Horst Hermannsen zum Klimaschutz

Öko-Nationalismus

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Der überzogene deutsche Nationalismus ist nicht kaputt zu kriegen. Vor dem Hintergrund der internationalen Klimakonferenz in Bonn setzt man hierzulande wieder einmal auf einen geradezu unerträglich belehrenden Öko-Nationalismus.

Die Energiewende wird als großartiges Gemeinschaftsprojekt gepriesen und hat schon deshalb Vorbild für den Rest der Welt zu sein. Tatsächlich jedoch kann die Bundesregierung im Bereich Klimaschutz nichts Nachahmenswertes vorweisen. Das verhindert eine Energiewende, die den Verbrauchern explodierende Kosten beschert und zu steigendem CO2-Ausstoß führt. Geflissentlich verschwiegen werden die dramatischen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Massive Zerstörungen von Naturflächen für Wind- und Photovoltaik-Anlagen, gewaltigen Leitungstrassen und Zufahrtstraßen sind für die Politik lediglich Kollateralschäden auf dem Weg in eine bessere Welt. Die im moralischen Gewand daherkommende Energiewende nach deutschem Muster bleibt ein Lieblingsthema der Medien. Wo Mythen herrschen, hat der Sachverstand ausgedient. Anlagebauer, Landwirte und andere Investoren, die risikolos Geld kassieren, das zuvor der Gesellschaft abgepresst wurde, goutieren es 

Verschwiegen wird, dass Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biogaserzeuger kein einziges konventionelles Kraftwerk ersetzt haben. Es ist unerheblich, wie viele Windmühlen noch Greifvögel schreddern und Landschaftsbilder verschandeln, sie können keine gesicherte Leistung liefern. Und bei den Solarzellen gibt es nur eine einzige Sicherheit: Sicher ist, das sie Nachts keinen Strom liefern. Fortgeschrittene Speichertechnologien werden noch lange auf sich warten lassen. Die CO2-arme Kernenergie wurde und wird in Deutschland vom Netz genommen. Somit müssen weiterhin fossile Reservekraftwerke die Stromversorgung des Industriestandortes Deutschland sichern

Fast ein wenig belustigend sind beim Thema Energie die aktuellen Sondierungsgespräche möglicher Koalitionspartner einer neuen Bundesregierung. In Berlin soll bekanntlich zusammenwachsen, was nicht zusammen gehört, deshalb trägt eine angestrebte Viererkoalition bereits im Vorfeld den Kern des Zerfalls in sich. Amüsant sind die Auseinandersetzungen zwischen der Partei der Besserverdiener (FDP) und der Partei der Besserwisser (Bündnis 90/Grüne) So wollten die Grünen – im Interesse des Klimaschutzes versteht sich - einen genauen Terminplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem Verbot des Verbrennungsmotors festlegen. Da man Klimaschutz nicht an einem Datum festmachen kann sondern an den gesellschaftlichen und technischen Möglichkeiten, beißen sie mit dieser Forderung bei den Liberalen auf Granit. Kein Problem für die Grünen, dann bietet man halt Kompromisse. Absichtserklärungen im Konjunktiv reichen da schon. Die langentbehrten Fleischtöpfe der Regierungsbeteiligung haben auf eine Partei, die nur noch vom Image der Gründerjahre lebt, erhebliche Anziehungskraft. Das aber ist die einzige Gemeinsamkeit mit der FDP.  

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