Henrike Schirmacher zur Ackerbaustrategie 2035

Regeln fürs Ackern auf dem Vormarsch

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Zwei Strategiepapiere für die Transformation der deutschen Landwirtschaft hin zu mehr Umwelt- und Klimaschutz liegen auf dem Tisch. Sie enthalten Hausaufgaben für die neue Bundesregierung.

An einem Papier – dem Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ – haben Landwirt:innen entscheidend mitgewirkt. Das andere – die „Ackerbaustrategie 2035“ – wurde immerhin einem Praktiker-TÜV unterzogen, bevor Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ihr Herzensprojekt in dieser Woche vorgestellt hat. Beide Papiere enthalten gute Ansätze. Entscheidend ist nun deren Umsetzung in die Praxis mithilfe ökonomischer Anreize.

Bislang bestehen die Strategien zwar nur aus schwarzer Tinte auf weißem Papier ohne rechtlichen Rahmen. Aber zumindest Elemente der Ackerbaustrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind über die Öko-Regelungen innerhalb der 1. Säule in die Gesetzgebung zur nationalen Umsetzung der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik eingeflossen, die im Jahr 2023 in Kraft treten soll. Dazu zählen beispielsweise der Anbau vielfältiger Ackerkulturen mit mindestens fünf Hauptfruchtarten im Ackerbau einschließlich des Anbaus von Leguminosen mit einem Mindestanteil von 10 Prozent, die Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland oder die Verringerung des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel.

Deswegen ist die Ackerbaustrategie mehr als eine Diskussionsgrundlage, die nach den Wahlen in der Schreibtischschublade verschwinden wird. Sie ist vielmehr ein Vorbote des „Green Deal“ der EU-Kommission. Als Ziel gibt dieser vor, die ausgebrachte Menge an Pflanzenschutzmitteln bis 2030 zu halbieren. Landwirt:innen sind daher gut beraten, sich dies über die Öko-Regelungen entlohnen zu lassen.

Wer hier frühzeitig die Weichen auf Zukunft stellt, den werden in den nächsten Jahren auch nicht die in Brüssel geplanten „Biodiversitäts“- und „Farm-to-Fork“-Strategien überrollen. Zwar betonte Klöckner in dieser Woche, dass die EU-Kommission zunächst ihre eigenen Hausaufgaben erledigen sollte. Denn im Rahmen des „Green Deal“ ist auch der Einsatz neuer biotechnologischer Züchtungsmethoden wie der Genschere Crispr/Cas vorgesehen, um schneller gesunde und robuste Sorten zu entwickeln, die dem Klimawandel standhalten und helfen, Pflanzenschutzmittel einzusparen.

Dafür müsste die Brüsseler Behörde aber selbst aktiv werden und das EU-Gentechnikrecht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand anpassen. Trotz dieser augenscheinlichen Widersprüche wird kaum ein Landwirt warten, bis der letzte Verordnungsentwurf auf dem Tisch liegt, um dann die eigene Unternehmensstrategie anzupassen. Denn die Richtung ist klar, mehr Umwelt- und Klimaschutz lässt sich heute schon umsetzen.
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