Horst Hermannsen zu alternativen Landwirtschaft

Bio-Bauern als Weltenretter

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Deutschland ist dem Umweltrausch verfallen: Vom Biorhythmus zur Bio-Kleidung bis zur Biotonne, vom Biohaus bis zum Ökomüsli, vom Ökostrom bis zur alternativen Landwirtschaft hat die „ökologische Bewegung“ unser Leben erfasst.

 Die alternative Landwirtschaft erhält, dank eines unermüdlichen Medienwirbels, oft ungeprüft und undifferenziert Beifall. Die auch bei diesem Thema vom Zeitgeist getriebene Politik legt willkürliche Vorgaben fest. Um diese Ziele zu erreichen wird Steuergeld mit vollen Händen an umstellungswillige Bauern verteilt. Dabei übersieht man geflissentlich, dass nicht wenige Akteure sich dieses Thema aus ideologischem und wirtschaftlichem Kalkül zu Eigen machen. Nicht unbedingt in der Landwirtschaft, aber drum herum lässt sich damit gesellschaftlicher Einfluss gewinnen und richtig Geld verdienen.
 
Fakten spielen eine untergeordnete Rolle. Das zeigt sich unter anderem daran, dass weder die Landwirtschaft in Deutschland noch die der gesamten EU in so beträchtlichem Maße auf Bio umstellen kann, wie es von urbanen Besserwissern aus der linksdrehend grünen Ecke immer wieder gefordert wird. Dafür fehlt schlicht die  Fläche. Schließlich bringen die Äcker im ökologischen Landbau nur den halben Mengenertrag. In der EU stehen lediglich 0,2 Hektar Ackerland pro Person für die Nahrungserzeugung zur Verfügung, aber mindestens 0,3 Hektar werden benötigt. Mit anderen Worten: Die Lebensmittelimporte aus Übersee müssten gewaltig gesteigert werden. Bereits heute wird knapp die Hälfte aller hierzulande verkauften Bio-Produkte eingeführt. Größtes Lieferland ist China gefolgt von Ecuador, der Dominikanische Republik, der Ukraine, der Türkei und schließlich Peru. Der transportbedingte Schadstoffausstoß führt die Ökobilanz dieser „Bio-Ware“ ad absurdum.
 
In früheren Jahren erblickten die Anhänger in „ Bio“ eine gute Lösung, weil es scheinbar die Strukturschwächen der Landwirtschaft überwinden kann und zugleich einen Beitrag zur gesünderen Lebensweise leistet. Zu dieser Erkenntnis mag  kommen, wer  verschweigt, dass auch in dieser Wirtschaftsweise Pflanzenschutz keineswegs nur mit „harmlosen“ Präparaten betrieben wird. Erinnert sei beispielsweise an Kupfer, das in elementarer Form vorliegt und  daher nicht wie  organische Verbindungen abgebaut werden kann.  Zugelassen sind  auch Nikotin, Schwefel oder  Kontaktgifte wie etwa Pyrethrin.  Ein  Problem stellt zudem der vermehrte Schimmelbefall bei Bioprodukten dar. Öko-Landwirtschaft spart zwar durch Hack-, Striegel- und Abflammtechnik  chemische Pflanzenschutzmittel ein. Der Preis dafür ist  die Reduzierung der Artenvielfalt. 

Niederwild und Bodenbrüter sind hier in bedenklichem Maße bedroht.
Inzwischen haben sich die ursprünglichen Ansichten der Bio-Protagonisten geändert. Diese Änderung – das ist bedeutsam – geschah nicht, weil es neue Entdeckungen und Durchbrüche auf dem Gebiet des Öko-Landbaus gegeben hätte.  Nein, der plötzliche Wendedruck wurde von einer  abstrakteren, „höheren“ Sphäre erzeugt – vom Metathema der „Klimakrise“. Mit ihr wurden  die  einzelnen, praktischen Überlegungen der Verbesserung der Erträge, des Umweltschutzes, der Verzehrsgewohnheiten beiseite gewischt von der ultimativen Frage „Sein oder Nichtsein unseres Planeten“. Obwohl keine Zusammenhänge zwischen der einen oder anderen Form der Landbewirtschaftung und der Klimakrise nachgewiesen sind, glauben   sich dilettierende Ideologen ermächtigt, im Namen des Öko-Landbaus einen Generalangriff auf den herkömmlichen Landbau  führen zu dürfen.
  1. Dr. Karl-Heinrich Sümmermann
    Erstellt 9. April 2021 15:38 | Permanent-Link

    Gratulation zu diesem Kommentar. Spannend wäre es unter Klimagesichtspunkten auch den enormen Ressourcenverbrauch der Ökolandwirtschaft gegenüber der marktwirtschaftlichen Landwirtschaft einzubeziehen. In den Industrieländern sind das Themen, die bisher im Hintergrund stehen. In den Ländern, wo ein Anteil von teilweise mehr als 50 % für Nahrungsmittel ausgegeben werden, ist die flächendeckende Bewirtschaftung nach Bio-Regeln existenzbedrohend für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung. Was für eine Arroganz in Teilen der reichen Länder.

  2. EU-BAUER Klaus1618
    Erstellt 12. April 2021 10:12 | Permanent-Link

    Die Zauberformel per se, werter Herr Hermannsen, wäre überhaupt nicht kompliziert: Man müsste, nicht nur im Öko-Landbau übrigens -hier aber ganz im Besonderen!- weg vom Monokulturenanbau gelangen, hin zu horizontalen Mischkulturen auf der Fläche in nur einer Vegetationsperiode.

    Gerade unsere „Öko-Päpste“ versagen hier in der Thematik immer noch auf ganzer Linie!!!

    Fast unüberwindbare Hindernisse bauen sich schon bei nur zwei Kulturen (z.B. in Kombination Körner-/Ölfrucht, C4-Pflanze/Ölfrucht etc.pp.) vor dem vorauseilend „gehorsamen“ kleinen Bäuerlein auf, wenn‘s den Vorstellungshorizont unserer intellektuell überaus befähigten Eliten schlichtweg augenscheinlich erheblich übersteigt. - Einfach ist viel zu kompliziert!!!

    Aus einer Distanz von 36.000 Kilometer Entfernung würde man allerdings fernerhin nur schwerlich erkennen, was auf diesen Äckern wächst.

    Konfrontiert man unsere allwissend dienstbeflissenen Öko-Berater mit einer solchen frisch geernteten Ware, wird‘s eng mit deren medial euphorisch kommunizierten Handlungsfähigkeit. Oft erkennt man das/die Produkt/e nicht einmal auf Anhieb. Es wird also statthaft den Bauern hierfür keine geeignete Nachernte-Technik zur Hand gereicht. Noch rigoroser abweisend verfahren dabei unsere staatlich alimentierten Handlanger - Nicht ausführbar, weil im Prämienantrag dazu kein Verwaltungsrecht installiert ist.

    Unsere Forstleute gehen demgegenüber aktuell mit leuchtendem Beispiel voran, in selbigen Reihen hat ein Umdenken gezwungenermaßen bereits stattgefunden; man kommt quasi nicht umher, den Monokulturen- durch einen zweckmäßigen Mischkulturenanbau zu ersetzen. Zumindest in diesem Themenkreis haben sich die weltweit gerühmten deutschen Denker bereits in Bewegung gesetzt; wobei man das Lösungskonzept schlechthin noch nicht entdeckt zu haben scheint. Lob an dieser Stelle dennoch - immerhin, diese Cerebra rattern schon...!

    Einen uns Bauern extrem zermürbenden Dornröschenschlaf im Ackerbau haben viele maßgebliche Entscheidungsträger leider noch nicht überwunden. Sie verschlafen ärgerlicherweise damit den kontinuierlich nagenden Zahn der Zeit! - Wie viele verlockende Äpfelchen dieselben wohl noch zu verschlingen gedenken, ehe man mit der nötigen Wachheit so manche Indoktrination als das zu enttarnen bereit ist, was diese im Eigentlichen abbildet...!?

    Aufstehen wider den irrlichternen Schwachsinn in der Agrarpolitik für eine perspektivreichere Zukunft auf deutschen Bauernhöfen. - Ein hoffnungsvoller Gruss vom kleinen Bäuerlein :-)

    Nachtrag:

    Das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen! - Man verspricht, vollkommen blind verhaftet in einem Öko-Wahnsinn, dass sich die Nitratproblematik in unserem Trinkwasser bei den aktuellen Zielvorgaben hin zum allein glückselig machenden Öko-Landbau sogar noch zusehends verschärfen wird.

    Wenn selbst der letzte Acker auf Öko-Landbau umgestellt ist, werden wir auf mehr als einem Drittel der Flächen Klee und Leguminosen anbauen; sprichwörtlich exzellente Auslöser förmlich spürbarer Wellen einer Nitratfreisetzung.

    Unsere Wasserwerker haben heute schon das grundsätzliche Problem, dass sie die unterschiedlichsten Quellen der Nitratherkunft nicht zu unterscheiden vermögen. - Nitrat ist und bleibt ein windiger Bursche. Es gibt keine Analysemethodik derzeit und wohl auch in Zukunft nicht, um diesem Umstand gerecht zu werden. - Wer das Gegenteil behauptet, glaubt auch noch immer an eine unbefleckte Empfängnis.“

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