Dr. Angela Werner zu Bayer

Ach hätte ich doch...-

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Dass der Kauf von Monsanto für den Bayer-Konzern und die Klagewelle in den USA noch so lange nachwirkt, hätte Bayer-Chef Werner Baumann sich wohl nicht träumen lassen. Sicherlich denkt er sich zuweilen in seinen schlaflosen Nächten: „Hätte ich das bloß nicht gemacht.“ Doch zu spät.

Die Jahresbilanz 2020 mit den Milliardenverlusten im Agrargeschäft ist eine weitere bittere Pille. Dabei sollte doch gerade die Crop Science Division ein zentraler Umsatzträger für die Zukunft sein. Das Glyphosat-Debakel ist keineswegs ausgestanden. Ob der als sehr kritisch geltende US-Richter Vince Chhabria die überarbeitete Vergleichsvorlage von Bayer für künftige Klagen in Zusammenhang mit Glyphosat akzeptiert, ist noch offen. Sollte er der Vorlage nicht zustimmen, wird sich das Debakel zu einer Never-ending-Story entwickeln und Baumann weitere Stirnfalten bescheren. Offen ist auch, ob die 12 Mrd. €, die für die Glyphosatstreitigkeiten eingeplant sind, reichen werden.  Bayer braucht Geld, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Die Tiergesundheitssparte ist schon verkauft, nun soll auch die bislang lukrative Sparte Environmental Science veräußert werden. Aus strategischen Gründen heißt es, um sich ganz auf das Agrargeschäft zu konzentrieren. Aber gerade das hat erhebliche Dellen erfahren, vor allem in dem für Bayer wichtigen Markt Nordamerika. 


Auch in diesem Jahr werden die Belastungen für die Bilanz kaum kleiner ausfallen. Die rund 8 Mrd. €, die für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten veranschlagt sind, werden den Free Cash Flow belasten und die Nettofinanzverschuldung des Konzerns steigt. Negative Währungseffekte werden sich zudem auch in diesem Jahr auswirken, da der Konzern 80 Prozent seiner Nettoumsätze außerhalb der Euro-Zone erzielt. Das sind bei allem an den Tag gelegten Optimismus des Vorstandes keine rosigen Aussichten.

Kein Wunder das Werner Baumann 2021 als ein „Übergangsjahr“ bezeichnet, in dem diverse Sondereffekte verdaut werden sollen. Zu hoffen ist, dass das gelingt und nicht noch mehrere Jahre so weiter geht. Wie lange werden Aktionäre und Investoren Baumann wohl noch die Stange halten? Aktie hat im Verlauf des vergangenen Jahres fast 31 Prozent an Wert eingebüßt.  Auch ein Flagschiff wie der Bayer-Konzern kann solche Wertvernichtung nicht auf Jahre aushalten. Tja – hätte Baumann das alles damals geahnt, dann könnte er heute ruhiger schlafen.

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