Gastkommentar von Dr. Carsten Bernoth

Brexit schadet der Süßwarenindustrie

Dr. Carsten Bernoth
BDSI
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Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) fordert, den Binnenmarkt nicht weiter durch nationale Sonderregelungen zu zersplittern.

Die Süßwarenindustrie ist mit einem Umsatzanteil von etwa 10 Prozent und rund 50.000 Mitarbeitern die viertgrößte Branche im deutschen Ernährungssektor – und damit ein maßgeblicher Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte. Jährlich werden gut 175.000 t Milchprodukte, 450.000 t Weizenmehl und 750.000 t Zucker zu Süßwaren und Knabberartikeln verarbeitet. Seit dem Brexit blickt die Branche auf drastische Rückgänge in den wichtigen Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien zurück. Der diesbezügliche Exportumsatz der deutschen Süßwarenindustrie ist im 1. Quartal 2021 um 11,8 Prozent gesunken. Rund 5 Prozent der deutschen Produktion von Bonbons, Keksen und Co hängen am britischen Markt.

Die Auswirkungen des Brexits drohen der deutschen Süßwarenindustrie nun langfristig zu schaden, auch aufgrund logistischer und administrativer Hürden. Insbesondere wegen der neuen Zollvorgaben verzichten viele Spediteure auf das Geschäft mit Großbritannien. So ist der bürokratische Aufwand etwa bei der Warenanmeldung oder wegen Arbeitsvisa für Fahrer erheblich gestiegen. Dadurch lohnt sich der Export für kleinere Warenlieferungen nicht mehr. Zusätzlich führt dies zu Verzögerungen in der Belieferung des britischen Marktes sowie zu erhöhten Logistikkosten.

Der Export ist jedoch eine wichtige Grundlage dafür, dass gerade mittelständische Unternehmen trotz der hohen Handelskonzentration und des harten Preiskampfs Erträge erzielen können. Aus Sicht der deutschen Süßwarenindustrie ist es nach dem Ausscheiden Großbritanniens essenziell, dass der europäische Binnenmarkt nicht weiter durch nationale Sonderregelungen zersplittert wird. Stattdessen müssen durch harmonisierte Regelungen, vor allem im Bereich der Kennzeichnung, die Exportchancen erhalten bleiben. Zudem sollten neue Wertschöpfungsketten durch Handelsabkommen ermöglicht werden.
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