Herkunftskennzeichnung

Unterlassene Hilfeleistung

SB
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Tierhalter fordern immer lauter verbindliche Informationen über das Produktionsland des Fleisches. Doch die Berliner Politik steht auf der Bremse.

Auch wenn sich die Preise am Schweinemarkt seit zwei Wochen erholen, bleibt die Lage prekär. Für eine Verbesserung gibt es viele Stellschrauben, eine davon ist die Herkunftskennzeichnung. Unter den deutschen Schweine- und Geflügelfleischproduzenten wächst die Wut, weil das Bundeslandwirtschaftsministerium bei diesem Thema auf der Bremse steht. Frankreich zeigt, dass es möglich ist, auch die Fleischverarbeiter und die Anbieter im Außer-Haus-Geschäft zu zwingen, den Konsumenten zu informieren, in welchem Land die Tiere geboren, aufgezogen, geschlachtet und verarbeitet wurden. Dass man im Hause Özdemir nun eine nationale Regelung scheut und auf eine europaweite Einigung wartet, verärgert Tierhalter und Verbraucher gleichermaßen.

Gerade die Grünen hatten bislang selten Hemmungen, in der Agrar- und Ernährungspolitik nationale Alleingänge zu fordern. Nun, wo man Verantwortung trägt und mit einer einfachen Maßnahme, die keine staatlichen Subventionen erfordert, schnell Hilfe leisten könnte, verschanzt man sich hinter EU-Recht. Dabei spricht wenig gegen eine Kennzeichnungspflicht. Natürlich würden Fleischverarbeiter, die ihren Rohstoff heute europaweit einkaufen, mit einem Mehraufwand konfrontiert. Und sicherlich wäre es für manches Restaurant und manche Kantine unangenehm, erklären zu müssen, warum das Hähnchen aus Polen und nicht aus Deutschland stammt.


Hierzulande sind die Haltungsstandards dank der Initiative Tierwohl in den vergangenen Jahren auf breiter Front angehoben worden. In vielen, vor allem osteuropäischen Ländern orientiert man sich weiter an den niedrigeren europäischen Vorgaben. Das bedeutet im Vergleich zu Deutschland: weniger Platz und Beschäftigungsmaterial für die Tiere – und geringere Produktionskosten. Bei Großkunden, für die beim Einkauf nur der Preis zählt, hat deutsche Ware deshalb kaum eine Chance. Umfragen zeigen, dass Verbraucher gerne wüssten, woher das Fleisch kommt, auch wenn sie es im Restaurant verzehren. Beim Thema Herkunftskennzeichnung besteht eine große Einigkeit zwischen Verbrauchern und Produzenten, doch die Politik schaut leider nur zu.

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