Horst Hermannsen über Auswüchse der Energiewende

Worte und Taten

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Der Zeitgeist ist ein unsteter Geselle. Gerade weht er Richtung Grün. Der Zeitgeist hat grüne Politiker zum Insolvenzverwalter der altehrwürdigen SPD bestellt. Keine beneidenswerte Aufgabe für die neuen jung-dynamischen, von beruflicher Erfahrung oft unbelasteten Protagonisten.

 Ihre Auftritte werden weniger von konkreten Zielvorgaben oder Sachkunde getrübt. Das ist für diese Partei auch ganz gut so. Schließlich können Politiker nicht immer auf die Vergesslichkeit ihrer Wähler bauen. Na gut, ihre Anhänger haben den Grünen in Hessen verziehen, dass sie ein zentrales Versprechen gebrochen haben. Einst setzten sie sich in ihrem Wahlprogramm vehement für einen Stopp des Ausbaus am Frankfurter Flughafen und für Nachflugverbote ein. Heute ist der dritte Terminal kein kontroverses Thema mehr und die Billigflieger heben ungehindert zu beinahe jeder Uhrzeit ab. Bekanntlich wächst die Toleranz mit der Entfernung zum Problem. Wer in einer Regierung sitzt, ist eben nahe mit den Sachzwängen konfrontiert.

Zu erkennen ist dies auch im Hambacher Forst. Dort demonstrieren ausgerechnet jene gegen die Abholzung des kläglichen Restwaldes, die zuvor die Genehmigung dafür erteilten. Die gepflegte Empörungskultur lässt vergessen, dass die Leitentscheidung für eine weitere Rodung von der damaligen rot/grünen Landesregierung kam. Der NRW-Umweltminister mit grünem Parteibuch, Johannes Remmel, präsentierte diese Genehmigung im Mai 2016 einer verblüfften Öffentlichkeit.

Noch grotesker sind freilich Bemühungen der rot/grünen Landesregierung in Hessen, das älteste Naturschutzgebiet des Landes zu zerstören. Der Reinhardswald im Norden Hessens ist mit seinen jahrhunderte alten Baumriesen und seltener Fauna ein einzigartiges Naturreservat. Dort, am Rande eines Naturschutzgebietes, plant die schwarz/grüne Landesregierung einen gigantischen „Windpark“ Hintergrund ist das ambitionierte Ziel, zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie zu sichern. Ausreichend Wind gibt es in Hessen, wenn überhaupt, nur in Höhenlagen. Weil die aber meist bewaldet sind, entstehen fast alle Windanlagen dort, wo einst geschlossene Waldgebiete waren. Damit möchte eine gierige Anleger-Mafia, zu der vor allem Kommunen zählen, richtig Geld machen. Eine auf Windenergie spezialisierte Kanzlei hat kürzlich von „Goldgräberstimmung“ gejubelt.

Tatsächlich aber wird mit diesen Totempfählen einer außer Rand und Band geratenen Konsumgesellschaft Natur für alle Zeiten zerstört. Sie nennen ihre Energie, derentwegen Ökosysteme vernichtet werden, auch noch Ökostrom. Wenn es um Profit geht, ist die Wahrheit ein schlechter Weggefährde. Dafür liefert Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz den erdrückenden Beweis: „Wenn wir mit Hilfe der Windkraft nicht gegen den Klimawandel angehen, dann haben wir in 50 Jahren keinen Wald mehr“, den wir noch schützen könnten, lautet ihr Credo. Mit anderen Worten: Man muss den Wald zerstören um die Bäume zu retten. Diese besondere Logik lässt einen bemerkenswerten intellektuellen Stand der gelernten Sozialpädagogin erkennen.

Während es um den Hambacher Forst lautes Revolutionsgeschrei gibt, geht es in Hessen zwar ebenfalls um viele Bäume. Aber hier herrscht eher Schweigen im Walde. Keine Massendemos, keine Besetzungen, keine Behinderungen. Warum das so ist? Weil der Zeitgeist die grüne Ideologie der Energiewende zur Religion verklärt hat, an die man glauben muss. Wer sie hinterfragt, gehört nicht zu den Guten.

12 Kommentare

  1. Ulrich Windhüfel
    Erstellt 1. November 2018 17:05 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Hermannsen, welche Strategie also schlagen Sie vor, wie dem CO2- und Energie-Dilemma begegnet werden soll?

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 2. November 2018 11:13 | Permanent-Link

    Lieber Horst Hermannsen,

    Sie bleiben unverkennbar Ihrer „Religion“ insistent treu. - Nachstehendes sollte jedoch vielleicht auch Sie zum Nachdenken bewegen:

    Die Weltmeere erwärmen sich; eine längst altbekannte Tatsache, über die jene Protagonisten nur milde lächeln werden, die „grünes Gedankengut“ äußerst konsequent ablehnen.

    Bei den bisherigen Prognosen hat man allerdings nicht hinreichend Aufmerksamkeit aufgewandt dahingehend, dass mit den dortig ansteigenden Wassertemperaturen die Speicherfähigkeit von Gasen im Wasser, die temperaturabhängig ist, sich kontinuierlich, wenn auch nur marginal, verändert. In selbigem Verlauf wird bei der Erwärmung Gas an die Atmosphäre abgegeben; auch jene das Klima nach heutigem Wissensstand negativ beeinflussenden Gase, insbesondere zu nennen CO2 (Kohlendioxid).

    Die bisherige Stromerzeugung aus fossilen Ressourcen sowie der Atomstrom wirken dahingehend in doppelter Hinsicht extrem negativ:

    Zum einen wird durch die Erzeugung nur über Wasserdampf maximal 35% der eingesetzten Energie in Strom umgewandelt, der verbleibende Rest, mithin über 60%, heizt unsere Atmosphäre auf. Werter Herr Hermannsen, die Kühltürme dokumentieren das undiskutierbar mehr als imposant.

    Selbige eingangs beschriebenen Zusammenhänge potenzieren mithin unsere wohl unbestreitbare Problembaustelle chronisch, weshalb sich die Weltmeere realiter schneller erwärmen als bisher vorausgesagt, damit einhergehend fatalerweise unsere Polkappen rasanter abschmelzen.

    Diese zusätzliche Wärmefreisetzung entfällt bei der Solar- und Windstromproduktion.

    Eine Wissenserweiterung von nicht geringer Bedeutung, die man geflissentlich nicht ausblenden sollte. Bei den Überlegungen bislang hat man diese Gegebenheiten schlichtweg unzureichend interpretiert.

  3. Frank Leutz
    Erstellt 2. November 2018 16:09 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Windhüfel, mit Gehirn/ Wissenschaft / Fakten und nicht mit Ideologie - diese hat nämlich bei 30.000 Windkraftindustrieanlagen noch kein Gramm Co2 eingespart.

  4. Hermann Dirr
    Erstellt 2. November 2018 16:24 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Windhüfel,
    alle Fakten legen es auf dem Tisch, trotz 30.000 Windrädern und PV kommt es nicht zu einer Verringerung unseres CO2 Ausstoßes.
    Wenn sich die energiebedinten CO2 Emissionen, trotz einer installierten Leistung von PV UND Windkraft von ca. 105 Gigawatt, nicht senken lassen, bei wie viel, noch zu installierter Leistung werden wir die Senkung der energiebedingten CO2 Emissionen wahr nehmen?

    Nein, darum geht es offensichtlich bei dieser Energiewende auch nicht. es geht um eine Geldumverteilung von unten nach oben. Um nicht mehr und nicht weniger. Die gesicherte Einspeiselast liegt von diesen 105 GW bei 0,2 GW.

    Warum soll Herr Hermannsen, Lösungen anbieten, für eine Technik, die wegen ihrer Wetterabhängigkeit vor 100 Jahren zu den Akten gelegt wurde.

    Ohne vorhandene Speicher, die Windkraftnutzung erst zuverlässig machen würde, ist jedes gebaute und geförderte Windrad Bürgerbetrug

  5. Hermann Gottschalk
    Erstellt 2. November 2018 20:09 | Permanent-Link

    Ulrich Windhüfel
    Durch Windräder wurde bislang kein Gramm CO2 gespart und sie tragen 0% zur Versorgungssicherheit unseres Stromsystems bei. Insofern ist die in ihrer Frage implizierte Behauptung Windräder wären in irgendeiner Sichtweise eine Alternative zu konventionellen Energieträgern Unsinn. Herr Hermannsen kann Einhalt beim Ausbau der Windräder fordern ohne etwas anderes anbieten zu können ohne unlogisch zu argumentieren; im Gegensatz zu Ihnen. Das ist das große Dilemma, dass die meisten, die sich zu Wort melden uninformiert sind aber über eine sehr gefestigte Meinung verfügen.

  6. Holger Gierse
    Erstellt 3. November 2018 08:45 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Windhüfel,

    wer gibt Ihnen eigentlich die Sicherheit und Wahrheit, daß der sogenannte CO2-Mythos richtig ist? Weil alle Wissenschaftler das von den Bäumen schreien??? Quatsch! Es gibt auch genügend Experten, die das Gegenteil behaupten! Die Lösung wäre, wenn die Menschen nicht so viel Energie für Konsum, Freizeit und Selbstdarstellung verbrauchen würden. Aber wie Herr Hermannsen schon richtig schreibt: in einer "außer Rand und Band geratenen Konsumgesellschaft" und einem Werte-verlorenen Volk wird das wohl schwierig werden.

  7. Hermann Gottschalk
    Erstellt 3. November 2018 11:04 | Permanent-Link

    EU-Bauer Klaus1618
    Mit dem Bau von Windrädern ändern Sie nichts an den von Ihnen genannten Problemen. Das ist der Irrglaube der Grünen Religion.

  8. Christian Höhle
    Erstellt 3. November 2018 16:53 | Permanent-Link

    Dass Erneuerbare Energien kein CO2 sparen ist schlicht falsch. Das war früher Mal so, ist es aber seit der Reform des Emissionshandels nicht mehr.

    Das habe ich hier näher erläutert:

    https://www.ee-mythen.de/index.php?action=artikel&cat=1&id=3&artlang=de

  9. Christian Höhle
    Erstellt 3. November 2018 17:00 | Permanent-Link

    Und was die Windkraft im Wald angeht: einerseits sind es lediglich kleine Bereiche um den Fuß der Windkraftanlage. Es wird nicht wie im Hambacher Wald ein kompletter Wald entfernt.

    Zum anderen spart ein Hektar für Windkraftanlagen so viel CO2 wie 942 Hektar Wald einlagern könnten.

    Daher ist es schon sehr gerechtfertigt, Windkraftanlagen auch im Wald aufzustellen.

    Neben der CO2 Ersparnis haben Windkraft und Solarstrom aber noch jede Menge anderer Vorteile, die ich hier mal aufgeführt habe:

    https://www.ee-mythen.de/index.php?action=artikel&cat=1&id=12&artlang=de

  10. Hermann Dirr
    Erstellt 3. November 2018 20:35 | Permanent-Link

    Na ja, Herr Hoehle, Sie möchten diese Energiewende am Laufen halten, so lange Sie damit Geld verdienen können. Tatsache ist, der CO2-Ausstoß ist nicht in dem Maße gesunken, wie es ca 115 GW installierte EE-Leistung vermuten lässt. Und die minimale Senkung der deutschen CO2-Emissionen ist wohl auf die Nutzung von zuverlässig Strom produzierender Biomasse zuzuschreiben.
    Aber wo Sie und alle EE-Lobbyisten hinwollen, sieht man schön in diesem Filmchen, dass in Ihrer Heimat entstanden ist.
    Und Verweise zu Ihrer Seite, wo sie die EE-Lobby das Wort reden, soll man ernst nehmen?

    https://youtu.be/0htZGR7bIaw

  11. Jörg Rehmann
    Erstellt 3. November 2018 22:44 | Permanent-Link

    Herr Windhüfel macht es sich sehr einfach. Er scheint die Position der Klimaschützer zu vertreten, denn er argumentiert nicht, sondern fordert von dem Journalisten Herrmansen, Alternativen zu entwickeln. Eigentlich sind doch die Vertreter der grünen Politik identisch mit jenen, die sich für Freiheit der Presse einsetzen (z.B. fr Deniz Yücel, Mesale Toglu u.a.). Nimmt ein Journalist seine ureigene Aufgabe wahr, um genau das zu tun, was Freiheit der Presse ist, nämlich kritisch zu untersuchen und zu hinterfragen, dann kommen Leute wie Herr Windhüfel und sagen: was hast du denn für Alternativen auf Lager? Und: wenn du keine Alternativen benennen kannst, dann halte gefälligst den Mund. So ist es oben nicht geschrieben, aber so dürfte es gemeint sein. Das ist ein Bild von Journalismus, der nicht nur auf Gesinnungsjournalismus hinausläuft, - das läuft auf einen Journalismus hinaus, wie er in schlimmsten Zeiten der SED-Diktatur im anderen Teil Deutschlands an der Tagesordnung war. Und jetzt haben wir noch nicht einmal über das Thema, dass sich Herr Hermannsen vornahm, gesprochen.
    Gestern weilte ich einer Vorführung unserer neuen Kino-Dokumentation über die Energiewende "End of Landschaft" im Hunsrück bei. Danach stand ein hochkarätiger Ingenieur auf, der in der Eifel eine Batterie-Speicheranlage u.a. mit EEG-Subventionen projektiert hatte. Er führte aus, dass zur Einweihung auch die RLP-Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) erschienen war. Es wurden hochtrabende Worte gesprochen. Darüber etwa, dass diese Batterieanlage eine jener "Alternativen" sei, die Herr Windhüfel sicher meint. Als die Reihe der Lobesworte bei der Einweihung an den Projektierer kam, erlaubte er sich, die Durchschnittsleitung des Windrads zu nennen, das die Batterieanlage als Speicher abpuffern sollte. Dann bezog er die Lebenszeit der Akkumulatoren und die Wartungskosten mit ein. Schließlich wies er minutiös nach, dass die Kilowattstunde Stromertrag beider Anlagen (also 1 Windrad plus adäquaten Batteriespeichers) mindestens 1000 Euro koste. (Eine einzige Kilowattstunde!)
    DAS, Herr Windhüfel, sind die Alternativen. [..]
    Und noch etwas: die Leistung, die Generationen von Land- und Forstwirten an der Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft erbracht haben, ist der größte Beitrag zum Klimaschutz, den Deutschland je erbracht hat. Er hat es verdient, auf die CO2-Bilanz angerechnet zu werden. Das ist auch eine Alternative. Und: die Verbiegung der Traditionslandwirtschaft hin zu einer Intensiv-Energielandwirtschaft, das - Herr Windhüfel - ist eine Sache, welche die Grünen lange Zeit ganz besonders gut geheißen haben. Bis ihnen einfiel, Landwirte als Übeltäter zu diffamieren, neue "Bauernkalender" mit Diffamierungen herauszugeben und selbst Kinder von Landwirten in Sippenhaft zu beschimpfen.
    Und nein, Herr Windhüfel, ich bin kein Landwirt, ich bin auch Journalist. Und ich werde von meinem Recht auf freie Presse auch weiterhin rigide Gebrauch machen. Darauf können Sie sich verlassen.

  12. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 4. November 2018 10:03 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Gottschalk,
    Windenergie nutzte die Menschheit bereits zu Zeiten, als sich diese Spezies aufgrund geistiger Kapazitäten zumindest nach aktuellem Ermessen an die Spitze der heutigen Evolution setzte.

    Die Nutzung von Segeln zu Land und Wasser stellt seither schon eine absolute Selbstverständlichkeit dar, die realiter eine erhebliche Arbeitserleichterung mit sich brachte. Ohne diese hätte mit größter Wahrscheinlichkeit die menschliche Besiedelung unseres blauen Planeten nicht stattgefunden. Wind stellt im übrigen eine der Formen von Sonnenenergie dar. - Das wirklich erheblich vereinfacht dargestellt. Man muss allerdings jene Kausalitäten auch wahrhaben wollen.

    Das Wissen um die Kernenergie ist bis heute als solche im übrigen eine menschliche Meisterleistung und erweitert unseren Horizont noch immer unermesslich; die Nutzung selbiger jedoch hat sich im Verlauf leider als fataler, brandgefährlicher Holzweg herauskristallisiert.

    Vielleicht aber verfügen Sie über exzellenteres Wissen. Da ich mich selbst als pluralistischen Pragmatiker verstehe, erweitere ich meinen eigenen Wissenshorizont sehr gerne.

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