Horst Hermannsen über die Baywa

Rettungsanker

Das Agrargeschäft der Baywa ist bei süddeutschen Landwirten kein beachtenswertes Thema mehr. Das trifft sich gut, denn auch die Baywa-Führung kümmert sich kaum noch um  Belange heimischen Bauern.

Schuld daran sind unsichere Märkte, die schwache Margen bescheren. Das Erfassungs- und  Handelsgeschäft ist nicht profitabel. In der Zentrale einer vormals „Grünen AG“  spricht man ganz offen von „umfangreicher Restrukturierung“.

Im Klartext: Es gibt weitere Standortschließungen und klassische Geschäftsfelder werden aufgegeben. „Kartoffeln gehören nicht zum Kerngeschäft der Baywa“, verkündete erst kürzlich Baywa-Chef Klaus Josef Lutz, und gab den Produktbereich ab, ohne alle Beteiligten davor zu informieren. Nur am Rande: Bayern ist nach Niedersachsen der zweitgrößte Kartoffelerzeuger Deutschlands. Aber Lutz ist provinzielles Denken fremd. Er plant groß, international, global. Deshalb  der Handel mit Äpfeln in Neuseeland, das Geschäft mit Tafeltrauben aus Peru, oder Avocados aus Südafrika. In der Wüste von Abu Dhabi lässt die Baywa Tomaten wachsen, wo sonst nichts wächst. In den dortigen Hightechgewächshäusern sollen nicht nur Pflanzen sprießen, sondern auch Gewinne. Dreistellige Millionen-Summen werden in dieses Leuchtturmprojekt investiert. Solche „Kerngeschäfte“ machen den heimischen Bauersmann sprachlos.

Die Baywa weist einen opulenten Umsatz von über 16 Milliarden Euro aus. Davon ist freilich  wenig  erwirtschaftet,  fast alles wurde zugekauft. Die Folgen sind eine nie dagewesene  Nettoverschuldung, und eine drastische Senkung des Eigenkapitals. Dabei polierten immer wieder Immobilienverkäufe die Bilanz auf. Und wurde die Eigenkapitalquote nicht mit den 2017 aufgelegten Hybridanleihen aufgehübscht? Simsalabim - aus Fremdkapital wird Eigenkapital.

Einen Lichtblick bietet das Projektgeschäft im Bereich „erneuerbare Energien“. Die BayWa r.e. renewable energy GmbH – eine hundertprozentige Beteiligung der BayWa AG ist gewissermaßen der Rettungsanker des gesamten Zahlenwerks. Damit dies so bleibt, plant Lutz, das Wachstum von Baywa r.e.  durch eine Kapitalerhöhung zu fördern. Sie soll unter Beteiligung Dritter und direkt bei der Baywa r.e. erfolgen. Der Konzernchef veranlagt dafür eine halben Mrd. Euro. Die Mittel sollen über eine Privatplatzierung in das Unternehmen fließen. Gefragt ist ein Partner, der bis maximal 49 Prozent der Anteile der Baywa r. e. kauft. Die Mehrheit soll bei der Baywa verbleiben. 

"Wir suchen einen Investor, der zu uns passt", so Lutz.  Mit Hedgefonds werde nicht geredet. Diese Form der Kapitalerhöhung ist spannend, womöglich sogar genial. Warum,  so könnte man fragen, sollte jemand 500 Mio. Euro für weniger als die Hälfte von Baywa  r.e. bezahlen, wenn die gesamte Baywa, inklusive re,  an der Börse gerade mal mit  900 Mio. Euro bewertet wird. Fürchtet Lutz womöglich, der Konzern ist ohne Baywa re gar nichts mehr wert? Immerhin nannten Investoren vor 10 Jahren noch einen Betrag von  weit über eine Mrd., ohne re.  Und doch dürfte der Deal bereits weitgehend ausgehandelt sein, heißt es im Umfeld von Lutz.

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