Henrike Schirmacher zum Dilemma des Bauernpräsidenten

Frischer Wind ist nötig

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Die Uhr tickt für Bauernpräsident Joachim Rukwied. Sein Nachfolger muss die Weichen neu stellen.

Frischer Wind macht munter. Umso erstaunlicher ist es, dass landauf, landab kein protestierender Landwirt zu hören ist, der personelle Veränderungen an der Spitze des Deutschen Bauernverbands fordert. Immerhin entspringt die Graswurzelbewegung ‚Land schafft Verbindung‘ auch einer Unzufriedenheit mit dessen Verbandsarbeit. Freilich, hinter vorgehaltener Hand wird sich verdrossen empört und ein Strategiewechsel gefordert. So wurde Bauernpräsident Joachim Rukwied unlängst nachgesagt, angezählt zu sein. Vage wird spekuliert, ob der nach außen hin loyal agierende DBV-Vize Werner Schwarz schon bald in Rukwieds Fußstapfen treten oder sich gar ein Nachrücker aus den Reihen der Protestbewegung ‚Land schafft Verbindung‘ hervortun wird. Dafür würde zumindest sprechen, dass sich die Initiative in ihren Standpunkten inhaltlich kaum von denen des mitgliederstärkeren, „großen Bruders“ unterscheidet.

Andere wiederum meinen, Rukwied selbst habe gar keine Lust mehr, das Amt des DBV-Präsidenten eine weitere vierjährige Amtszeit über das Jahr 2020 hinaus, auszufüllen. Denn wer auf diesem Posten sitzt, ist zur Erfolglosigkeit verdammt. Es ist kaum möglich die Maximalforderungen eines großen Teiles der Basis gegenüber der Politik durchzusetzen. Darunter soll wohl auch Rukwied leiden, der ansonsten als durchsetzungsstark und zugleich diplomatisch gilt.

Im kommenden Sommer gibt es also womöglich Gelegenheit, die Karten neu zu mischen. Klar ist allerdings: Rukwieds potentieller Nachfolger wird auch schnell an die Grenzen des Amtes stoßen, sollte er ähnlich seinem Vorgänger versuchen, entgegen der gesellschaftlichen Entwicklungen den Status quo aufrecht zu erhalten.

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  1. Thomas Karlein
    Erstellt 12. Dezember 2019 19:17 | Permanent-Link

    Wäre Bauer Willi nicht als Nachfolger für Ruckwied geeignet ?
    Ruckwied fehlen Erfolge für die Jungbauern.

  2. Deselaers Heinz Sittermansweg 7/ 47608 Geldern // Altbauer auf dem Jüttenhof
    Erstellt 12. Dezember 2019 21:41 | Permanent-Link

    Ich habe bei der Verabschidung von Fr. Decker mit dem Herr Ruckwied ein Gesoräch geführt und habe ihm sehr deutlich gesagt,der Verbraucher weiß nicht mehr wie landwirtschaft geht und noch weniger warum und dafür müssen wir in die neuen Medien.Des Weiteren müssen in Berlin in unserer Zentrale Spitzenleute rein die auf die NGOs berichte sofort alles richtig stellen und den Verkehr mit den Medien pflegen und den Verbraucher das Leben und Tun der Bauern immer wieder erklären.Ich wurde ausgelacht mit den Worten wissen sie was das kostet ich habe mit ja geantwortet ,es kostet den Bauern weniger als wenn das nicht geschied.Von jeder Einheit die am Markt kommt ein kleines etwas das gibt schnell ei viel. Nachdem mich dann später ein ehemaliger Reinischer Präsident über die Zentrale in Berlin aufgeklärt wie die von unserem Ruckwied geführt wird.Habe ich nur noch gesagt der muß ganz schnel ausgewechselt werden und das soll man jetzt gut vorbereiten. Denn wir haben doch mit den vergangenen Demos gesehen der Verbraucher hat ein offenes Ohr für seinen Bauerund es muß Schluß sein das nur die NGO,smit den Medien die Landwirtschaft darstellen,ichweiß wovon ich rede das Geschäft mit den Medien muß gepflegt werden .

  3. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 13. Dezember 2019 11:36 | Permanent-Link

    Solange wir Bauern administrativ orchestriert systematisch mit unseren Produkten alleinig die Lebensmittelindustrie bedienen, wird sich nichts, aber auch rein gar nichts im positiven Sinne für den Bauernstand zu bewegen wissen; und das in einer vollkommenen Unabhängigkeit von der personellen Auswahl unserer Bauernverbandsgranden.

    Wir tanzen nach wie vor heute noch immer nach eben jenen sehr schrill tönenden Pfeifen - in einer kaum mehr zu ertragenden vielstimmigen Kakophonie- wo in erster Linie unsere geistigen Eliten, und das ist das eigentlich Fatale an unserer überaus misslichen Lage- die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen, viel schlimmer, nicht richtig zu deuten wissen: Die Lawine, die bereits über viele unserer Köpfe unbeirrt hinwegrollt und dabei ruinös in Schutt und Asche begräbt, lässt eine maßgebliche Veränderungsbereitschaft mit einer unverzichtbaren Flexibilität in unseren Denkstrukturen leider ungeachtet dessen bislang nicht erkennen. Weit gefehlt, halten wir ignorant fortwährend qualvoll verbissen am Status quo fest. Die gerade der Land- und Forstwirtschaft weltweit(!) in vorderster Priorität obliegende To-do-Liste, wo wir als Berufsgruppe auch wirklich Maßgebliches bewegen können, wird sträflich vernachlässigt. Die Zukunft auf unseren Höfen erfordert aber genau DAS! - JETZT!

    Sollte ein Anstieg des Meeresspiegels im weiteren Verlauf sich ebenso dramatisch vollziehen, wie unsere Generation hierfür maßgeblich in der Verantwortung steht, erledigen sich die vorstehenden Forderungen ohnedies von selbst, aus der Not heraus werden wir sodann automatisch aktiv, ...um zu überleben! Brauchen wir erst diese Kalamitäten, um überhaupt handlungsfähig zu reagieren?

    Auch die EU-Agrarländer Polen, Ungarn, Tschechien, haben hervorragende Alternativen zum Kohle- und Atomstrom. Unsere neue EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat wirkliche Zukunftsperspektiven mit ihren Klimazielen für die Landwirtschaft definiert, für unsere Jungbäuerinnen u. -bauern ganz in derem Sinne auf den Plan gerufen, was aber in der Umsetzung mit unserer derzeit reaktionären Funktionärsclique nicht funktionieren, nicht zu schultern sein wird. Die Bauern allein können dabei nicht viel bewegen, wenn der Rest nicht beherzt mit anpackt! - Wie viele unserer Bauernhöfe sind gerade einer fehlgeleiteten Verbandsarbeit, einer Agrarpolitik auf Irrwegen, im zeitlichen Verlauf der vergangenen Dekaden bereits zum Opfer gefallen...!? Ein WEITER-SO? - Unmöglich!

    Vielleicht denkt der eine oder andere in einer jetzt hoffentlich entschleunigten Advents- u. Weihnachtszeit genau darüber einmal sachlich nüchtern nach.



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