Horst Hermannsen zur E-Mobilität

Schuss in den Ofen

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Manche Besitzer der hochsubventionierten E-Autos strahlen geradezu eine kindliche Glücksseligkeit aus und verdrängen dabei die Umweltzerstörung bei der Produktion.

Zwar handelt es sich bei ihren Fahrzeugen meist um Zweit- oder Drittwagen, aber ihre Fahrer sonnen sich in der unerschütterlichen Gewissheit, etwas Gutes für das Überleben der Menschheit zu tun. E-Autos gelten schließlich als umweltfreundlich, sauber, nachhaltig und damit als Alternative zu den bösen Verbrennern. Die sind durch ihren CO2-Ausstoß schlecht für die Umwelt und zudem vom endlichen Rohstoff Erdöl angetrieben. Dass Elektro-Akkus aber so etwas wie Lithium oder Kobalt   benötigen, wird gerne ignoriert. Schließlich fährt man mit seinem Auto ohne Auspuff gegen den menschengemachten Klimawandel an.
 
Die hohe Energiedichte von Lithium und Kobalt macht beide Metalle ideal für den Antrieb von Elektroautos. Die E-Mobilität soll, nach dem Willen der Politik, in den nächsten Jahren das Straßenbild bestimmen. Das heißt: Es werden immer größere Mengen Lithium und Kobalt benötigt. In den wichtigsten Fördergebiet für Lithium – Argentinien, Bolivien und Chile – wird auf tausenden Quadratkilometern bereits heute die Umwelt in einem unvorstellbaren Ausmaß zerstört.
 
Für eine Tonne Lithium werden zwei Millionen Liter Wasser verbraucht; und das in den trockensten Regionen des Kontinents. Dafür wird Grundwasser abgesenkt und einheimische Bauern vertrieben. Und wie sieht es beim Kobalt aus? Nicht besser!  Weltgrößte Lieferant ist der Kongo. Dort werden, vor allem in kleineren Minen, Kinder unter Tage geschickt statt in die Schulen. Auf Anfrage kann die Bundesregierung nicht ausschließen, dass auch in Batterien für Elektroautos aus deutscher Produktion Rohstoffe stecken, bei deren Abbau Kinder oder Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Amnesty International hat dies mehrfach angeprangert.  Auch die Gewinnung von Kobalt führt zu erheblicher Umweltzerstörung. Erze, die abgebaut werden, bilden in Verbindung mit Wasser und Sauerstoff Schwefelsäure. Damit werden Flüsse, Seen sowie das Grundwasser vergiftet. Ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bezeichnet die sauren Grubenwässer als größtes Umweltproblem der Bergbauindustrie. Sie entstehen vor allem, wenn Minen nicht mehr betrieben werden.
 
Die planwirtschaftliche Festlegung der Bundesregierung auf batteriebetriebene Fahrzeuge bedroht also nicht nur deutsche Schlüsselindustrien, sie geht auch einher mit problematischen Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung in ärmeren Regionen der Welt. Darüber hinaus blendet eine vom Zeitgeist getriebene Politik die hohen CO2-Emissionen bei der Produktion der Akkus für E-Fahrzeuge völlig aus. Übersehen wird auch, dass Strom in Deutschland knapp und extrem teuer ist. Noch lange Zeit müssen Kohlekraftwerke am Netz bleiben. Die vielen Milliarden, die Berlin für die Förderung der E-Mobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur ausgibt, sind unter dem Aspekt des Klimaschutzes ein Schuss in den Ofen.
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