Henrike Schirmacher zur Gründerszene

Zündende Ideen

Weniger zu rülpsen, das wäre ein guter Vorsatz für das Jahr 2018. Und nur so nebenbei: auch für die kommenden Jahre. Mit vier Mägen und endloser Verdauungsarbeit wird das für die Kuh wahrlich schwierig. Überschüssige Gase stößt dieser Ruktus-Weltmeister im Gegensatz zu menschlichen Zeitgenossen permanent auf.

Diese „Rülpserei“ möglichst zu unterbinden, damit ließe sich sicherlich Kasse machen. Schließlich liefert ein saftiges Rindersteak, dessen Spender kaum aufgestoßen hat, das perfekte Kaufargument für umweltbewusste Bürger. Je weniger die Kuh das Treibhausgas Methan aufstößt, desto angenehmer das Klima. Die Forschung an Futtermittelzusätzen, die die Methanbildung im Zaum halten, ist zwar nicht neu, einen Durchbruch bis zur Ladentheke hat es allerdings bisher noch nicht gegeben. Obwohl sich im vergangenen Jahr sogar ein Start-up namens „Mootral“ auf Burgertour durch Deutschland gemacht hat, um Werbung für seinen klimafreundlichen Klops zu machen.

Selbst wenn das wieder nichts wird, das Schalten und Walten junger tatkräftiger Menschen aus der Gründerszene im Blick zu haben, um sich davon inspirieren zu lassen oder sogar neue Vertragspartner zu finden, schadet der stets kritisch beäugten Agrarbranche definitiv nicht. Besonders dann nicht, wenn diese Gründer neue Wertschöpfungsketten schaffen, die meist zielgenau gesundheitsbewusste Verbraucher ansprechen. Das Frankfurter Start-up namens „Lizza“ backt beispielsweise kalorienarme Leinsamen-Pizza. Das Geschäft boomt. Vielleicht ein Grund, die althergebrachte Fruchtfolge zu überdenken?

In jedem Fall liefern der Mut und die Innovationskraft junger Gründer, die stets ein Risiko in Kauf nehmen, Impulse. Gerade weil die Ideen zielsicher entlang der Konsumentenwünsche entwickelt werden, machen sich die jungen Leute den Zeitgeist zunutze, anstatt gegen ihn anzukämpfen. Es lohnt sich sicherlich auch für so manchen Landwirt, auf diesen Zug aufzuspringen. Das Start-up „Super Meat Boy“ hatte beispielsweise die Schnauze voll vom Kastenstand. Sein Gründer, ein junger Doktorand der Agrarwissenschaften, hat auf Worte Taten folgen lassen und ein eigenes Konzept gestaltet, in dem der Kastenstand keine Rolle mehr spielt. Möglicherweise bedient dies alles „nur“ die Nische, aber auch diese kann wachsen.

In diesem Sinne: Anstatt sich von der Gesellschaft treiben zu lassen, lohnt es sich, selbst Standards zu setzen oder zumindest Augen und Ohren offenzuhalten, um gemeinsam mit vielversprechendem Gründergeist gutes Geld zu machen. Prost Neujahr!

stats