Horst Hermannsen zur Dürre

Nationale Anstandspflicht

Neben Trump-Bashing, Flüchtlingskrise und Dieselskandal gibt es endlich ein Sommerloch-Thema: die Dürre. Bauernvertreter, die sich jetzt medial in Szene setzen, sollten bei Rufen nach Nothilfen aber eins nicht vergessen. Bei Knappheit steigen die Preise.

„Der Glaube an die Not der Bauern ist eine nationale Anstandspflicht“.  Dieser schöne Satz eines ostelbischen Großagrariers sorgte Ende des 19 Jahrhunderts im Deutschen Reichstag für zustimmenden Applaus. In unregelmäßigen Abständen baut die bäuerliche Berufsvertretung auch heute noch auf diese „Pflicht“. Medien nehmen sich der Angelegenheit erfreut an Schließlich haben sie nun neben Dauer-Trump-Bashing, Flüchtlingskrise, der endlosen Empörungsschleife gegen Rassismus und politischem Rechtsruck oder Dieselskandal wenigstens für die Wochen des Sommerlochs ein weiteres Thema.

Endlich kann sich der sonst eher farblos wirkende Bauernpräsident Joachim Rukwied knallhart und unmissverständlich mit seiner Forderung von mindestens einer Milliarde Euro Unterstützung vom Steuerzahler für seine von der Dürre geplagten Landwirte in Szene setzen.  Vorsichtige Einwände der Politik, doch erst einmal die Erntebilanz und Marktentwicklung abzuwarten, um ein objektives Bild zu erhalten, wischt er vom Tisch. Zahlungen an die Bauern müssen rasch erfolgen, am besten sofort, sonst sind Hofpleiten unausweichlich, so sein düsteres Credo. 

Unter uns gesagt verehrter Präsident Rukwied: Ein Bauer, der nur wegen einer schlechten Ernte aufgeben muss, hat ohnehin keine Zukunft. Milchviehhalter, die wegen Futtermangel Kühe schlachten, sorgen dafür, dass sich der Milchmarkt entspannt und die Preise womöglich steigen. Wenn den Biogasanlagen der Rohstoff knapp wird, besteht die Hoffnung, dass diese Dreckschleudern die Umwelt zeitweise weniger belasten. Gerne verrate ich Ihnen, dass die Erntemenge nur eines von mehreren Marktkriterien ist. Mindestens so entscheidend sind die Produktpreise. Die scheinen im Moment zu steigen. Ich höre schon die Mühlen klagen und Kartoffelverarbeiter haben kürzere aber dafür teurere Pommes-Frites angekündigt. Man nennt dieses Wechselspiel von Angebot und Nachfrage Marktwirtschaft.

Bauern haben einen Beruf gewählt, dessen wirtschaftlicher Erfolg stark von der Witterung abhängt. In ähnlicher Situation befinden sich Eisdielenbesitzer, Biergartenbetreiber, Dachdecker, Ausflugslokale…. Ihnen allen gilt - bei ungünstigem Wetter- unser volles Mitgefühl.

Es lohnt sich, über staatliche Hilfen in schwierigen Zeiten, speziell für die Landwirtschaft, nachzudenken. Schließlich sind die Bauern der Gesellschaft lieb und teuer – genau in dieser Reihenfolge. Deshalb besteht ihr Einkommen zu etwa 40 Prozent aus staatlichen Subventionen. (Wer liebt, darf nicht knauserig sei). Wie wäre es also, wenn in Notzeiten die Landwirte, wie jetzt gefordert, zusätzliche Unterstützung bekommen. Ihr Verband müsste freilich ein Modell entwickelen, mit dem man nachweisen kann, wer wo wieviel und in welchem Umfang geschädigt ist. Wenn die Zeiten sich bessern und die Erträge steigen, müssten die Bauern das Geld wieder zurückzahlen. Tolle Idee – oder? Auf jeden Fall besser als das Prinzip Gießkanne.

Noch etwas versöhnliches zum Schluss: Wenn nichts dramatisches geschieht, wird der Weinjahrgang 2018 witterungsbedingt hervorragend. Die deutschen Weinbauern dürfen jubilieren. Joachim Rukwied gehört dazu.

4 Kommentare

  1. Johann Graf
    Erstellt 2. August 2018 16:53 | Permanent-Link

    Lieber Herr Hermannsen,
    dass Sie kein Freund des Bauernverbandes sind ist bekannt, dass sie scharfe Worte finden ebenso. Doch diesmal scheint mir fast, als können Sie ihren Neid gegenüber der starken Presseresonanz von Hr. Ruckwieds Forderung nicht mehr im Zaum halten.
    Natürlich ist die Milliarde eine starke Forderung – doch nur so funktioniert leider unsere heutige Gesellschaft, die maßgeblich auch von Ihrer Zunft, Herr Hermannsen mit beeinflusst wird. Es scheint, als ob die Bauern nun endlich lernen, auch damit umzugehen. Ihre Argumente kann ich gut verstehen und höre ich derzeit in jedem Biergarten. Da gehören diese auch hin. Von einem langjährigen Fach-Journalisten würde ich schon mehr Tiefe erwarten. Als Beispiel die Kartoffel, weil Sie sie selbst erwähnt haben: Preismisere im letzten Jahr und vermutlich kaum Ertrag für die Haupternte 2018 – da helfen auch keine guten Preise, wenn man nicht die nötige Ware hat. Das sind schon zwei schlechte Jahre in Folge.
    Oder:
    Wer seine Milchkühe aus Futtermangel schlachten muss, für den ist ihr Ausblick auf gute Milchpreise ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht sollten Sie einfach mal auch ihr klassisches Leserklientel befragen, wie denen zumute ist beim Gedanken, dass die geringen Getreide-, Raps und sonstigen Anlieferungen der Bauern die ausstehenden Betriebsmittelrechnungen nicht decken? Ich gebe Ihnen Recht, der Ruf nach staatlichen Hilfen sollte nur in Ausnahmefällen erfolgen. Doch diese haben wir meiner Meinung nach jetzt. Sollten tatsächlich Hilfsprogramme für die Landwirte aufgelegt werden, profitiert die gesamte Branche.

  2. Adam Aretin
    Erstellt 3. August 2018 16:23 | Permanent-Link

    Die Meinung gibt zu denken, aber dass an allem die Bauern selbst schuld sein sollen und nicht nur die leidtragenden der Trockenheit sind, ist zu kurz gesprungen. Natürlich gibt es überall CO2-Verbrauch (Thema Klimaänderung), aber schon vor einigen 100 Jahren gab es Dürren und Kälteperioden bevor die Autos erfunden waren und Landwirte in mühevoller Arbeit mit Ochsen und Pferden ihr Felder bewirtschafteten. Nun, die Urlauber müssen nicht mehr in weit entlegene Länder fliegen und verpesten damit weniger Luft und Natur - es ist auch bei uns heiß! Richtig ist, dass voraussichtlich die Preise steigen werden, aber wenn unsere Bevölkerung nur bei Aldi, Lidl & Co kauft, wird das den Bauern nicht viel nutzen. Betriebsmittel werden aber nicht billiger und belasten die Kasse der Bauern, die dann viel weniger Geld für oft notwendige Investitionen haben werden. Man kann nur hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder ausgeglichener werden wird.

  3. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 4. August 2018 09:41 | Permanent-Link

    Bauern, die Alchemisten der Neuzeit. - Wirklich, werter Herr Hermannsen?

    Sie als Weinliebhaber erträumen derzeit schon ein wohlmundendes Jahrhunderttröpfchen; ansatzweise nachvollziehbar angesichts gigantischer Sonnenfluten, die unseren Weinbergen kontinuierlich einheizen. Wobei wir beim Stichwort wären: Leider gehen diese Sonnenhanglagen aber zusehends in die Knie, da es anhaltend lang auch da an dem unverzichtbaren Nass von oben extrem mangelt. Die dortige Laubfärbung weist bereits eine optisch wohlgefällige Herbstfärbung auf, die man ansonsten eigentlich erst Ende September/Anfang Oktober antrifft. Regnet es in der nächchsten Woche nicht ergiebig, wird der Weingott Dionysos raue Mengen an selbigen Jahrhundert-Genusströpfchen verschwenderisch „verbrennen“. Die Genossenschaften haben daher ihre Winzer bereits aufgefordert, die Behänge drastisch zu reduzieren, man tritt dabei die Trauben massiv mit Füßen. - Ja, so unterschiedlich können Wahrnehmungen sein.

    Ein Profi wie Sie, ein wirklich alter Hase in Reihen der Agrarjournalisten, realisiert nicht, wie viel verbrannte Erde es gegenwärtig gibt!? Sämtliche euphorischen Prognosen im Vegetationsverlauf, nichts weiter als Schall und Rauch; endlich realisiert man, dass mehr als 1 Dezitonne pro Bodenpunkt nicht eingefahren werden konnten; selbst in den Gäubodenlagen z.B. auch nur dort, wo auf die 80er Böden zum richtigen Zeitpunkt das unverzichtbare Nass von oben ankam, ansonsten gab es schallende Ohrfeigen im Hinblick auf übereifrig hehre Ertragserwartungen im Vorhinein. Die Totalverluste auf nicht wenigen Flächen werden aber geflissentlich ohnedies weggeblendet und allenthalben lieber mal totgeschwiegen.

    Ihre Analyse als Medienprofi, die Weizenpreise - an den Börsen wohlgemerk t- versetzten dato sämtliche Bauern in die Lage, landesweit Goldeselchen auf unsere Bauernhöfe zu ordern, glauben Sie doch selbst nicht, lieber Herr Hermannsen. Wie viele Vorkontrakte mit Weizenpreisen angesiedelt unter 15,00 €/dt müssen vorrangig erst einmal bedient werden? WER reibt sich da genüsslich die Hände und drängt selbstredend natürlich auf Erfüllung. Vertrag ist Vertrag greift ebenso wie auch die Nachfrage derzeit den Preis treibt. Mengen über die in Rede stehenden Kontrakte hinaus, die segensreich konsolidierend auf vielen Höfen wirken könnten, hat es auf der vielerorten vollkommen verbrannten Erde kaum gegeben. - Euphorie pur also WO!?

    Nun, lieber Horst Hermannsen, dass Sie und unsere alternativen Energien in diesem Leben keine „best friends“ werden können, das wissen wir alle doch längstens. Vielleicht ist Ihnen bereits zur Kenntnis gelangt, dass eine Würzburger Chemikerin kompostierbare Beschichtungen für Verpackungsmaterial entwickelt hat. Frau Amberg-Schwab spricht von einem biologisch abbaubaren Hybridwerkstoff aus organischen und silikatisch-glasartigen Elementen, die Rede ist von„bioORMOCER“ aus biologischen Quellen, z.B. pflanzlichen Ursprungs. Nicht unbegründete Ängste, die ein solches dringlichst herbeizusehnendes Fortschrittsdenken umtreiben, sind bei diesen Forschern sofort auch die unleidigen Debatten rund um das Thema Biodiesel. Erdrückend omnipräsent die Aufgeregtheit um „Teller oder Tank“, wem klingeln dabei nicht noch heute beide Ohren. - Aber Herr Hermannsen, dürfen wir uns einem solchen Fortschritt weiterhin konsequent verweigern!? Ich jedenfalls könnte das meinen Kindern und Kindeskindern gegenüber niemals verantworten...

  4. otto
    Erstellt 6. August 2018 09:43 | Permanent-Link

    Herr Hermannsen, bitte kaufen Sie Bio oder regional und wir schaffen in 2020 die Brüssel-Subventionen ab. Überzeugen Sie den Rest der Bevölkerung auch davon.

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