen der Ernährungswirtschaft sollten sich zur Klärung möglicher Impfansprüche ihrer Mitarbeiter:innen mit den Gesundheitsbehörden vor Ort in Verbindung setzen. Denn noch ist unklar, ob die Behörden die impfpriorisierte „Kritische Infrastruktur“ so auslegen, dass alle systemrelevanten Agrar- und Ernährungsunternehmen einschließlich Agrarhandel dazu zählen. Ab Mai dürfen Betriebsärzte impfen. Molkereien entwickeln Szenarien, wie es in den Werken laufen soll. Alles unter dem Vorbehalt, dass genügend Impfstoff verfügbar ist.

Statt den Lockdown weiter zu verschärfen, sollte die Bundesregierung die bürokratischen Hürden für Tests und Impfungen entfernen und Eigeninitiativen der Wirtschaft finanziell belohnen. In Berlin muss der Ausstieg aus dem Lockdown Vorrang vor der publikumswirksamen K-Frage haben. Noch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Sagen. Sie wird das Infektionsschutzgesetz ändern, um dem Bund dem Bund die Durchsetzung von Corona-Maßnahmen zu ermöglichen. Damit wäre neben den Landesregierungen auch die Bundesregierung ermächtigt, Beschränkungen zu verhängen. Selbst wenn es zu einem harten Lockdown kommt, sind Testen und Impfen das Gebot der Stunde auf dem Weg zur Normalität in Beruf und Freizeit.
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