Henrike Schirmacher über Schmuddelecken am Wegesrand

Man hat nie ausgelernt!

Wildwuchs an Straßenrändern, Unkraut im Park: Das sieht der gemeine Städter nicht gern. Doch das Frankfurter Grünflächenamt klärt auf, mit Erfolg.

Was wuchert denn da am Wegesrand? Ein Biotop, Lebensraum für wilde Wiesenblumen und vom Aussterben bedrohte Insekten, zu erkennen und  - viel herausfordernder  - sogar noch wertzuschätzen, ist uns Stadtmenschen womöglich nicht in die Wiege gelegt. Wir sind an nicht viel mehr als nur „Englischen Rasen“, sprich vertikutierte, von allem Unkraut befreite Grünflächen und graue Betonschluchten gewöhnt.  

Ein Lied davon singen kann das Frankfurter Grünflächenamt. Bis zum Frühjahr des vergangenen Jahres soll dort nämlich das Telefon kaum still gestanden haben, vertraut die Behörde der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an.

Amt kann sich vor Beschwerdeanrufen kaum retten

Die Frankfurter, und nicht nur die, beschwerten sich, dass die Grünflächen ungepflegt aussähen, dass dort Unkraut wachse und die Stadt die Flächen wieder in Schuss bringen solle. Man hört die Zänker förmlich schimpfen - „Das ist ja eine Schmuddelecke, die da floriert. Die müssen Sie mal wieder auf Vordermann bringen!“ - , ohne je den Hörer in der Hand gehalten zu haben.

Nun könnte man dies zynisch kommentieren. Ist aber gar nicht nötig. Die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt. Denn wenn die Wildblumen nicht verwelkt sind, dann leben sie wider Erwarten nach all dem Geschimpfe noch heute. Der Grund dafür ist simpel: Die Städter haben dazugelernt. Für die steile Lernkurve hat das Frankfurter Grünflächenamt gesorgt. Mit einem erklärenden Hinweisschild hat die Behörde die besagten Flächen als „Wiesen für Insekten“ ausgewiesen, eine Hummel ziert die runde, gelbe Tafel.

Heute laufe es entsprechend umgekehrt, berichtet das Amt. Die Bürger reagierten besorgt, wenn sie eine ehemals bunt blühende Wiese frisch gemäht vorfänden. Das sei aber nötig, so die Fachleute, damit die Wiese nicht „verbusche“. Und zum richtigen Zeitpunkt im Jahr gefährde dies weder Insektenlarven noch schade es den Wiesenblumen, deren frische Saat nun an Licht komme und die Wiese erneut in blühender Pracht aufgehen könne. Wer will denn da noch stänkern?

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