Jörg Schiffeler zum Tierwohl-Fleisch

Schritthalten ist zu wenig

afz

Die Haltungsbedingungen der Tiere werden in Zukunft bei der Fleischvermarktung das entscheidende Differenzierungsmerkmal sein, erwartet Jörg Schiffeler, Chefredakteur allgemeine fleischer zeitung (dfv Mediengruppe).

Schritthalten reicht nicht mehr: Das Megathema Tierwohl verdient keinen weiteren Aufschub. Klimafreundlicher Konsum und Genuss mit gutem Gewissen sind die beiden Seiten einer Medaille, die der Gesellschaft immer wichtiger werden. Der deutsche Discount-Primus Aldi hat das erkannt. Jetzt will der Händler nicht mehr länger warten auf Bauern, die mitmachen; auf Politik, die gestaltet und auf Vermarkter, die feilbieten.
 
Zu lange diskutieren wir hierzulande über notwendige Veränderungen, damit künftige Generationen die Nutztierhaltung akzeptieren. In der Metzgerei, im Supermarkt, im Discounter, in der Kantine und in der Gastronomie: Es sind die 15- bis 29-Jährigen, für die Tierschutz und Klimaschutz untrennbar miteinander verbunden sind – die Kundinnen und Kunden von morgen. Tempo ist also angesagt. Hierbei stehen weder die Agrar- noch die Fleischwirtschaft am Anfang. Leider sind aber einige exklusive Angebote bisher nicht aus der Nische herausgekommen. Es ist positiv, dass vielerorts an regionalen Fleischprogrammen gefeilt wird und sich immer mehr fleischerhandwerkliche Unternehmen und Tierhalter mit Qualitätsparametern wie beispielsweise Offenstall, Strohschwein oder Weiderind profilieren.

Dennoch braucht es einen Ruck. Denn das Vorpreschen der Aldi-Gruppe, Fleisch von Tieren aus den Haltungsstufen 1 und 2 mittelfristig auszulisten, ist kein simpler Marketinggag. Es ist vielmehr eine klare Ansage, die kräftig nachhallt. Das erkennt man schnell an der Menge der Reaktionen auf die Ankündigung des Discounters. Fest steht: Mit Tönnies als Partner – der bereits über die Hälfte der 500 geplanten Außenklimaställe verfügt – kann Aldi seinen Worten Taten folgen lassen. Das setzt nun alle anderen Player kräftig unter Zugzwang.
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