Daphne Huber zur Düngeverordnung

Rote Gebiete schrumpfen

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Landwirte demonstrieren mit Erfolg gegen das veraltete Messstellennetz. Aus roten Gebieten werden kleine Flecken.

Mit Hochdruck arbeiten die Bundesländer an den Novellen der Landesdüngeverordnungen, wie sie die neue Düngeverordnung 2020 vorschreibt. Dazu gehört auch eine Überarbeitung der Gebietskulissen der besonders mit Nitrat belasteten und eutrophierten Flächen. Zur Freude der Landwirte fallen nach den ersten Ergebnissen die gefürchteten und vor allem umstrittenen roten Gebiete mit Nitratbelastung sehr viel kleiner aus als die bisher ausgewiesenen Flächen. So meldet Thüringen ab 2021 nur noch 47.000 ha rote Gebiete gegenüber 176.000 ha, die bisher im Land vorhanden waren. In Niedersachsen, mit einer intensiven Veredelungswirtschaft sozusagen Hotspot von überdüngten Böden, leuchtet nach den deutlich verbesserten und erweiterten Daten laut Agrarministerium nur noch ein Drittel der Flächen rot. Bisher war die Hälfte der Felder betroffen. In Schleswig-Holstein schrumpft das belastete Gebiet auf nur noch 10 Prozent.

Die Korrekturen sind maßgeblich auf die einheitlichen Kriterien und Datengrundlagen zurückzuführen, nach denen die Bundesländer die Messstellennetze jetzt überprüfen müssen. Richtig Grund zum Jubeln haben die Landwirte nicht. Zu groß sind die Einschränkungen – wie die Reduktion um 20 Prozent der Stickstoffdüngung, die ab 2021 auf den belasteten Flächen vorgeschrieben ist, um die Nitratwerte zu senken. Und mit den neuen Methoden können durchaus rote Flecken auftauchen, die nach der alten Bewertung keine waren. Dennoch sind die weitaus kleineren Nitratkulissen für die Landwirte Ansporn: zum einen, dass sich ihr Protest gegen die Messstellen gelohnt hat, zum anderen suchen sie längst nach alternativen Lösungswegen, um Ertrag und Qualität von Getreide zu optimieren. Aus Spaß düngt keiner zu viel.
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