Katja Bongardt über den gvo-frei-Trend bei Milch

Nur die halbe Wahrheit

„Ohne Gentechnik“-Siegel kurbeln den Verkauf an. Aber liefern sie wirklich das bessere Produkt? Nein.

Im Milchsektor gehören Waren "Ohne Gentechnik" fest ins Sortiment. Verbraucher wollen das haben. Der Handel reagiert und stellt seine Bedingungen an die Lieferanten. Auf rund 2,3 Mrd. € schätzt der siegelvergebende Verband VLOG mittlerweile den Umsatz für dieses Jahr. Tendenz steigend. Denn immer mehr Molkereien und Milcherzeuger machen mit oder müssen mitmachen, um weiter liefern zu dürfen. Zum ersten Januar stellt Arla das deutsche Werk in Upahl komplett auf gvo-frei um.

Aber was wollen die Verbraucher da eigentlich kaufen? Das Siegel verspricht, Transparenz bei den Produktionsbedingungen herzustellen. Der Milchtrinker erfährt, ob die Kuh Futter gefressen hat, das von gentechnisch verändert Pflanzen stammt oder nicht. Diese Art von Transparenz zu schaffen ist gut.

Doch das Siegel transportiert natürlich noch mehr. "Der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen ist nicht nachhaltig und schadet der Umwelt und den Menschen", heißte es bei VLOG. Unternehmen, die ihre Produkte nach den "Ohne Gentechnik"-Kriterien produzieren, leisteten dagegen einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Das ist vielleicht ein bisschen zu einseitig dargestellt.

Um nur eine Beispiel zu nennen: Der Einsatz von gentechnisch verändertem "golden" Reis ist nachhaltig und nutzt vielen Menschen, indem er vor mangelbedingten Krankheiten schützt. Blindheit beispielsweise. Aber wir waren ja thematisch bei den Tieren.

Ein Aspekt an dem Komplex gvo-freie Milch ist, dass gentechnisch verändertes Südamerika-Soja im Rinderfutter ersetzt werden muss. Raps bietet sich an. Mit diesem Substitut verschäfen sich allerdings deutsche Umweltprobleme. Denn mit der veränderten Ration scheidet die Kuh mehr Phosphat aus. Gerade erst im Sommer wurde die neue Düngeverordnung verabschiedet, die versucht die Stickstoff- und Phosphat-Emissionen zu begrenzen.

Das Siegel sorgt insofern für Nachhaltigkeit, indem es den Export von Poblemen in andere Länder vermeidet. Die Umweltprobleme entstehen dort, wo auch konsumiert wird, also in Deutschland (gvo-freie-Milch ist nunmal kein Exportschlager). Insofern wäre das eine sehr transparente Sache. Aber das spricht ja kaum einer aus. Leider.

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