Kolumbien

Kein Ei gleicht dem anderen

Foto: Steffen Bach

Während seines Urlaubs in Kolumbien machte az-Korrespondent Steffen Bach beim Einkauf von Eiern überraschende Entdeckungen.

Mit pauschalen Aussagen über den Charakter von Nationen sollte man vorsichtig sein. Den Kolumbianern tut man aber sicherlich nicht unrecht, wenn man sie als wahre Fans des Hühnereis bezeichnet. Schon beim Frühstück stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie man sein Ei serviert bekommen möchte. Auch im weiteren Tagesverlauf bieten sich zahlreiche Gelegenheiten, den Bedarf nach tierischem Eiweiß auf kostengünstige Art zu decken. 279 Eier haben die Kolumbianer im vergangenen Jahr pro Kopf verzehrt, das waren 6,5 Prozent mehr als 2016. Der Konsum in Deutschland stieg 2017 um 1,3 Prozent auf 235 Eier.

Während der Kauf des Frühstückseis in Deutschland eine relativ einfache Sache ist, wird der Verbraucher in Kolumbien mit einem schier unüberschaubaren Angebot konfrontiert. Neben Eiern aus Käfig-, Boden und Freilandhaltung, bieten die Hersteller zahlreiche weitere Varianten an. So gibt es beispielsweise Eier mit reduzierten Fettanteil, Eier bei denen die Hennen mit besonders viel Getreide gefüttert wurden, Eier mit einem erhöhten Anteil von Omega-3-Fettsäuren, Koshere Eier, die die Bedürfnisse jüdischer Verbraucher berücksichtigen, oder Disney-Eier für Kinder mit einem erhöhten Anteil an Calzium und Phosphor. Die Themen Bio und Gentechnikfreiheit spielen dagegen keine Rolle.

Ziel ist es, das Ei als gesundes und unverzichtbares Lebensmittel zu positionieren. In Supermärkten fühlt man sich als deutscher Verbraucher, der gewohnt ist, zwischen Boden- Freiland- und Bioeiern zu wählen, schnell überfordert. Schließlich muss man aus einem Angebot von gut drei Dutzend verschiedenen Eiern die richtige Wahl treffen.

Der wachsende Eiermarkt ist hart umkämpft. Die 50 größten Unternehmen in Kolumbien kommen zusammen auf einen Marktanteil von nur 50 Prozent. Die starke Fragmentierung sorgt für einen harten Wettbewerb, der vor allem über den Preis ausgetragen wird. Mit speziellen Angeboten, die auf die Bedürfnisse der kaufkräftigen Mittelschicht zugeschnitten sind, wollen sich einige Hersteller höhere Margen sichern. Die Strategie scheint aufzugehen, denn die „Huevos Gallina feliz“ (Eier von glücklichen Hühnern) aus der Freilandhaltung von der Firma Santa Reys kennt in Kolumbien jede Hausfrau. Disney-Eier sichern dem Hersteller Santa Anita einen hohen Bekanntheitsgrad.

Die Strategie dieser beiden größten kolumbianischen Produzenten ist darauf ausgerichtet, sich langfristig als Marke zu positionieren, mit der höhere Umsätze und Verkaufserlöse erzielt werden können. Dass die wesentlich teureren Spezial-Eier bisher nur einen kleinen Marktanteil haben, stört die Anbieter dabei nur wenig. Ganz nebenbei nimmt man mit den Angeboten von Eiern „Libres de Jaula“ (ohne Käfig) oder Gallina feliz aus dem Freiland auch der beginnenden Tierschutzdiskussion die Schärfe.

Fragen der Tierhaltung sind in Kolumbien bisher nur ein Randthema. Dennoch gibt es auch in dem südamerikanischen Land eine wachsende Verbrauchergruppe, die die Käfighaltung kritisch sieht. Mit den Angeboten aus alternativen Systemen spielen die Hersteller der Ball zurück zum Kunden, der mit seinem Einkaufsverhalten Einfluss auf die Haltungsbedingungen nehmen kann. Für die große Masse der Kolumbianer, die häufig nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen (das Durchschnittseinkommen liegt bei knapp 1000 Euro), bleibt auch in Zukunft der Preis entscheidend. Die meisten Konsumenten werden weiter zum kostengünstigen Käfigei greifen, das in der 30er-Packung rund 270 Pesos (8 Cent) kostet. Für Freilandeier müssen die Verbraucher dagegen bis zu 900 Peso (26,5 Cent) bezahlen.

Bei der Diskussion über neue Vermarktungsstrategien spielt der in Deutschland viel gebrauchte Begriff „Nische“ keine Rolle. Die kolumbianischen Eierproduzenten sprechen lieber von „oportunidades“ (Möglichkeiten).
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