Jetzt gibt es in der Gesellschaft also nur noch Befürworter einer Ökolandwirtschaft, die offensichtlich totgefördert werden muss. Unzählige Verbände und Organisationen mit zum Teil verwirrenden Logos sehen es mit Vergnügen, reiben sich die Hände. Es ist aber auch schwierig, die milliardenschweren nationalen und EU- Subventionsgelder in einen Berufsstand zu schaufeln, in dem immer weniger Menschen ihr Ein- beziehungsweise Auskommen finden.

Die bislang noch praktizierte Flächenprämie ist als eine Form von „Agrarpolitik nach Gutsherrenart“ kein überzeugendes Konzept mehr. Hauptprofiteure, also milliardenschwere Konzerne wie Südzucker, Fielmann-Brillen, Munich RE, Steinhoff-Familienholding und weitere Großgrundbesitzer sehen das naturgemäß anders. Basissubventionen, die direkt an Bauern gezahlt werden sollten, streichen zu häufig Grundbesitzer ein, die mit realer Landwirtschaft nichts zu tun haben. Auch deshalb soll künftig mehr Öko gefördert werden. Die Frage, warum die Gesellschaft die Verzehrsgewohnheiten einer Minderheit subventionieren muss, wagt in diesen aufgeheizten Zeiten niemand zu stellen. Ich stelle sie auch nicht, sondern beantworte sie: damit die Landschaft bunter, die Gewässer sauberer und das Essen nicht unbedingt schmackhafter, dafür aber teurer wird. Gratis bekommen jene, die es brauchen, zudem ein besseres Gewissen mitgeliefert.

Grundsätzlich kann sich in unseren Breiten jeder darüber freuen, dass wir kostspielig Öko-Landwirtschaft fördern. Dies ist das untrügliche Zeichen einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft. In weiten Teilen der Welt gelten andere Prioritäten. Ein Großteil der Menschheit wirtschaftet unfreiwillig „ökologisch“. Häufig fehlen Geld und die logistischen Möglichkeiten für gentechnisch verändertes Saatgut, für chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel. Das muss sich ändern, denn das größte menschengemachte Problem ist eine unaufhaltsam steigende Weltbevölkerung, die zu ernähren ist.

In unserem Luxus-Dasein hat Öko auch mit Glaube, Hoffnung, Liebe und der Sehnsucht nach einem guten Gefühl zu tun. Vieles bei den Konsumenten wird nicht in der Realität, sondern im Kopf zur unumstößlichen Gewissheit. Liebhaber von Öko-Nahrungsmitteln empfinden die Produkte natürlicher, gesünder, ehrlicher. Dass Wissenschaftler und Verarbeiter nicht selten differenziertere Erkenntnisse haben, wird ignoriert.

Wenn man bestimmte Äußerungen mantraartig wiederholt, dann werden sie von weniger Gläubigen freilich als Leerformeln wahrgenommen, als inhaltslose Phrase. Ein Beispiel ist der im Öko-Bereich ohne Unterlass verwendete Begriff der „Nachhaltigkeit“. Alle sind für Nachhaltigkeit. Was das aber genau bedeutet, bleibt vage. Es ist keinesfalls nachhaltig, wenn nicht mehr gegen Unkraut gespritzt wird, dafür aber mit dem Striegel die Nester von Bodenbrütern und abgelegtes Niederwild in großem Umfang vernichtet werden. Und es ist nicht nachhaltig, wenn etwa durch Kupfermittel mit fungizider Wirkung der Boden angereichert wird.

Schon klagen konventionell wirtschaftende Landwirte, die von  Ökoflächen geradezu umzingelt sind, über die Folgen. Da Biobauern keine Handhabe gegen bestimmte Käfer haben, breiten sich diese invasiv aus und werden spätestens bei der Vermarktung, wenn sie im Erntegut zu finden sind, zum wirtschaftlichen Problem. 

Wenn eine Agrarwende mit zu viel öffentlichem Geld und zu viel ideologischem Druck auf den Weg gebracht wird, führt sie in die Irre. Gefragt sind vernetzte und verbindliche Strategien, die zu Ende gedacht sind.

3 Kommentare

  1. Eberhard Hepp
    Erstellt 5. September 2019 17:51 | Permanent-Link

    Der Staat sollte " ALLE " Subventionen steichen. Auch die für die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist sich ihrer Macht nicht bewusst. Der Tanz ums goldene Kalb im November sollte einmal unterbleiben, d.h. leere Hallen. Es gäbe ganz lange Gesichter. Aber von Farbe, Lack und Glanz, lassen sich alle über den Tisch ziehen.

  2. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 6. September 2019 10:57 | Permanent-Link

    FLEISCH, als schon pervers anmutend spottbilliger Magnet bisher, um die Verbraucher scharenweise in die heiligen Hallen der Discounter locken zu können, wird aufgrund der gesellschaftlich sehr emotional geführten Diskussionen, die zwischenzeitlich massiv Sprengkraft entwickeln, abgelöst von den dortigen Backautomaten u. BIO. Man powert nun also den Zeitgeist „Veggydays für jedermann, auch für den kleinen Geldbeutel“.

    Solange z.B. eine Münchner Großbäckerei dem Vernehmen nach tagtäglich Ausschuss in einem Umfang produziert, der für die Versorgung einer ganzen Kleinstadt reichte -backfrisch entsorgt quasi, weil es den dekadenten Ansprüchen der Verbraucher in unserer Wohlstandsgesellschaft nicht genügt- ist das von uns Bauern auf unseren Feldern produzierte Getreide noch immer viel zu teuer.

    Wir konventionellen Bauern verspüren deshalb den äußerst schmerzhaft über unseren Köpfen geschwungenen Knüppel Jahr um Jahr, in kaum mehr für möglich gehaltener, immer noch steigerungsfähiger Penetranz; auch im BIO-Bereich sind wir übrigens auf einem sehr erfolgversprechenden Weg genau dahin. Umstellerware wird dato bereits zum Ramschprodukt abgewertet, eine Zweiklassenlandwirtschaft eröffnet quasi das Windhundverfahren, wonach nicht jeder bereitwillige Umsteller als potentieller Empfänger der hierfür vorgesehenen generösen „Agrarknete“ als solcher auch wirklich willkommen geheißen wird. BIO-Produkte erfüllen demnach bald auch diese „gesellschaftlichen Anforderungen“, dass sie in solchen Mengen verfügbar sind, die niemand braucht, keiner haben will, wenn, dann allenfalls nur billig. - Die besten Voraussetzungen mithin zum hoch geadelten Prädikat „spottbillig - so billig, um bedenkenlos in die Tonne zu wandern“.

    Unsere Intellektuellen wissen die Zeichen der Zeit -den Fingerzeig unserer Mutter Natur- noch immer nicht zu deuten, man schlummert abgeschottet in goldenen Käfigen im entspannten Dornröschenschlaf. Erwarten Sie bitte nicht, von einer Frau Schulze bzw. einer Frau Klöckner wachgeküsst zu werden! - Was landet in einigen Jahren auf unseren heimischen Tellern? Nach dem Willen unserer NGOs ist es die vordringliche Aufgabe der heutigen Wissenschaft, sich dahingehend über die alternative Nutzung von Grünland, einer Verwertung von Insekten, in welcher kulinarischen Art und Weise auch immer, sich ernsthaft Gedanken zu machen. - Heutige Lösungsansätze = null!

    Gerade im Hinblick auf einen rasant voranschreitenden Klimawandel bietet sich die professionelle Landwirtschaft als Lösungsmodell förmlichst an. Aber, ...Fehlanzeige!

    Einer Signifikanz langgliedriger Kohlenwasserstoffe u.a., die vernünftig biologisch abbaubar wären, unter den aktuellen Gegebenheiten noch immer nicht hinreichend Beachtung zu schenken, lässt die perfide Dekadenz sämtlicher oberflächlich geführten Luxusdiskussiönchen unmissverständlich erkennen. - In absoluter Scheinheiligkeit torpediert man diesen Bioplastik vom Acker wohl vornehmlich auch deshalb, weil die Technik unserer Recyclingsysteme sicherlich versagte, das herkömmliche Material, das unsere Weltmeere zusehends verseucht, von eben diesen naturverträglichen Produkten überhaupt unterscheiden, geschweige denn trennen zu können. Wir arbeiten also noch nicht einmal an den Fudamenten.

    Bei was verlustiert, weit besser noch, VERLIERT(!) man sich gegenwärtig in unseren abgeschotteten Elfenbeintürmen allenthalben? Wo bleiben die wissenschaftlichen Visionen mit Entwicklungspotential als akzeptable Antworten auf viele massiv drängenden Fragen, die kaum mehr einen zeitlichen Aufschub zulassen?

    Ein erst am heutigen Morgen geführtes Telefonat mit einem Händler offenbarte die dortige Grundhaltung, dass man von einer noch massiven Strukturbereinigung in Reihen des Bauernstandes ausgehe. Wenn das dem modernen Zeitgeist entspricht, die konventionellen Bauern ans Schafott zu liefern, an wem verlustiert man sich danach, wenn der letzte dieser Spezies erst gerichtet ist!?

  3. Ernst Friedrich Hahn
    Erstellt 16. September 2019 13:31 | Permanent-Link

    In einem Artikel von 1993 schrieb Horst Hermannsen: "Nur gut florierende Wirtschaftsregionen sind in der Lage, sich eine kostspielige Landwirtschaft zu leisten." Bei uns floriert und brummt die Wirtschaft mit Exportüberschüssen u. Verkaufszahlen wie noch nie! Aber wo stehen wir, die Landwirte? Auf einem Preistief für unsere Produkte, vor allem aus der konventionellen Landwirtschaft. Landwirte werden pauschal, auch in Schulen u. von Politikern, als Umweltvergifter u. Giftspritzer tituliert. Damit diskriminiert man unsere Familien, unsere Kinder u. Enkel. Weder unsere Berufsvertretung oder Politiker unternehmen etwas dagegen. Eine Hetze in den Medien, wie gegen uns, würde sich kein anderer Mitbürger oder Zuwanderer gefallen lassen. Viele Landwirte haben eine landw. Ausbildung über den Meister, bis zum Hochschulstudium mit Abschluss erfolgreich absolviert. Wir Landwirte haben es nicht nötig, dass uns Politker ohne Qualifikation "sach- und fachgerechte Ratschläge geben". Die normalen Bürger sind satt. Das wird so bleiben, obwohl der Klimarat min. 50 Mrd. € ihnen abverlangen wird. Wie können die Mitbürger das ausgleichen, ohne ihren Lebensstandart zu schmälern? (Teure Mieten, E-Auto, Urlaub mit Flieger oder Schiff). Wo können sie sparen? Nur beim Kauf von billigen Nahrungsmitteln! Leider! Es wird Zeit, dass wir Landwirte neben den Bio- u. Ökoflächen auch die Sauerstoffproduktion durch unsere Feldfrüchte, als Dienstleistung bezahlt bekommen. Was, außer "grün", wandelt CO² in Sauerstoff um? Bestimmt nicht die Grünen.

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