Horst Hermannsen zu Markus Söders Ambitionen

Der Kandidat

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kann sich kaum noch wehren. Er wird womöglich, wenn auch schweren Herzens, Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2021.

Wer hätte auch sonst das Zeug dazu? Er macht alles richtig. Da ist seine plötzliche Ergrünung nach dem Volkbegehren „Rettet die Bienen“. Seit dem ist – vorausgesetzt Fotografen sind in der Nähe – kein Baum im Freistaat mehr vor seiner Umarmung sicher. Die kleinste Oppositionspartei im Bundestag mit gerade mal 8,9 Prozent aber, dank penetranter Medienpräsens, hohen Umfragewerten, die Grünen also, sind ihm Gegner und Vorbild zugleich. Umwelt- und Klimaschutz prägen inzwischen die Agenda des Freistaats, wie man es nur nach den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima kannte. Lediglich pedantische Kleingeister erinnern sich noch an Söders unrühmliche Rolle als Heimat(zerstörungs)minister.

Damals, 2016, wollte er doch tatsächlich den Flächenfraß und die Zerstörung von Naturräumen durch eine Aufhebung beziehungsweise Lockerung des Anbindegebots für Gewerbe- und Tourismusgebiete beschleunigen. Heute mag er sich kaum noch daran erinnern. Lieber schlüpft  er  in die Rolle des ökologischen Vorkämpfers, nicht allein für den Freistaat, sondern gleich für die gesamte Bundesrepublik. "Mehr Geld für Agrar, aber für eine Wende hin zu mehr Agrar-Ökologie", fordert Söder in diesen Tagen. Die Landwirte müssten Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. "Das ist unser bayerischer Weg, vielleicht kann es auch ein Weg in Deutschland sein“. Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus ist das verbale Ziel des CSU-Visionärs, der in größeren Dimensionen denkt und dabei ideologische Parteigrenzen unkenntlich macht.


Sein Meisterstück liefert er freilich mit dem unbeirrten Kampf gegen Corona. Seine Medienauftritte, frühzeitig vermummt mit  weißblauer Gesichtsmaske, hatten etwas Heroisches.  Aus Sicht des CSU-Chefs  Söder muss sich der künftige Unionskanzlerkandidat in der Corona-Krise bewiesen haben. Wer dabei versagte, habe „keinen moralischen Führungsanspruch“. An wen er da wohl dachte? Nicht wenige haben das als Absage an Armin Laschet und die anderen Bewerber um den CDU-Parteivorsitz gedeutet - und als Plädoyer für Söder selbst.

Andererseits: "Mein Platz ist natürlich immer in Bayern", so der gewiefte Taktiker. Er sagt das seit Monaten. Was er seit Monaten nicht sagt: Dass er sich definitiv nicht als Kanzlerkandidat der Union bewirbt. Darüber hinaus betont er in enger werden Abständen: „Die CDU entscheidet allein, wen sie an ihre Spitze wählt. Aber klar ist: Ohne die CSU kann man nicht Kanzlerkandidat werden“. Ob ihn jeder verstanden hat? 

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