Henrike Schirmacher zur Fruchtwechsel-Regelung

Özdemir gerät in die Sündenfalle

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Der Anbau von Weizen nach Weizen ist zwar in Deutschland gang und gäbe, pflanzenbaulich gilt er aber als Sündenfall. Deshalb soll er mit der nächsten EU-Agrarreform verschwinden.

Ab 2023 unterbindet die geplante „GLÖZ7“-Regelung solch enge Fruchtfolgen, die Pilzbefall und als Folge die Anwendung von Fungiziden geradezu programmieren. Umso erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet ein Grüner vom Fruchtwechsel abrückt und den Anbau von Stoppelweizen möglich machen will.

Cem Özdemir gibt sich in seiner Funktion als Bundeslandwirtschaftsminister ungewöhnlich pragmatisch. Er kündigt an, sich in Brüssel dafür einzusetzen, den Start von „GLÖZ7“ um ein Jahr zu verschieben. Damit will Özdemir den Anbau von Stoppelweizen zur diesjährigen Herbstaussaat noch einmal erlauben, um die deutsche Weizenproduktion im kommenden Jahr zu sichern. Es gilt als wahrscheinlich, dass die EU-Kommission zustimmt und die Regel erst zur Herbstaussaat im kommenden Jahr greifen wird.


Bislang wurde Özdemir öffentlich Starrsinn vorgeworfen. Verweigert hat er sich der Forderung der Unionsparteien, brach liegende Flächen für die Produktion freizugeben. In der Frage des Stoppelweizenanbaus schenkt er jedoch landwirtschaftlichen Anliegen Gehör. Wenn in Deutschland noch – wie das Bundeslandwirtschaftsministerium angibt – jährlich auf bis zu 600000ha Fläche Weizen auf Weizen folgt, dann fehlen bei einem Verbot dieser Fruchtfolge zur Ernte 2023 mehrere Millionen Tonnen.

Auch bei der Regelung für nicht-produktive Flächen (GLÖZ8) könnte es noch Bewegung geben. Eine denkbare Kompromisslinie würde jeglichen Anbau auf Gewässerrandstreifen verbieten, aber auf ökologisch weniger sensiblen Flächen von den strengen Vorgaben abweichen. Özdemir zieht hier zwar noch nicht mit, aber gesündigt im Sinne des Umweltschutzes hat er ja schon. Beim zweiten Mal geht es vielleicht schneller.

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