Katja Bongardt über Veganer

Besser ernst nehmen

az

Die Tierschützer von PETA haben zur Fleischbeschau geladen. Gesucht war „Germany‘s Sexiest Vegan 2017".

Neben der spezifischen Ernährungsweise brauchte es ein möglichst ansprechendes Foto und Engagement für Tiere, um für den Titel "Germany‘s Sexiest Vegan 2017" in die engere Wahl zu kommen. Der Eschborner Wolfgang Huber hat beispielsweise einem Tierheimhund eine neue Hüfte zum Preis von 4.000 € spendiert. Andere Menschen hätten eine Kosten-Nutzen-Analyse bezüglich der 4.000 € angestellt und sich möglicherweise anders entschieden. Trotz dieser Investition hat es zum Sieg nicht gereicht. Huber wurde nur Dritter. Abgeräumt hat der Münchener Gunther Nann, Hersteller von veganem Eis.

Auch sonst lassen sich eine Menge bemerkenswerter Vorgänge an diesem kleinen Wettbewerb ablesen. So ist von dem Nominierten Sydney Nwakanma aus Berlin zu lernen, dass es vegane Rapmusik gibt. Und von der Bronzemedaille bei den Frauen, Andrea Ilic, erfahren wir, dass sie aufhörte Fleisch zu essen, weil ihre serbische Großmutter auf ihrem Bauernhof ein Kalb schlachtete.

So sieht Deutschlands knackigster Veganer aus: Gunther Nann aus München.
Foto: Facebook Screenshot
So sieht Deutschlands knackigster Veganer aus: Gunther Nann aus München.

Genug Vorlagen also, um in die bekannten Lager zu verfallen. Auf der einen Seite die Fleischfraktion, die oft nichts anderes als Verachtung für diese Lebenseinstellung übrig hat. Und auf der anderen Seite die Tierrechtler, die sich in der Regel moralisch überlegen fühlen.

Die meisten kennen Ställe nur aus dem Fernsehen

Doch kann man es Leuten übel nehmen, auf tierische Produkte zu verzichten, angesichts der Bilder, die sie regelmäßig aus Schlachthöfen und Ställen frei Haus geliefert bekommen? Wie sollen sie es denn besser wissen, wenn sie maximal mit einer Hauskatze aufgewachsen sind, die Mäuse vermutlich auch nur aus dem Fernsehen kennt?

Die WDR-Wissenschaftsredaktion hat ein interessantes Experiment begleitet. Ein Vorzeige-Bauer schlachtete Anfang Dezember in der weihnachtlichen Kölner Innenstadt seine Gänse live auf dem Markt. Eine Frau stand am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Eine andere meinte auf Facebook: "Diesen Anblick sollte jeder Fleischkonsument ertragen können, alles andere ist Heuchlerei.“ Professor Christoph Klotter Ernährungspsychologe von der Hochschule Fulda erklärt dazu: "Wer jung, weiblich und gebildet ist, hasst Fleischkonsum.“ Diese Gruppe werde immer größer. 

Ich habe auch keine Ahnung, wie man aus dieser verfahrenen Situation in Deutschland wieder raus kommt. Vermutlich gar nicht. Eine Sache könnte aber hilfreich sein: Man sollte Leute, die Fleisch ablehnen, ernst nehmen.

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