Katja Bongardt über die ausbleibende 5G Netzabdeckung

Kein Licht der Hoffnung

Ein schnelles Internet gehört zum Hausanschluss wie Strom und Wasser. Leider bleibt der ländliche Raum in puncto Netzabdeckung im Zeitalter von Kerzenleuchtern und Schöpfbrunnen stecken.

Die bisher unter dem Agrarradar geflogene Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erlangte schlagartig höchste Bekanntkeit in der Branche. Leider nicht mit der Verkündung fortschrittlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern mit der äußerst unglücklichen Formulierung: "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig". Abgesehen davon, dass 5G sehr wohl an jeder Milchkanne gebraucht wird, zeigt dieser Satz die ganze Scheinheiligkeit der politischen Debatte um die ländlichen Räume.

Wie Strom und Wasser gehört ein schnelles Netz zum Standard eines jeden Haus- und Hofanschlusses. Doch die ländlichen Räume können nach den Plänen der Bundesregierung beim Internet ruhig noch eine Weile im Zeitalter von Kerzenleuchtern und Schöpfbrunnen stecken bleiben (was dann auch wieder das überholte Bild der Milchkanne in den richtigen Kontext rücken würde).

Wie sonst lässt es sich erklären, dass sich die Bundesregierung bei der jetzigen Vergabe der Mobilfunklizenzen mit einer nur 98-prozentigen Abdeckung zufrieden gibt? Sie hätte auf 100 Prozent bestehen müssen. Durch die Lizenzvergabe über die Bundesnetzagentur hat der Staat die Gestaltung der Mobilfunkabdeckung doch in seiner Hand. Sonst hätte man gleich nach dem Motto "Der Markt regelt's" verfahren können. Durch den Verzicht auf die entscheidenden 2 Prozent bleiben Aktionen wie die von Horst Seehofer (CSU) geschaffene Kommission für „Gleichwertige Lebensverhältnisse“, die Einsetzung von Digitalbetrauftragen oder die Betonung der Bedeutung der ländlichen Räume Symbolpolitik und blanke Makulatur.

"Digital Framing ist ohne schnelles Internet ein Widerspruch in sich selbst", ärgert sich VDMA-Landtechnik-Chef Bernd Scherer. Auch Herrmann Lohbeck, Sprecher das Landtechnikunternehmens Claas ist auf Ministerin Karliczek nicht gut zu sprechen. Er hat ihr nach dem Milchkannen-Statement einen Beschwerdebrief geschrieben, aber Medienberichten zufolge keine Antwort erhalten. „Am Ende ist alles eine Frage des politischen Willens. Der scheint aber nicht überall vorhanden“, wetterte Lohbeck darüber hinaus in dieser Woche in der WDR-Sendung "Hart aber Fair" über die schlechten Bedingungen für die Landwirtschaft

So bleiben dem frustrierten Landbewohner derzeit wohl nur zwei Möglichkeiten. In der vorweihnachtlichen Zeit ein Kerze anzuzünden und sie neben das schweigende Handy zu stellen - in der Hoffnung auf Hilfe von oben. Oder den Entscheidungsträgern Feuer unter dem Hintern zu machen. Dabei kann man sich an den französichen Landwirten orientieren. Aber vielleicht reicht es auch schon, wenn sich alle wie derzeit die Vertreter der Landtechnik deutlicher zu Wort melden. 

Siehe auch Interview in der aktuellen Print-Ausgabe der agrarzeitung.

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