Horst Hermannsen zur internationalen Klimakonferenz

Schein und Sein

Diesmal tagt man also im oberschlesischen Kattowitz. Aus banalen Pressemitteilungen, inhaltslosen Internetseiten und nichtssagenden Medienberichten kann man mit viel Mühe erfahren, dass wieder mal um die (menschengemachte) Erderwärmung geht.

Längst ist der Eindruck zug ewinnen, als jage eine Klimakonferenz die nächste, folge ein Klimagipfel auf den anderen, würden Begriffe wie Rio-Erklärung, Kyoto-Protokoll und Paris-Abkommen von Politikern unablässig zitiert, obwohl sie den meisten Menschen nichts sagen. Dabei soll die Erde vor Unvernunft und Maßlosigkeit der Menschen gerettet werden. Kluge Leute erklären den Völkern, wie deren Umweltpolitik auszusehen hat.

Mit Hubschrauber zum Wandern

Ausgerechnet der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, der Norweger Erik Solheim, kam allerdings nicht mehr dazu. Er musste seinen Posten räumen, weil er in den zwei Jahren, die er im Amt war, jede Menge an First-Class-Dienstreisen rund um den Globus unternommen und dabei eine halbe Million Euro verprasst hatte. Für Kritiker ein „Gipfel der CO2-Heuchelei“. Wäre das nicht öffentlich geworden, hätte Solheim sogar die 24. Klimakonferenz eröffnet, die vom 2. bis zum 14. Dezember in Polen stattfindet. Da nimmt sich das Verhalten von Baden-Württembergs grünem Ministerpräsident Winfried Kretschmann geradezu bescheiden aus. Der schon wegen seiner politischen DNA vorbildliche Umweltschützer ließ sich im Sommer zum Wandern mit einem Hubschrauber ins Naturschutzgebiet Wurzacher Ried fliegen. Angesichts des Verkehrschaos im Ländle durchaus verständlich. Kretschmann musste in Kattowitz auch nicht ausgeladen werden, da er gar nicht eingeladen war.

Reduktionsziele torpediert

Für kein Land ist die klimapolitische Reputation ein so kostbares Gut wie für Deutschland. Denn nirgendwo ist die Diskrepanz zwischen Schein und Sein der Klimapolitik so groß wie hierzulande. Das ist wesentlich ein Verdienst von Angela Merkel. Die Kanzlerin war bereits im Kabinett Helmut Kohl von 1994 bis 1998 als Umweltministerin für die Klimapolitik zuständig. Damals engagierte sie sich bei internationalen Klimaverhandlungen noch stark für verbindliche Verpflichtungen. In ihren ersten beiden Amtsperioden als Regierungschefin verkündete Merkel dann weitreichende nationale Reduktionsziele für Deutschland und verschaffte sich damit international das positive Image als Klimakanzlerin. Davon ist wenig geblieben. Man erinnert sich wie sie 2007 und 2013 im Sinn deutscher Autobauer die Beschlüsse der EU zu Obergrenzen sowie zur schrittweisen Reduktion von Kohlendioxid in Autoabgasen torpedierte. Zwar hat die Bundesregierung als Zwischenziel proklamiert, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 gegenüber dem Niveau von 1990 um 40 Prozent reduzieren zu wollen. Derweil erwarten Experten, dass der Kohlendioxidausstoß in den kommenden Jahren nicht sinkt, sondern weiter wächst. 

Naturkatastrophen hat es schon immer gegeben

Die Politik erzeugt hier also viel heiße Luft. Garantiert menschengemacht. Das größte Problem auf diesem Planeten ist ebenfalls menschengemacht: Die Bevölkerungsexplosion. Zur Zeit von Christi Geburt gab es 500 Millionen Menschen; 1900 waren es knapp 1,6 Mrd. und heute sind es 7,6 Mrd – Tendenz stark steigend. Mit Klimawandel kennt sich diese Spezies seit alters her aus. Immerhin starb unser Vorfahre, der Neandertaler vor über 30.000 Jahren wegen des Klimawandels (damals kalt) aus und die Sahara war mal fruchtbar. Ein Trost bleibt uns aber: Die größten Naturkatastrophen, die unsere Erde heimsuchten fanden statt, bevor es Menschen mit Dieselautos gab.

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