Olaf Deininger zu Innovationsstrategien

Auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit

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Das agrar Wirtschaftsforum in Frankfurt verdeutlichte in dieser Woche Defizite und Chancen.

Das Delta war nicht zu übersehen: Während Unternehmen wie Amazon mehr als 10 Mrd. US-$ in ihre „Forschung und Entwicklung“ investieren, kommt Nestlé, der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern, gerade einmal auf 1,7 Mrd. US-$. Und dies, so erklärte unser Keynote- Speaker Alessio D‘Antino, Gründer und CEO der Analysten-Firma „Forward Fooding“, obwohl die Welternährung und Ernährungssicherheit wie auch die Transformation der Agri-Food-Branche hin zu höherer ökologischer und klimatischer Verträglichkeit und weniger Ressourcenverbrauch angesichts von Klimawandel und einer Weltbevölkerung von rund acht Milliarden Menschen zu den drängendsten Problemen überhaupt zählen. Wenn sich dann noch herausstellt, dass die Lebensmittel-Branche mehr Mittel für Marketing ausgibt als in die Entwicklung neuer und nachhaltiger Lösungen steckt, dann ist das eigentlich kaum mehr verständlich.

Hinzu kommt, dass Nestlé hier leider keine Ausnahme ist. So stammen die meisten der nachhaltigen Innovationen der AgriFood-Branche der letzten Jahre gar nicht von den klassischen Herstellern und Lieferanten, sondern von Start-ups und anderen jungen Projekten.

Immerhin erklärte etwa Dr. Claus Hackmann, als Investment Manager bei der BASF Venture Capital GmbH für die Beteiligungspolitik des Konzerns verantwortlich, im anschließenden Diskussions-Panel, dass dies längst keine verschrobene Ideologie grüner Weltverbesserer mehr sei, sondern schlicht die Realität, der man sich stellen müsse. Entsprechend beteilige sich sein Unternehmen ausschließlich an solchen Projekten und Start-ups, die eine Lösung für die aktuellen Probleme und Herausforderungen entwickeln oder bereits liefern. Populär gesagt: Ohne Innovation und Nachhaltigkeit geht gar nichts.

Das scheinen immer mehr Firmen der Agrarbranche mittlerweile ähnlich zu sehen. Denn nicht nur die großen Hersteller, Erzeuger und Lieferanten haben mittlerweile ihre eigenen Beteiligungsunternehmen und Budgets, die sie für Investments ausgeben. Auch die mittelständischen Lieferanten und Hersteller von Technik- und Technologielösungen haben mittlerweile zusätzlich zu den eigenen Forschungs-Budgets ebenfalls eigene Beteiligungsgesellschaften gegründet, die systematisch den Markt beobachten und gezielt in Start-ups investieren.

Es scheint auch, als hätten etliche Firmen mittlerweile erkannt, dass sie die Innovation, die sie für die Zukunft brauchen, gar nicht allein aus sich selbst, aus ihrer eigenen Organisation schöpfen können, sondern nur über Beteiligungen an Start-ups oder durch Übernahmen sicherstellen können.

Neben den zu niedrigen Budgets für „Forschung und Entwicklung“ könnte ein Grund für diese Entwicklung im Mindset vieler Organisationen liegen. Dazu ein Beispiel aus einer anderen Branche: Über 15 Jahre lang haben mir Vertreter des Einzelhandels immer wieder erklärt, dass Amazon scheitern wird. Heute ist Amazon die bekannteste und reichweitenstärkste Marke bei den Endverbrauchern in Mitteleuropa.

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