Gastkommentar von Dr. Hermann-Josef Baaken (DVT)

Erklärungsbedarf ist hoch


Dr. Hermann-Josef Baaken (DVT)
DVT
Dr. Hermann-Josef Baaken (DVT)

Futtermittelwirtschaft fürchtet Konflikte zwischen Versorgungssicherheit und Regulatorik, sagt der Geschäftsführer Deutscher Verband Tiernahrung (DVT).

Zwei Erkenntnisse sind den Menschen in der laufenden Pandemie noch einmal besonders deutlich geworden – erstens: Die Natur ist unkalkulierbar. Zweitens: Ernährung ist überlebenswichtig. Mehr als je zuvor haben sich die Entscheidungsträger mit der Versorgungslage und den internationalen Lieferketten befasst und werden dies auch weiterhin tun. Mit Blick auf 2021 hat die Futtermittelwirtschaft auch weiterhin die verantwortungsvolle Aufgabe, die Landwirtschaft durchgehend mit hochwertigen Futtermitteln zu beliefern: für die Ernährungssicherung der Tiere und damit der Bevölkerung – und bei gleichzeitiger Erfüllung der gesetzten Umweltziele. Ein Lieferkettengesetz, wie es die Bundesregierung plant, würde jetzt kontraproduktiv sein, vor allem sind die Haftungsfragen ungeklärt. Sich jetzt mit einem solchen Thema zu befassen, stellt die aktuellen Prioritäten infrage. Menschenrechte sind ein hohes Gut, und ihre Einhaltung sollte auch ohne Gesetz gelingen.

Darüber hinaus führt die Umsetzung höherer Tierwohlstandards zu Auswirkungen bei allen Marktbeteiligten, auch bei den Herstellern von Tiernahrung. Die mittelständisch geprägte Futtermittelwirtschaft als Bindeglied zwischen pflanzlicher und tierischer Produktion hat sich immer wieder lösungsorientiert angepasst – vorausgesetzt, dass die notwendigen Komponenten und Techniken aus aller Welt zur Verfügung stehen, Gentechnik eingeschlossen. Die EU-Kommission und deren Konzepte für Nachhaltigkeit und Klimaschutz, wie sie im Green Deal und der „Farm-to-Fork“-Strategie formuliert sind, lassen daran zweifeln. Dem gilt es, plausible Erklärungen entgegenzusetzen.


Nur wenn die gesamte Agrar- und Ernährungsbranche zusammenhält und auch weitere Interessengruppen von freien Märkten überzeugen kann, wird eine Abwägung der Klima- und Wirtschaftsinteressen gelingen.

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