Horst Hermannsen zur Milchpreissenkung

Spiegelfechterei

Trinkmilch ist zur Freude der Konsumenten billiger geworden. Aldi gibt die Linie vor und andere Discounter orientieren sich daran. Ein Automatismus mit Tradition.

„Die Preissenkungen sind ein verheerendes Signal für unsere Milchbauern. Der Lebensmitteleinzelhandel spielt seine Marktmacht auf Kosten unserer Betriebe aus, denn die massive Preissenkung ist mit dem Marktgeschehen nicht erklärbar“. Mit markigen Worten reagieren ehren- und hauptamtliche Mitleiderreger, etwa des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), auf niedrigere Preise für Trinkmilch in den Supermarktregalen. Damit nicht genug: „Auf der einen Seite steigen die Anforderungen an die Milchviehhalter permanent, zum Beispiel beim Tierwohl, auf der anderen Seite sinken die Verkaufspreise überdimensional,“ so die Klagen.

Die tierquälerische Anbindehaltung im Süden der Republik wird bei der aktuellen Diskussion sorgsam ignoriert. Vielmehr geht es um die Verbrauchertäuschung „Initiative Tierwohl,“ bei der Rinderhalter jedoch gar nicht beteiligt sind. Wo so viel Theaterdonner zu hören ist, dürfen die Befürworter staatlicher Betreuung eines vermeintlich unmündigen Wirtschaftszweiges vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) nicht fehlen. „Es ist zu viel Milchmenge in dem Bereich da, und die Molkereien haben sich bei den Verhandlungen mit dem Handel wieder gegenseitig unterboten“, argwöhnt ihr Sprecher Hans Foldenauer. „In der Summe sind es wir Milchbauern, die dafür die Zeche zahlen,“ lautet reflexartig sein Angstszenario.

Unternehmen sind gezwungen, sich marktwirtschaftlich zu verhalten

Aber warum denn das? Immerhin wurden in diesem Jahr nun schon zum dritten Mal die Butterpreise wegen lebhafter Nachfrage und begrenztem Angebot saftig erhöht. Sie haben mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht, ohne dass Verbraucherverbände im Gegenzug dagegen Sturm laufen. Hohe Notierungen für Butter relativieren zudem geringere Trinkmilcherlöse in der Gesamtrechnung. Und ist es wirklich ein Zeichen von Marktmacht des Handels, wenn er auf Grund eines reichlichen Angebotes günstige Einstandspreise an seine Kunden weiter gibt? Im Lebensmitteleinzelhandel herrscht ein rauer Wettbewerb, der die Unternehmen zwingt, sich marktwirtschaftlich zu verhalten.

Im Übrigen werden Molkereiauszahlungspreise nicht von den gerade mal 15 Prozent der erzeugten Milch, die direkt zu Trinkmilch verarbeitet werden, signifikant beeinflusst. Diese Milchmädchenrechnung der Stimmungsmacher ist reine Propaganda. Tatsächlich jedoch läuft der Milchfettabsatz hervorragend und das große, wichtige Käsegeschäft hat sich, nach Auskunft von Molkereien mit vernünftigem Geschäftsmodell, teilweise verbessert. Was also soll diese Spiegelfechterei um normale kaufmännische Vorgänge? Bei dem Getöse geht es, wie so häufig, um Daseinsberechtigung und Selbstdarstellung der Protagonisten und ihrer Vereine. Dabei wissen sie genau, dass für wirtschaftliches Wohlergehen hiesiger Kuhhalter die Verhältnisse am internationalen Markt entscheidend sind. Immerhin muss rund die Hälfte der in Deutschland erzeugten Milchmengen exportiert werden.
„Was also soll diese Spiegelfechterei um normale kaufmännische Vorgänge? Bei dem Getöse geht es, wie so häufig, um Daseinsberechtigung und Selbstdarstellung der Protagonisten und ihrer Vereine.“
Horst Hermannsen, 


Zur Erinnerung: Ziemlich genau vor einem Jahr konnte man bei dpa lesen: „Milch wird für die Verbraucher in Deutschland erneut teurer. Aber auch Butter wird bei Aldi Nord und Aldi Süd abermals um 8,4 Prozent teurer.“ Wie nicht anders zu erwarten, waren für den BDM auch damals „weitere Preisanhebungen erforderlich“. Da sich Verbandsvertreter der Milchviehhalter häufig in ihren Echokammern aufhalten, bieten sie nur selten Überraschungen. Die erwartet aber auch niemand wirklich.

1 Kommentar

  1. Johann Irl
    Erstellt 9. Mai 2018 13:58 | Permanent-Link

    Hallo Herr Hermannsen,
    in Ihrem Beitrag würde ich kein Problem sehen, wenn Sie die Auflagen der Deutschen Landwirte mit den außereuropäischen vergleichen würden. Dann könnten Sie sehen, dass nicht höhere Ansprüche gestellt werden können um den gleichen Ertrag zu erhalten. Vorschlag: Auch Sie kürzen Ihren Lohn auf das Niveau von Polen, Rumänen etc.
    Ihre Ausgaben für Lebenshaltung sollten Sie aber auf Ihrem bisherigen Niveau lassen. Wäre doch fair.

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