Daphne Huber zur Mehlvermarktung

Kämpfer gegen die Inflation

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Trotz der gestiegenen Getreidepreise plant der Lebensmitteleinzelhandel im  Vorweihnachtsgeschäft keine Preisanpassungen beim Mehl. Die Kontraktverhandlungen sind schwierig.

Die Verteuerung ist beim alltäglichen Einkauf angekommen. Das Statistische Bundesamt hat für Deutschland eine Inflationsrate von 4,5 Prozent errechnet. Doch nicht nur die Verbraucher:innen müssen wegen der gestiegenen Teuerungsrate tiefer in die Tasche greifen. Viele Verarbeiter von Agrarrohstoffen ziehen ihre Konsequenzen und drosseln die Produktion. Auch weil das teure Gas die Kalkulation unrentabel macht oder Landwirte ihre Ernte in der Hoffnung auf weitere Kursanstiege „weggepackt“ haben.

Doch gibt es Branchen wie die Getreidemühlen, die berichten, dass sie ihre höheren Beschaffungskosten als Haupttreiber der Getreidepreisentwicklung oder für die Verpackung nicht weitergeben können. Manager bezeichnen den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sogar als „Kämpfer gegen die Inflation“. Zum Höhepunkt der Backsaison scheuen sich Aldi, Lidl und Co, die Preise für mehlbasierte Produkte vor Weihnachten anzuheben.


Mühlen berichten von Zurückhaltung ihrer Kunden wie Großbäckereien oder Lebensmittelindustrie. Deren Abschlüsse mit dem LEH sind längst nicht unter Dach und Fach. Vielmehr zieht der LEH die Daumenschrauben an und winkt in den Preisgesprächen ab. Ob die Motivation des LEH, den Verbraucher vor höheren Ausgaben zu schützen, ehrlich gemeint ist, ist zu bezweifeln.

Vielmehr offenbart das Ausbremsen der vorgelagerten Stufe den erbitterten Wettbewerb im LEH. Keiner will der Erste sein, der die Preise anhebt, sondern nutzt seine Hoheit, um sich zu profilieren. Noch freuen sich die Landwirte über Weizenpreise, die an der 300-Euro-Marke kratzen. Doch sitzen sie mit im Boot, wenn die Mühlen weniger Ware nachfragen, weil es in der Wertschöpfungskette klemmt.

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