Henrike Schirmacher zur Zukunft der Landwirtschaft

Dem Untergang geweiht


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Die Gräben sind mittlerweile so tief, der Optimismus der Bauern versiegt. Kein Wunder, wenn der Nachwuchs die Flinte ins Korn wirft.


Deutschland im Jahre 2070: Landwirtschaftliche Erzeugnisse für eine hungrige Bevölkerung werden nur noch aus Übersee oder aus Nachbarländern importiert. Fleißige Bauern, die ehemals einen ganzen Korb an leckeren Waren im Angebot hatten, gibt es leider nicht mehr.

Der Nachwuchs hat nämlich die Flinte ins Korn geworfen. Aber wer könnte es ihm verdenken? Nicht selten haben Bauernkinder von der Pike auf gelernt, dass die Landwirtschaft und Tierhaltung, wie ihre Eltern sie betreiben, keine Zukunft hat und erfahren, dass ständig auf ihnen herumgehackt wird. Schweißgebadet, ob dieser düsteren Zukunftsaussichten, haben die vor Tatendrang strotzenden Zöglinge, der Branche reflexartig den Rücken gekehrt, ordnen Zeitzeugen die zurückliegenden Geschehnisse traurig ein.

Zurück im Hier und Jetzt: Aufgrund zahlreicher bundesweiter Bauernproteste gegen die aktuelle Agrarpolitik lässt sich tatsächlich der Eindruck gewinnen, die Branche sei dem Untergang geweiht. Nur vereinzelt sind optimistische Stimmen der Bauern zu hören: „Wir können alles. Sagt uns nur was!", hört der Nachwuchs viel zu selten. Zu allem Übel stoßen Bemühungen seitens der Politik, Landwirte bei kommenden Herausforderungen unterstützen zu wollen, auf taube Ohren.

Es hätte damals noch Hoffnung gegeben, das Ruder herumzureißen, berichten Zeitzeugen rückblickend. Die Anzahl der Auszubildenden spiegelte den Untergang der Branche damals nämlich noch nicht wider. Auch die wirtschaftliche Situation war nicht so prekär, dass man in diesen Beruf nicht hätte einsteigen sollen.

Im Hier und Jetzt in Deutschland fällt es allerdings Landwirten, die trotz aller Probleme hoffnungsvoll bleiben und auf die gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren wollen, schwer bei ihren Kollegen Gehör zu finden. Kein Wunder, dass es im Jahr 2070 so gekommen ist, wie im Hier und Jetzt angekündigt.

 

6 Kommentare

  1. Helmut Gahse
    Erstellt 15. November 2019 15:08 | Permanent-Link

    Ich hab an dieser Stelle in letzter Zeit nichts gelesen was die Stimmung in der Landwirtschaft hätte heben können und damit dem Abwandern des Nachwuchses entgegen wirkt. Wenn die Medien, auch die Agrarzeitung, nur schlechte Nachrichten für gute Nachrichten halten, braucht sich keiner zu wundern wenn die betroffenen Fachleser aussterben. Lassen Sie mal die Nachrichten von 2019 in Ihrem Blatt Revue passieren, und dann werden Sie feststellen warum in 2070 kein selbständiger Bauer mehr in Deutschland existiert.

  2. Uwe Müller
    Erstellt 15. November 2019 16:37 | Permanent-Link

    Henrike trifft den Nagel auf den Kopf

  3. Christoph Kern
    Erstellt 15. November 2019 17:33 | Permanent-Link

    Liebe Frau Schirrmacher, vielen Dank für Ihren toll geschriebenen Artikel. Es bleibt jedoch offen zu welchen Preisen im Jahre 2070 die Nahrungsmittelversorgung bei uns funktionieren soll. Dann werden nämlich voraussichtlich mehr als zehn mal so viele Menschen auf der Welt leben. Man muss kein großer Prophet sein um hier Versorgungsengpässe und Preissteigerungen vorherzusehen. Schade dass unsere Politiker Offensichtlich nicht in der Lage sind dieseoffensichtlich nicht in der Lage sind dieses Szenario zu erkennen und eine entsprechende Strategie die uns von noch mehr Importen unabhängiger Macht aufzubauen. Bereits im Jahre 2010 war einer Studie von Destatis Deutschland auf 20 Millionen Hektar Ackerflächen im Ausland angewiesen. Die Frage muss erlaubt sein wie abhängig wir uns noch machen wollen? Jede Industrie schützt Ihren Markt nur die Landwirtschaftschaft kriegt es nicht gebacken. Auch weil jeder zehnte Arbeitsplatz in der Nahrungsmittelindustrie angesiedelt ist und die Gewerkschaften stark sind. Wenn wir jedoch so weitermachen, gibt es bald keine Landwirtschaft mehr bei uns.

  4. Lossin
    Erstellt 15. November 2019 20:04 | Permanent-Link

    Die Landwirtschaft überlebt im Augenblick nur ,weil sie Anlageobjekt für Industrielle und Reiche ist.

  5. Ahrend Höper
    Erstellt 16. November 2019 14:26 | Permanent-Link

    Kein Wunder, wenn der Nachwuchs die Flinte ins Korn wirft.
    Frau Schirmacher hat mit ihrer Analyse und dem Blick in die Zukunft voll den Zahn der Zeit erkannt.
    Leider hat Sie Recht!
    Leider ist die Generation Y / Z, wie man es an den Lehrlingen von gestern und aktuell sehen kann, von den Helikopter- Eltern in Watte gewickelt und mit permanenten Sturzhelm groß geworden.
    Zum größten Teil sind Kinder immer das Produkt der Erziehung!
    Auf der anderen Seite kann man es den jungen Landwirtskindern, die während ihrer Schulzeit schon massiv dem Mobbing (u. a. auch durch links, grüne Lehrer) unterlagen, nicht verdenken, dass sie aktuell unter diesen desaströsen links grünen Politikern auf Landwirschaft keine Lust mehr haben!

  6. Andreas Peters
    Erstellt 18. November 2019 18:07 | Permanent-Link

    Es wird auch 2070 in Deutschland noch Landwirtschaft geben. Allerdings vermutlich in Betriebsstrukturen wie sie aktuell in den neuen Bundesländern entstehen. Ich sage bewusst entstehen, denn Industriekapital wird immer stärker in Flächen investieren. Da muss der Verbraucher eben entscheiden was gewollt ist. Eine einigermaßen bäuerliche Landbewirtschaftung mit überschaubaren Flächen oder ausgeräumte Landschaften mit, da wo die Bewirtschaftung nicht ausreichend ertragreich ist, mehr oder weniger großen Bracheflächen.

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