Henrike Schirmacher zu chronischer Überlastung

Tschüss Erde!

Aufruhr im Weltall: Eventuell müssen sich andere Himmelskörper bereits auf Flüchtlinge einstellen. Mutter Erde macht schlapp.

„Morgen kündige ich meinen Job!“ Wie es sich anfühlt überlastet zu sein, dieses Gefühl kennt ja wohl jeder. Immerhin bestünde rein theoretisch die Möglichkeit der chronischen Überlastung ein Ende zu bereiten. Aber was geschieht nur, wenn es unserem Mütterchen Erde so geht? Wenn diese schreit „Rien ne va plus!“, und sich am liebsten verkrümeln möchte. Am Mittwoch dieser Woche beklagte sie ihr Dasein ganz offiziell mit dem „Deutschen Erdüberlastungstag“. „So wie ihr mich und meine Schätze derartig verramscht, geht ihr Menschen wohl davon aus, es gebe mich gleich mehrfach.“

Unter den Erdenbewohnern führt dieser Hilferuf in weiten Teilen zu großem Unwohlsein. Es wird von bemannten Raumschiffen gemunkelt, um sich nach frischeren Himmelskörpern umzuschauen. Doch nicht alle wollen die Flinte sofort ins Korn werfen.
Die NGO „Global Footprint Network“ stärkt Mutter Erde besonders harmoniebedürftig den Rücken, indem sie den Raubbau, der laut der NGO weltweit seit den frühen Siebzigerjahren stattfindet, global und für einzelne Länder berechnet. Für Deutschland führt das zu einem gnadenlosen Ergebnis: „Wir haben für 2018 schon alles verbraucht, was die Erde uns schenkt. Wir leben ab sofort auf Pump.“ Auf mahnende Töne folgen, wie bei guten Erziehern, bekanntlich Vorschläge zur Besserung: Weniger Auto fahren, weniger fliegen, weniger Fleisch essen, weniger düngen, weniger heizen und so weiter und so fort.

Lohnt es sich wirklich inne zu halten am düster gezeichneten „Ökoschuldentag“, den im Übrigen auch die Bevölkerung anderer Länder früher oder später im Jahr ereilt? Ja. Zwar ist alles endlich, könnte man völlig gleichgültig rufen, aber ein bißchen Mitleid für unsere liebe, leidgeprüfte Erde muss schon drin sein.

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