Olaf Deiniger zur Weltklimakonferenz

Gut gemeint in Scharm El-Scheich

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In Ägypten trifft sich derzeit die Weltgemeinschaft mit hehren Zielen. Die Veranstaltung zeigt einmal mehr, dass gute Absichten nicht ausreichen.

Uno-Generalsekretär António Guterres kritisierte diese Woche das „Greenwashing“ der Öl- und Gasindustrie. Die Industrie würde ihre verheerenden Klimabilanzen bewusst schönfärben. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass Deutschland kaum noch eine Chance hat, das selbstgesteckte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Und damit sind wir nicht die einzigen.

Die Frage ist: Was sind Selbstverpflichtungen wert, wenn sie zu nichts führen? Und zwar nicht nur in der Industrie, sondern eben auch bei den Nationen und Regierungen. Der Klimadiskurs in Deutschland beschäftigt sich vornehmlich mit Details. Wochenlang diskutieren wir kleine und kleinste Maßnahmen und sehen nun, dass diese Aktivitäten praktisch nichts verändern.

Selbst allereinfachste Regelungen wie etwa ein Tempolimit auf unseren Autobahnen, das sich nicht nur klimapositiv auswirkt, sondern auch helfen könnte, den Ölpreis nicht noch weiter steigen zu lassen, führen zu endlosen Grundsatzdebatten. Als ob mit einem Tempolimit der Untergang des Abendlandes bevorstünde. Nun hören wir, dass die Regierung einen Klimaclub gründen möchte.

Mich beschleicht bei alldem das Gefühl, dass es bei diesen Aktivitäten gar nicht um wirkliche Veränderungen geht, sondern darum, das nächste Meeting, die nächste Konferenz, das nächste Pressegespräch zu überstehen – mit einer Erklärung, mit einer Ankündigung, mit einem Medienthema –, um dann wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Gleichzeitig radikalisieren sich gerade viele junge Leute, die diesem Stillstand nicht weiter zuschauen möchten, und kleben sich auf Fahrbahnen oder bewerfen Kunstwerke mit Kartoffelbrei. Und was tun wir: Wir diskutieren, ob sie das tun dürfen. Während die jungen Menschen argumentieren, dass, wer keine Zukunft hat, auch keine Vergangenheit braucht.

Deshalb sollten wir ehrlich sein: Sprechen wir bei all den angeblichen Maßnahmen im Kern nicht eigentlich über Ersatzhandlungen? Wenn es schlecht läuft, wird der Weltklimagipfel wieder so enden. Mit Absichtserklärungen, die nicht wirklich viel zu bedeuten haben. Ich wünschte, dass es anders wäre.

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