Horst Hermannsen zur grünen Kanzlerkandidatur

Ausbruch aus den Jesuslatschen

Robert Habeck als cooler, philosophierender Pandabär und Annalena Baerbock als perfekt gestylter Gruß an das Bürgertum: Das Führungsduo der Grünen ist geradezu eine geniale Paarung.

Robert Habeck (51) und Annalena Baerbock (40) sind unbestritten der Glücksfall ihrer Partei. Anders als ihre Vorgänger Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir umgibt sie eine Aura der Unverbrauchtheit, sie bieten den Reiz des Aufbruchs. Dabei ergänzen sie sich bestens: Habeck, ein philosophierender, wuscheliger Pandabär, bedient den Wunsch gerade des wohlhabenden, urbanen, meist weiblichen Publikums nach „Coolness“. Annalena Baerbok dagegen, meist perfekt gestylt, bestätigt dem bürgerlichen Teil möglicher Wähler, dass die Grünen aus ihren selbst gestrickten Pullovern und ihren Jesuslatschen herausgewachsen sind.

Eine geradezu geniale Paarung. Als die beiden 2018 gewählt wurden, twitterte die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, verzückt: „Frische grüne Doppelspitze lässt Aufbruchstimmung spüren. Habeck und Baerbock werden wahrgenommen …“. Die Grünen sind die Lieblinge der Medien. Gerne wird verschwiegen, dass sie bei der letzten Bundestagswahl nur 8,9 Prozent erhielten. Journalisten, bei denen die Grünen höchste Zustimmung genießen, behandeln „ihre“ Partei und deren Repräsentanten nach der Methode Artenschutz: Grüne gelten als lebensnotwendig. Deshalb sieht man über vieles hinweg, was den schönen Schein von der grünen Weltenrettung verdunkeln könnte. Dazu gehören Verbote, Steuererhöhungen, die Vergesellschaftung weiter Teile der Wirtschaft... Naheliegend, dass in den Talkrunden von ARD und ZDF grüne Politiker irgendwie zur Möblierung gehören.


Nun wurde also Baerbock, die häufig das Wort „Baisisdemokratie“ bemüht, wenn es um ihre grüne Partei geht, im Hinterzimmer, oder, anders gesagt im kleinen Kreis, zur Kanzlerkandidatin gekürt. Dabei musste nicht unbedingt ihre Qualifikation honoriert werden. Gemäß grüner Parteistatuten hatte sie das Vorgriffrecht. Dem Glück der femininen Geburt verdankt sie somit ihr neues attraktives Amt. Dennoch überschlagen sich die Kommentatoren der „Qualitätsmedien“ mit Lobeshymnen  Ob sie allerdings wirklich Kanzlerin wird, ist fraglich. Baerbock und Habeck träumen zwar von einer grün-rot-roten Mehrheit, die es aber vermutlich nicht geben wird. Eine Koalition mit der Union wäre da schon eher denkbar.

Anderseits ist die Union auch in Hinblick auf die künftige Wählergunst unberechenbar geworden. Sie war noch nie Programmpartei; das erklärt ihre Wandlungsfähigkeit. CDU Präsidium und Vorstand haben Armin Laschet zwar  zu ihrem Vorsitzenden gemacht, aber nur um Friedrich Merz zu verhindern. Die Kanzlerin hat es gefreut. Tatsächlich steht die CDU aber nicht hinter ihrem neuen Vorstand, wie sich bei der Auseinandersetzung mit Markus Söder deutlich zeigt. 

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Eine Regierungskoalition Union und FDP ist aus heutiger Sich wenig wahrscheinlich. Gerade bei den Konservativen kann die CDU nicht mehr punkten, weil die in der Union nur noch so willkommen sind wie ein Salatblatt auf der Wurstplatte. Während der Regierungszeit von Angela Merkel haben die Unions-Parteien das gemacht, was ihrer Klientel am wenigsten gefällt: Unter dieser Kanzlerin hat die Union die Steuern schneller und stärker erhöht, als Gerhard Schröder oder andere SPD-Kanzler sie senken konnten. Keine Partei hat die immer weniger werdenden Bauern so abgeschrieben wie CDU und CSU.

Alle Zeichen stehen dennoch auf schwarz-grün. Diese Koalition wollen viele in der Union, nötigenfalls unter Einbeziehung der FDP. Die Grünen wollen sie ebenfalls. Eitelkeit und Freude an der Macht schmieden wohl im Herbst etwas zusammen, was sachlich oft gar nicht zusammenpasst.


  1. EU-BAUER Klaus1618
    Erstellt 20. April 2021 07:52 | Permanent-Link

    „Lieber Herr Hermannsen, im Stammland der Liberalen setzte unlängst seinen Siegeszug erst wer fort!? Weder jugendliches Styling noch übermäßig angepasste Eloquenz bereiteten hier das Feld... Bei Winfried Kretschmann kommt der Pandabär-Kuschelfaktor weit eher selten zum Vorschein; und dennoch wurde er zum dritten Mal als Ministerpräsident im Gelbfüßlerland der Käpsele wiedergewählt.

    Wie überaus anpassungsfähig Politiker sein können, offenbart der gegenwärtige Narzissmus in der von absolutem „C"haos geprägten Partei. Da wird sogar die weltweit größte Pandemiekrise, derer wir hier in Deutschland noch immer nicht Herr zu werden scheinen, zum Hintergrund-Nebenkriegsschauplatz degradiert, selbst wenn diese Tag um Tag Menschenleben kostet. Man beschäftigt sich allenthalben in erster Linie mit sich selbst. Dabei wird leider eines unmissverständlich ins Rampenlicht gespielt: Was derzeit diese CDU/CSU augenscheinlich NICHT kann, ist „Kanzler“.

    Nun, eine pulsierend lebensfrohe Demokratie lebt vom Wechsel, nach 16 Jahren wäre dieser mithin wohl äußerst wohltuend.

    Nur randständig angemerkt; flüchtende Rennhäschen, die sich vor 4 Jahren verstohlen feige vom Acker machten, sich stoisch ichbezogen ihrer Verantwortung verweigerten, haben übrigens erheblich zum heutigen Chaos mit beigetragen, nur um noch einmal die Absurdität dieser Stunde in Erinnerung zu rufen. Wie viele extrem enttäuschte Wähler hat man dabei zurückgelassen!? Wer sich einer Wahl stellt, signalisiert damit immerhin auch den Willen, mitgestalten zu wollen - extrem feige hernach einfach den Rückzug anzutreten, ist nicht!“

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