Olaf Deininger über die Zukunft der Plattform-Ökonomie

Meta-Märkte entstehen

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Die Plattform-Ökonomie erreicht die nächste Stufe. Auch im AgriFood-Business.

Es ist bereits einige Jahre her, als mir ein Mitarbeiter einer der großen internationalen Start-up-Investoren berichtete, dass sie künftig überwiegend in solche digitale Plattformen und Lösungen investieren werden, welche die Inhalte anderer Plattformen aggregieren. Das klang abstrakt. Gemeint war damit, dass es nicht mehr um das Investment in einzelne E-Commerce- oder Shopping-Plattformen, in einzelne Suchmaschinen oder in singuläre Lösungen gehe. Zumindest nicht nur. Es gehe stattdessen um Anwendungen, die andere Anwendungen zusammenfassen. Also um Meta-Suchmaschinen, die Anfragen automatisch an alle verfügbaren Suchmaschinen weitergeben und deren Ergebnisse dann auf der eigenen Plattform zusammenfassen. Oder um Meta-Shops, die bei beliebigen Produkten alle entsprechenden Online-Shops, die dieses Produkt anbieten, digital und sekundenbruchteilschnell abfragen und die Ergebnisse samt den entsprechenden Preisen dann darstellen. So funktionieren beispielsweise Preisvergleichsportale.

Diese Entwicklung ist nun auch in der AgriFood-Branche angekommen. Abzulesen ist der technische und marktmäßige Niveausprung an Plattformen wie etwa E-Farm, mit dessen Gründer wir ein Gespräch geführt haben. E-Farm integriert 1.100 Händler und Gebrauchtmaschinen-Plattformen wie beispielsweise den Traktorpool oder die Technikbörse.

Damit geht es nicht mehr nur um die ‚Plattformisierung‘ des Agrarhandels und aller seiner Teilbereiche.

 
Zwar ist diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen und liegt noch hinter dem digitalen Integrationsgrad etwa beim digitalen Markt der Gebrauchtfahrzeuge. Trotzdem zeichnet sich mit den Meta-Plattformen bereits die nächste technologische Entwicklungsstufe ab. Denn künftig wird es darum gehen, welcher Marktanbieter mit digitaler Technik als Erstes nicht nur einen Marktausschnitt abbilden kann – etwa einen regionalen, einen nationalen, einen produkt-, marken- oder hersteller-spezifischen. Es geht darum, welcher Player den gesamten Markt darstellen kann.

Hier berichtete mir E-Farm-Gründer Nicolas Lohr, dass E-Farm mit automatischen Übersetzungen ihrer Maschinen-Beschreibungen und Modelldaten in sämtlichen Sprachräumen Europas unterwegs ist. Für die Zukunft ist weiter geplant, die Stammdaten der Modelle zentral zu halten und zu standardisieren.

Das ist in der Automobilbranche schon seit Jahren üblich ist. Die Hersteller stellen ihren Händlern, den Handelsplattformen und den Gebrauchtfahrzeug-Börsen die Stammdaten ihrer Modelle als Datensätze nach internationalen und vor allem maschinenlesbaren Standards zur Verfügung. In der Landtechnik ist dies noch nicht verbreitet.

Gelingt dieses Vorhaben, bietet es nicht nur den Händlern und Anbietern mehr Bequemlichkeit bei der Dateneingabe. Da viele Angaben und Details aus der Datenbank gezogen werden können, müssen diese nicht mehr manuell eingegeben werden – und Fehler oder Falschangaben lassen sich somit vermeiden. Dies könnte den Plattformen eine einzigartige Stellung am Markt verschaffen. 


Ein Interview mit dem E-Farm-Gründer Nicolas Lohr finden Sie hier 

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