Duo Infernale

Stefanie Pionke über "Tropen-Trump" und das US-Original

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„Tropen Trump“ Jair Bolsonaro aus Brasilia und das Original, Donald J. aus Washington, haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Sie lassen beim Schutz des Regenwaldes gerne mal Fünfe gerade sein. So wüten im brasilianischen Amazonas aktuell die schlimmsten Brände seit Jahren – mutmaßlich mitentfacht durch Brandrodungen für neue Sojanbau- und Weideflächen. Während die Weltgemeinschaft Sturm läuft und Kritiker die Gunst der Stunde sehen, das EU-Mercosur-Abkommen doch noch zu stoppen, wird bekannt, dass US-Präsident Donald Trump Regenwaldflächen in Alaska zum Abholzen freigeben will. Die sein Vorvorgänger im Amt, Bill Clinton, wohlbemerkt noch besonders hat schützen lassen. Beide gehen mit dem Kopf durch die Wand, während andere selbigen verwundert schütteln.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Bolsonaro und Trump richten diplomatisch betrachtet gerne Kleinholz an. So wies Bolsonaro das Angebot nach Soforthilfen der G7, um den Brandherden im Amazonas Herr zu werden, barsch zurück. Ein Grund: Der französische Präsident Emmanuel Macron habe ihn als „Lügner“ bezeichnet und die brasilianische Amazonasregion mit der Aussage, sie sei mit Blick auf das Weltklima „Gemeingut“, quasi kolonisiert. Da sei erst einmal eine Entschuldigung fällig. Nun ja – so viel zum Thema Prioritätensetzung. US-Trumps Spezialität ist die Beleidigung ganzer Bevölkerungsgruppen. Unlängst wollte er mehrere demokratische Abgeordnete mit Migrationshintergrund und US-amerikanischem Pass „nach Hause“ zurückschicken. Erst kürzlich verprellte der US-Präsident Weizenfarmer mit der Aussage, Japan schiffe Millionen von Autos in die USA und bekäme im Gegenzug Weizen – kein guter Deal, zumal die Japaner den US-Weizen nur aus Mitleid kauften, hatte Trump sinngemäß gesagt. Damit ist Trump das Kunststück gelungen, in einem Atemzug sowohl potenziellen Wählergruppen im Inland, als auch ausländischen Handelspartnern vor den Kopf zu stoßen.   

Bolsonaro trifft inzwischen nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland auf Gegenwind, ging doch sogar der von ihm installierte, wirtschaftsfreundliche Umweltminister auf Distanz. In der EU gehen Umweltschützer gegen das geplante Mercosur-Abkommen auf die Straße, während die Kommission allen Bränden und politischem Gepolter zum Trotz daran festhalten will. Was auch gut wäre, um im globalen Handel nicht ins Hintertreffen zu geraten – und diplomatisch auf Bolsonaro einwirken zu können.

Und Trump? Hat die Japan-Kuh nochmal vom Eis bekommen, indem er sich auf dem G7-Gipfel mit dem japanischen Premier Shinzo Abe auf ein Freihandelsabkommen verständigt hat. Japan soll mehr Agrargüter, darunter Schweinefleisch, Weizen und Mais, importieren, während die USA großmütig auf Strafabgaben für japanische Autos verzichten. Doch man könnte den Japan-Deal auch als handelspolitische Kurskorrektur statt als Durchbruch werten: So hat Trump als eine seiner ersten Amtshandlungen das transpazifische Handelsabkommen TPP aufgekündigt. Dadurch wurde etwa US-Schweinefleisch oder auch der vom Präsidenten verspottete, amerikanische Weizen einem Wettbewerbsnachteil im Handel mit Japan und anderen asiatischen Staaten gegenüber beispielsweise Australien, Kanada und Mexiko ausgesetzt. Deswegen applaudieren US-Farmer jetzt nicht einem Geniestreich, sondern sind erleichtert über die verspätete Schadensbegrenzung.

Und an den anderen Handelskriegsfronten China und der EU? Da ist der Ausgang noch völlig offen. Im Streit mit China treibt Trump Analysten mit seinem Zick-Zack-Kurs zur Verzweiflung. Und ob die EU ihre Forderung, den Agrarsektor aus einem Freihandelsabkommen mit den USA außen vor zu lassen, um die eigenen Landwirte nicht Sturm laufen zu sehen, aufrechterhalten kann, bleibt abzuwarten und darf mindestens mal mit einem Fragezeichen versehen werden. Die EU ist nun aber erst einmal gefordert, einen Haken unter das Mercosur-Abkommen zu setzen – wenn Bolsonaro dies nicht schon erfolgreich torpediert hat.

Ob „Tropen-Trump“ oder das US-Original: Beide werden die Agrarmärkte wohl noch eine Weile beschäftigen.

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