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Auch in den USA rückt der Pflanzenschutz zunehmend in den Fokus, vor allem wenn es um gesundheitliche Auswirkungen geht. Eine neue AHS-Studie sieht einen Zusammenhang zwischen dem Herbizid Dicamba und Leberkrebs. Das könnte eine neue Klagewelle auslösen.

Denn Schadenersatzklagen werden durch das US-Rechtssystem ja geradezu befördert, weil die Kläger keine finanziellen Risiken eingehen und Anwälte um Mandaten aggressiv werben. Davon können nahezu alle Anbieter, die in den USA aktiv sind, ein Lied singen, allen voran der Bayer-Konzern, der eine Riesenwelle an Glyphosat-Klagen am Bug vor sich herschiebt.

Bayer ist auch von den neuen Erkenntnissen um Dicamba betroffen, und es könnte bald mehr Kläger als bisher geben. Aber im Vergleich zu Glyphosat ist Dicamba nur „der kleine Bruder“: Bei Glyphosat gibt es mehr als 40.000 Kläger, bei Dicamba bislang nur 170. Sollten die neuen Studienerkenntnisse eine Klagewelle auslösen, dürfte dies sicher nicht einem Tsunami gleichkommen. Zum Glück für Bayer könnten auch andere Dicamba-Anbieter betroffen sein. Neben Bayer bieten auch die BASF und Corteva Dicamba-Produkte an.

Zweistelliger Milliardenbertrag versus dreistelliger Millionenbetrag

Die monetären Größenordnungen haben ebenfalls eine andere Dimension. Bei Glyphosat geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag an Schadenersatz, bei Dicamba bewegt es sich noch im dreistelligen Millionenbereich. In einem Urteil in der ersten Instanz sind Bayer und BASF zu 265 Mio. US-$ verurteilt worden. Davon entfallen 250 Mio. US-$ auf Strafschadenersatz, der – wie es in den USA oft üblich ist - sicher noch reduziert werden wird.

Viel schwerer würden die wirtschaftlichen Folgen für die Anbieter BASF, Bayer und Corteva wiegen, wenn die US-Umweltbehörde EPA die Zulassung für Dicamba diesen Herbst nicht verlängern würde. Denn das Mittel wird von US-Farmern geschätzt, vor allem von jenen, die gentechnisch verändertes Soja oder Baumwolle anbauen, die gegen Dicamba resistent sind. Dadurch wäre der lukrative Absatz von GV-Sorten in den USA in Kombination mit dem Herbizid gefährdet. 

In Deutschland ist die Marktbedeutung dagegen relativ gering. Hierzulande werden Dicamba-Produkte vorwiegend in der Rasenpflege eingesetzt, sowohl für die professionelle Anwendung als auch im Haus- und Kleingartenbereich. Ein Anbau von GV-Kulturen ist ja verboten. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind in Deutschland 17 verschiedene Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Dicamba zugelassen. Die meisten davon stehen erst 2021 zur Wiederzulassung an. 

Auch wenn diese Studienergebnisse und mögliche Klagen uns hierzulande nicht betreffen, so werden sie von einer interessierten Öffentlichkeit und Pflanzenschutzkritikern durchaus wahrgenommen. Die Pflanzenschutzanbieter werden zwar vor allem in den USA ihr Klagelied anstimmen, aber das Image wird weiter angekratzt – egal, ob die jetzigen Studienergebnisse irgendwann möglicherweise durch neue Untersuchungen wieder relativiert werden.

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